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Charlottenburger Kalksteinfelsen


Stadtteil: Charlottenburg
Stadtplanaufruf: Berlin, Reichsstr.
Datum: 19. Juni 2007

An der Reichsstraße und dem Spandauer Damm befinden sich in einer Achse zwei Parks, die unabhängig voneinander künstlich geschaffen wurden. Aus einer alten Kiesgrube entstand der Brixplatz, auf einer Anhöhe an der Spree ("Spandauer Berg") der Ruhwaldpark. Beide Parks entführen den Besucher in grüne Oasen, die ihn den starken Straßenverkehr und die umliegenden Mietwohnbauten vergessen lassen.

Der Charlottenburger Gartendirektor Erwin Barth schuf 1919 am Brixplatz eine märkische Landschaft mit (künstlichem) Kalksteinfelsen, Sumpfbereichen und einem künstlichen See 14 Meter unterhalb des Straßenniveaus. Seine Idee war, der Bevölkerung Grünflächen im Häusermeer zu bieten, "in welchen sie die reiche Blumen- und Pflanzenwelt in Muße betrachten kann, in welchen die Erwachsenen sich erholen, die Kinder spielen können. Dementsprechend werden für die Kinder Spielplätze, für die Erwachsenen zahlreiche Ruheplätze geschaffen, die mit schönblühenden Sträuchern, mit schattenspendenden Bäumen und vor allem mit wirkungsvollem, abwechslungsreichem Blumenschmuck versehen sind."

Eine Bürgerinitiative hat die Wiederherstellung und Pflege des marode gewordenen Parks übernommen. Jetzt restauriert das Bezirksamt auch den Kalksteinfelsen, aber die eigentliche Attraktion sind die schmalen Wege, die durch eine üppiges Grün führen. Der untere Bereich war früher gesperrt, um die Vegetation ungestört zu lassen, heute sind die ehemaligen Pflegepfade bis zum Teich herunter öffentlich zugänglich.

Ludwig Schaefer-Voit, der zu Reichtum gekommene Verleger der ersten deutschen illustrierte Damen-und Modezeitschrift ("Basar") baute am Spandauer Berg 1867 sein Schloss Ruhwald und legte einen Park mit amerikanischen Nadelhölzern und einer kleinen Teichanlage an. Die Höhenlage 30 Meter über der Spree ermöglichte einen traumhaften Rundblick, das Westendplateau südlich des Parks war noch völlig unbebaut. Mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten war er sehr erfolgreich, er wurde zum Commerzien- und Commissionsrath, später zum Geheimen Kommerzienrat ernannt und schließlich in den Adelsstand versetzt. Im übrigen Leben hatte er weniger Glück, seine vier Söhne starben vor ihm (zwei in Kriegen gegen Österreich und Frankreich) und ein Nachbarschaftsstreit am Ruhwaldpark ließ ihn schon 6 Jahre nach dem Bau das Anwesen verkaufen.

Danach ging es immer nur bergab mit diesem Anwesen. Eine Malzfabrik eröffnete ein Restaurant, das aber bald wieder geschlossen wurde. Dies kommentierten die Berliner mit: "Nun ruhen alle Wälder, vor allem Ruhwald selber". Eine Nervenheilanstalt wurde 1887 eingerichtet. Der Bezirk Charlottenburg als neuer Eigentümer ließ 1937 das Schloss und seine Nebengebäude mit der Ausnahme von Remise und Wirtschaftsgebäuden abreißen, das Wirtschaftsgebäude wurde als Casino genutzt. Das im Stil der italienischen Frührenaissance erbauten Kavalierhaus wurde 1952 abgerissen.

Nur die Arkaden des Kavalierhauses mit einer breiten Freitreppe sind erhalten. In ihnen befinden sich Marmorbüsten von Ludwig und Margarethe Schaefer-Voit. Heute steht der Park unter Denkmalschutz. Eine jüdische Kita und eine therapeutische Wohngemeinschaft nutzen die Gebäude, der Park ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Der Brixplatz hatte prominente Einwohner: Joachim Ringelnatz lebte hier, und Max Schmeling lernte seine Anni Ondra hier kennen. Die Westendklause war der Prominententreff, und so wollen wir dort unseren Rundgang beschließen. Doch vorbei ist die alte Herrlichkeit, nur Wüstchen und ähnliches steht auf einer dürftigen Seite der Karte. Aber nebenan, im "Il Cardinale" werden wir freundlich bedient und kulinarisch verwöhnt.

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Mehr über Erwin Barth: Barth, Erwin Stadtgartendirektor

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Zu diesem Bericht gibt es einen Forumsbeitrag
Charlottenburg, Brixplatz (19.6.2007)



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