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Mauern sind in Berlin nicht dauerhaft


Stadtteil: Mitte
Bereich: Leipziger Straße, Mauerstraße, Behrenstraße
Stadtplanaufruf: Berlin, Mauerstraße
Datum: 10. Oktober 2005

Zwei Flaneure treffen sich mehrwöchiger Pause wieder in Berlins Mitte. Wo gehen wir heute hin? Das Abspannwerk Buchhändlerhof, heute besser als E-Werk bekannt, das erste derartige Bauwerk zur Stromverteilung (1926) in der Mauerstraße, hatten wir als Ziel ausgesucht, aber in der Dunkelheit erschloss sich die kühne Architektur nicht, und so änderten wir unser Ziel auf "Mauerstraße" ab (1). Vorher starteten wir am Holocaustmahnmal, das wir in dieser Beleuchtung zu dieser Tageszeit zum ersten Mal sahen. An der Hamburger Vertretung (in einer Querstraße der Mauerstraße) kamen wir auch vorbei, Grüße nach Hamburg!

Die Mauerstraße ist eine Querstraße der Leipziger Straße, sie liegt zwischen Friedrichstraße und Behrenstraße. Sie hieß auch zu DDR-Zeiten Mauerstraße, was aber keinen Bezug zur DDR-Grenze hatte. Vielmehr hatte der Festungsbauer Jan de Bodt um 1700 geplant, die ältere Friedrichstadt mit einem Festungsbauwerk und einer Mauer zu umgeben. Eine Planung, die wegen der schnell wachsenden Stadt nicht verwirklicht wurde.

Heute sind an dieser zwischen Behren- und Leiziger sehr stillen Straße Botschaften angesiedelt, z.B. die von Nordkorea, Verzeihung: der Koreanischen Volksrepublik Hier wird noch unverfälschter Personenkult in den Schaukästen gezeigt: der große Führer Kim Il Sung und sein Sohn Kim Jong Il bei Parteitagen, bei Paraden und beim Volkstümeln auf dem Acker. Weitere Botschaften in dieser Straße: Usbekistan (2), Bulgarien (3). Und Bundesministerien (z.B. eine Abteilung des Arbeitsministeriums oder der Dienstsitz des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen). Die Bürgersteige sind hier unbelebt, die Straße am Abend nicht befahren, hier herrscht tagsüber Administration und abends gähnende Leere. Nur ein aktueller politischer Kommentar an einem Merkel-Bild in einem Fenster: "Darf DAS Kanzler werden?". Ja, das darf, denn heute ist sie zur Kanzlerin nominiert worden. Die schlimmere Nachricht ist wahrscheinlich: Stoiber kommt nach Berlin. Und will Technologiemister werden. (Mister statt Minister: Das ist ein Schreibfehler und soll so stehen bleiben).

An der Ecke Leipziger Straße steht das Museum für Kommunikation, das als Postmuseum vom Generalpostmeister Heinrich von Stephan gegründet wurde (wer mal Briefmarken gesammelt hat, kennt diesen Namen). Durch das Museum leuchtet ein blaues Dach, das zu ergründen am Abend keine Gelegenheit war. Am Tage durchquert man als erstes den historischen Lichthof, wobei man von einem Roboter begrüßt wird, der sich ansonsten die Zeit mit Ballspielen vertreibt. (Von einem späteren Besuch des Museums im Oktober 2008 ist unten eine Bildergalerie zu sehen).

Jenseits der Leipziger Straße Richtung Checkpoint Charly wird die Straße belebter. Auf Treppenstufen sitzt ein junger Mann mit seinem Laptop auf den Knien, eine Freisprecheinrichtung am Ohr, telefoniert und schreibt. Träume ich? In einem Fitnesscenter trainieren Frauen im Schaufenster auf Laufbändern. Träume ich?

Der Gendarmenmarkt ist nicht weit, der Hunger groß, und so muss das Lutter & Wegener mit Wienerschnitzel und Zwiebelrostbraten die wiedervereinigten Flaneure abfüttern. Gut hat's geschmeckt.

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(1) Den Besuch beim Abspannwerk Buchhändlerhof haben wir hier nachgeholt:
Kathedralen der Berliner Architektur um 1900
(2) Usbekistan ist inzwischen zur Perleberger Straße umgezogen: Virtuelle Seidenstraße
(3) Die Botschaft von Bulgarien wird hier als DDR-Nachkriegsmoderne vorgestellt: Botschaften der DDR-Bruderländer
(4) mehr über Botschaften: Botschaften

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Im Museum für Kommunikation (Okt.2008)

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