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Palastschaustelle


Stadtteil: Mitte
Bereich: Palast der Republik
Stadtplanaufruf: Berlin, Poststraße
Datum: 20. August 2007

"Eine demokratische Entscheidung" steht an den Erläuterungstafeln zur Palastschaustelle. Na ja, formal mag das ja stimmen, aber ... Wir besuchen den Palast der Republik, um seinen "Rückbau" anzuschauen. Sprache als Ausdruck der Macht und Verschleierung, "Abriss" wäre ein wahres Wort. Dieser Abriss ist neben der Abrechnung mit dem vergangenen politischen System, dem Beseitigen seiner Symbole aber auch eine Berliner Tradition, die schon in früheren Jahrhunderten gepflegt wurde. Ich erinnere nur an den Ausbau Berlins zur Festungsstadt nach dem Dreißigjährigen Krieg. Diese Festung wurde nie gebraucht und dann auch wieder "zurückgebaut", abgerissen. Andere Beispiele sind in mehreren unserer Rundgänge nachzulesen (1).

Erinnern wir uns an diesem Platz: hier stand einst das Berliner Stadtschloss, dessen Ruine von der DDR 1951 gesprengt wurde. Man befreite sich von der ungeliebten Vergangenheit. 1976 wurde der Palast der Republik eingeweiht, ein Kulturzentrum mit Veranstaltungssaal, Restaurants, Sportanlagen und dem "Parlament", der Volkskammer. 1989 fand hier die letzte große Feier statt: zum 40.Jahrestag der DDR, mit Demonstranten vor der Tür, schon im Zeichen des Umbruchs. 1990 beschloss die Volkskammer hier den Beitritt zur Bundesrepublik. Nach der Wende begann nach der Asbestsanierung eine "Zwischennutzung", man konnte in dem entkernten Innenraum chinesische Terrakottafiguren bestaunen, einen Berg erklimmen, Boot fahren, Veranstaltungen besuchen. 2006 begann der Abriss des Gebäudes. "Hier wird Geschichte erlebbar", sagte die Stadtentwicklungssenatorin bei der Einweihung der Aussichtplattform für die Palastschaustelle. Eben! Nur meinte sie dieselbe Geschichte wie diejenigen, "für die der Palast auch ein Stück Lebensgeschichte ist"? Auch dieses Zitat stammt von der Senatorin. Wie sich die Bilder wiederholen: Man befreit sich von der ungeliebten Vergangenheit, erst vom Stadtschloss, dann vom Palast der Republik.

Auf unserem Weg zum Nikolaiviertel kommen wir zum Kurfürstenhaus, das von der Poststraße zum Spreeufer durchgeht ("Kurfürstenhöfe"). Das Haus wurde 1897 im Stil der deutschen Renaissance errichtet, es ist mit Schmuckelementen wie Reliefs und Medaillons ausgestattet und hat schmiedeeiserne verzierte Tore. Das Nikolaiviertel ist nach Meinung der Tageszeitung taz "Berlins Disneyland", weil es nach dem Krieg historisierend im alten Stil wieder aufgebaut wurde, wobei man großzügig historische Ungenauigkeiten in Kauf genommen und z.B. das Ephraimpalais wegen der Verbreiterung des Mühlendamms um 12 Meter versetzt hat. Es ging nicht um die Rekonstruktion der Altstadt, sondern um die Rekonstruktion des Stadtraumes, erklärt der für die Rekonstruktion verantwortliche Architekt diese Haltung.

Wir bleiben im Nikolaiviertel etwas abseits der Touristenströme, die sich direkt an der Spree in den Lokalen tummeln und essen bei einem Italiener. Vom U-Bahnhof Hausvogteiplatz aus geht es dann zurück nach Hause.

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(1) Beispiele für die Abrißwut: Abreißen und neu bauen



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