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Die 4 Pferderennbahnen von Charlottenburg


Stadtteil: Charlottenburg
Bereich: Neu-Westend
Stadtplanaufruf: Berlin, Preußenallee
Datum: 8. Mai 2017
Bericht Nr: 586

Schon zur Kaiserzeit waren die Berliner sportbegeistert. Weil den Charlottenburgern die Pferderennbahnen im Osten zu weit weg lagen, errichteten sie eigene Rennbahnen in ihrer damals noch selbstständigen Stadt, lange bevor Groß-Berlin gegründet wurde. Mehrere Pferdesportarten waren "im Rennen", insgesamt gab es im Lauf der Zeit vier Standorte von Galopp-, Trab- und Hindernis-Rennbahnen im Umkreis von Neu-Westend.

Trabrennbahn Neu-Westend
Bis zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wusste kaum jemand in Deutschland etwas von Trabrennen mit Pferden, die für den extrem schnellen Trab gezüchtet wurden. In Frankreich gab es zu dieser Zeit bereits mehr als hundert Trabrennbahnen. Diese Kunde wird durch den Krieg nach Deutschland gekommen sein. In Charlottenburg gründete sich 1888 die Trabrenngesellschaft Berlin-Westend. Ein Jahr später eröffnete sie die Trabrennbahn in dem damals noch unbebauten Neu-Westend. Der Zugang erfolgte über die verlängerte Eschenallee (heute Länderallee). Nicht nur Traber mit Sulkys liefen auf der Bahn, auch erste Autorennen wurden hier gefahren.

Ab 1904 wurde das Quartier westlich der Villenkolonie Westend für die Siedlung Neu-Westend parzelliert, 1913 begann dort die Bebauung. Das alte Westend bestand zu diesem Zeitpunkt schon, es hatte sich bereits seit 1866 entwickelt. Es war Pech, dass die Trabrenngesellschaft den Pachtvertrag für ihr Gelände nicht rechtzeitig verlängert hatte, so musste sie 1908 Neu-Westend verlassen.

Auch wenn das Oval der Rennbahn nicht mehr besteht, wird doch der Stadtgrundriss bis heute maßgeblich von ihr geprägt. Als die Rennbahn noch existierte, waren bereits die Marathonallee, die Württembergallee und die Reichsstraße knirsch an das Oval angedockt worden. Später durchschnitten Bayerallee, Hessenallee und Preußenallee das ehemalige Rennbahngelände und vervollständigten mit geschwungenem Straßenverlauf das Straßenraster der Siedlung. Immer noch kann man sich das Oval in den Stadtplan hineindenken, wie die Überlagerung von altem und neuem Plan zeigt.


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Trabrennbahn Ruhleben
In Ruhleben westlich vom Olympia-Gelände, an der Straße "Freiheit", fand die Trabrennbahn eine neue Heimat. Als Außenwerk der Spandauer Festung war 1866 nahe der Murellenschlucht die Ruhlebener Schanze aufgeschüttet worden, österreichische Kriegsgefangene waren dabei im Arbeitseinsatz. Angrenzend an die ehemalige Schanze eröffnete die Rennbahn 1909 mit einer breiten Sandbahn und Grünfläche in der Mitte. Tribünen, Aussichtspavillon, Kaffeehaus und Kasino gehörten zu der modernen Anlage, auf der Schanze stand ein überdachter Terrassenbau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch ein kurzes Aufflackern der Renntätigkeit in Ruhleben, dann wurde 1955 die Rennbahn geschlossen. Auch die Schanze wurde abgetragen. Auf dem Gelände entstanden die Müllverbrennungsanlage und das Klärwerk Ruhleben.

Rennbahn Grunewald
Östlich der Trabrennbahn legte Otto March zwischen der Ruhlebener Murellenschlucht und der Heerstraße eine von Kiefern umgebene Galopprennbahn an, die in demselben Jahr 1909 in Betrieb ging wie die Trabrennbahn und der Vorläufer des Olympiastadions werden sollte. Die Anlage war die Charlottenburger Antwort auf die Weißenseer Rennbahn, die weit entfernt im städtischen Osten lag. Als die Idee aufkam, Olympische Spiele 1916 in Berlin zu veranstalten - was dann der Erste Weltkrieg verhindert hat - wurde in der Mulde innerhalb der Rennbahn das Deutsche Stadion gebaut. Hitler griff die Idee der Olympischen Spiele als machtvolle Inszenierung wieder auf. Für die Spiele 1936 ließ er das Deutsche Stadion abreißen und das Olympiastadion bauen.

Hindernis-Rennbahn Ruhwald
Für Hindernisrennen gab zwischen Ruhwaldpark und Krankenhaus Westend für kurze Zeit eine Rennbahn. Sie war das Gegenstück zur Rennbahn Karlshorst, die wie die Trabrennbahn Weißensee zu weit entfernt im städtischen Osten lag. Schon nach einem Jahrzehnt musste die Charlottenburger Hindernis-Rennbahn aufgeben, auch hier war ein auslaufender Pachtvertrag der Grund. Die Rennen wurden jetzt doch nach Karlshorst verlegt. Auf einem Teil des aufgegebenen Geländes entstand das Sommerbad Westend benachbart zum Wasserwerk in der Nähe des Krankenhauses.

Noch mehr Reitplätze
Erwähnt werden muss noch eine weitere Charlottenburger Reitsportinstitution, auch wenn sie nicht in Westend lag. Das Amerikahaus und die Verwaltungsgerichte an der Hardenbergstraße stehen auf einem Grundstück, auf dem das "Berliner Central-Reit- und Fahrinstitut" eine Reithalle mit Tribünen, Sattelplatz und Pferdeboxen in einem langen, zweistöckigen Gebäude betrieb. 1934 wurde zur Vorbereitung der Olympischen Spiele der alte Bahnhof Zoo abgerissen und um Fernbahngleise erweitert neu aufgebaut. Dafür musste die Reitsporthalle weichen. Es war nicht der einzige Tattersall in der Zoogegend, die Kurfürstendamm-Theater wurden auf einer ehemaligen Reitbahn errichtet. In der Grolmanstraße gab es einen Tattersall, und in der Fasanenstraße wurden beim Bau eines Atelierhauses Pferdeschädel aus dem Aushub geborgen und als Fassadendekoration angebracht.

Ringer und Sieger
Zwischen dem "Ringer" an der Heerstraße und dem "Sieger" am Steubenplatz durchschreiten wir heute Neu-Westend. Beide Skulpturen wurden in dem ersten 1900er Jahrzehnt aufgestellt. "Es gruselt einem vor dem überdimensionalen Ringer", schreibt die taz, weil der heroische Körper ein "Vorbote militärischer Disziplin" sei. Beim spontanen Betrachten - meinen wir - würde man die Haltung vielleicht eher einem Läufer als einem Ringer zuordnen. Den "Läufer" gab es tatsächlich - ebenfalls von Hugo Lederer - am Scholzplatz, doch leider ist kein Vergleich mehr möglich, das Kunstwerk wurde als kriegswichtiges Material eingeschmolzen.


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Der "Sieger" sitzt wie ein Indianer - locker und zugleich beherrscht - auf seinem schreitenden Pferd, in der rechten Hand eine Siegespalme, die inzwischen verloren ging. Auf der Museumsinsel steht das Gegenstück, eine "Amazone" zu Pferde, ebenfalls ein Inbegriff von Selbstbeherrschung und Konzentration. Louis Tuaillon hat diese beiden Skulpturen geschaffen, Meisterschüler von Reinhold Begas, Professor an der Berliner Kunstakademie, Mitglied der Berliner Sezession und des Deutschen Künstlerbundes, Ehrendoktor der Berliner Universität, geehrt mit dem Orden Pour Le Mérite für Wissenschaften und Künste. Erstaunlich, dass der eher konservative Kaiser Wilhelm II. diesem Wegbereiter der Moderne seine Reverenz erwies und die Amazone vor der Nationalgalerie aufstellen ließ.

Neu-Westend
Alfred Schrobsdorff, der "Baukönig von Charlottenburg", hat viele Spuren in seiner Heimatstadt hinterlassen. 41 seiner noch vorhandenen Häuser in Charlottenburg sind als Baudenkmale eingetragen, seine Immobilienfirma sitzt seit 1883 in Westend und ist immer noch in Familienbesitz. Aber auch die Bauschäden im Nassen Dreieck verbinden sich mit seinem Namen. Mit seiner Terraingesellschaft "Neu-Westend AG für Grundstücksverwertung" und der Unterstützung der Deutschen Bank entwickelte er ab 1904 Neu-Westend, das Quartier westlich der Reichsstraße. Anders als im alten Westend bestimmen hier weniger Villen und Landhäuser das Bild als vielmehr vier- bis fünfgeschossige Miethäusern.

Drei Kirchen und zwei Kloster
Sind die Bewohner von Neu-Westend besonders gläubige Menschen? Schauen wir uns an, welche drei Kirchen hier angesiedelt sind. Die St. George’s Church an der Preußenallee dient einer anglikanischen Gemeinde, sie wurde 1950 während der britischen Besatzungszeit gebaut. Die Kirchenbänke dieser ehemaligen Garnisonkirche sind mit militärischen Abzeichen britischer Regimenter geschmückt. Der schlichte Kirchenbau kommt ohne einen Glockenturm aus. Heute dient die Kirche einer zivilen Gemeinde. Die anglikanische Gemeinde hatte schon seit den 1880er Jahren eine Kirche auf dem Gelände von Schloss Monbijou, die nach Bombenschäden in der DDR-Zeit abgerissen wurde wie das Schloss selbst.

Die Dienerinnen des Heiligen Geistes von der ewigen Anbetung (Steyler Anbetungsschwestern) leben in ihrem Kloster an der Bayernallee in strenger Abgeschiedenheit. Zu den in den 1930er Jahren erbauten Gebäuden gehören zwei Klostertrakte und die Kirche als Eckgebäude zur Preußenallee. Die jenseits der Oldenburgallee angrenzende Katholische Kirchengemeinde Heilig Geist gehört wie die Anbetungsschwestern zu den Steyler Missionaren. Hier leben "Brüder und Priester in internationalen und multikulturellen Gemeinschaften".


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Verwaltungsbauten in Neu-Westend
Mit goldenen Lettern präsentiert sich der Baukonzern Philipp Holzmann in einem lang gestreckten Bürogebäude an der Heerstraße, das er Ende der 1930er Jahre selbst gebaut hat. In einem Gebäudeflügel saß in der Nazizeit die Reichsjugendführung. Am anderen Ende des Gebäudekomplexes hat eine Lebensversicherung in protzigen Riesenlettern ihren Namen auf einen Findling geschrieben.

U-Bahnhof Neu-Westend
Das reiche Schöneberg hatte 1910 eine autarke U-Bahn von Nollendorfplatz bis Innsbrucker Platz gebaut, die 1926 dann doch am Nollendorfplatz an den Gemeinschaftsbahnhof der Berliner Hochbahn angeschlossen wurde. Das Eingangsportal mit Säulen, Laternen und Umfassungsmauer war dadurch überflüssig geworden. Am gerade fertig gestellten U-Bahnhof Neu-Westend konnte man es gut gebrauchen, am westlichen Ausgang zum Steubenplatz wurde es eingebaut und sieht so ganz anders aus als die anderen schlichten Eingangsportale dieses Bahnhofs.



An der Reichsstraße wollten wir unser Flaniermahl zu uns nehmen, doch das "Adelino", in dem wir schon einmal gut gegessen hatten, schien voll zu sein. Von der Serviererin an die Hand genommen, entdeckten wir die ungeahnte Ausdehnung des Lokals mit Räumen und Nebenräumen, in denen wir uns trotzdem nicht verloren vorkamen, weil die Bedienung die Gäste bis in die hinterste Ecke flott betreute.

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route:
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Die Zeit vergeht. Das Gras verwelkt
Vom Winde verweht