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Bundeskanzlerin und Stadtbärin


Stadtteil: Mitte
Stadtplanaufruf: Berlin, Am Köllnischen Park
Datum: 11. Juli 2007

"Wir haben eine Bundeskanzlerin, warum dann nicht auch eine Stadtbärin ?" fragte der Verein Berliner Bärenfreunde und erklärte nach dem Tod des Stadtbären "Tilo" im April 2007 die ältere der Berliner Stadtbären, "Schnute", zum amtierenden Wappentier. Der Bärenzwinger, der während der täglichen Fütterung von Touristen umlagert ist, befindet sich im Köllnischen Park in Mitte gegenüber der Fischerinsel.

Das Parkgelände ist historischer Boden mit dem in Berlin üblichen Wechsel von Bebauung, Abriss und Neugestaltung. Auch das Umsetzen von Bauten und Skulpturen wurde nicht erst beim Sony-Kaisersaal am Potsdamer Platz erfunden, sondern hat lange Berliner Tradition. Beim Ausbau Berlins zur Festungsstadt ab 1658 wurde das sumpfige Schwemmland an der Spree mit einbezogen, um die Cöllner Vorstadt zu schützen. Das "Bollwerk im Morast" wurde mit einem 8 m hohen und 6 m breiten Festungswall umgeben. Die am Wall gebauten Häuser wurden später bei der Schaffung des Köllnischen Parks abgerissen, die Bastion erst 1969 bei der letzten Umgestaltung des Parks geschliffen.

Ein Rundturm "Wusterhausischer Bär", der erst später (1891) in den Park versetzt wurde, sicherte ein Wehr am Wassergraben, mit dem man durch Heben und Senken des Wasserspiegels ein Gefrieren des Wassers im Graben verzögern konnte. Dieser "Bär" leitete sich ab von dem lateinischen Wort "berum" = Wehr. So könnte der Name der Stadt vielleicht nicht auf sein Wappentier, den Bären zurückzuführen sein? Auf jeden Fall gibt es heute hier Bären im Zwinger, man sieht über den Bezug zum Wehr großzügig hinweg, die Bären sind ja auch viel putziger und "Schnute" ist mit 12 Kindern ein gutes Symbol für die Zukunft Berlins.

Die Festungsanlage wurde ab 1734 wieder abgerissen, für ihren militärischen Zweck hat man sie wegen der Entwicklung der Waffentechnik nie gebraucht. Auf dem Gelände wurde ein Gebäude errichtet, das heute das Märkische Museum (1) beherbergt. Vorher war es Zuckersiederei, Tabaklager, Hospital ("eine Stiftung seiner Majestät des Königs, zur Aufnahme unverheirateter, arbeitsunfähiger und hilfloser Personen bestimmt"), Arbeitshaus, Irrenanstalt. 1869 wurde der Köllnische Park geschaffen. In ihm stehen der Stumpf einer Windmühle aus dem 17.Jahrhundert, ein Terrakotta-Brunnen, die Kopie einer antiken Vase (vom Schloss Sanssouci nach hier umgesetzt), ein Denkmal für Heinrich Zille (geschaffen von Heinrich Drake, vom Schloßplatz nach hier umgesetzt) und eine Herkules-Skulptur (von der Herkulesbrücke am Festungsgraben zur Herkulesbrücke am Lützowplatz und zum Schluss hierher umgesetzt). Diese Plastik von Johann Gottfried Schadow zeigt Herkules, der dem angreifenden Löwen von Nemea das Maul aufreißt, um später das Raubtier mit bloßen Händen zu erwürgen.

Auf unserem Rundgang treffen wir auf Schulze-Delitzsch, einen Mitbegründer des Genossenschaftswesens, der vom Sockel auf die "Luisenstädtische Bank" zeigt, die später von der Köpenicker Bank geschluckt wurde. Der weitere Weg Köpenicker Bank - Grundkreditbank - Berliner Volksbank gehört zu den Schattenseiten der Genossenschaftsbanken unserer Tage.

Expressionistische Baukunst sehen wir in der Rungestraße bei der Zentralverwaltung der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Kräftige Backsteinpfeiler, Zickzackbänder und Skulpturen prägen die Fassade. Die Brasilianische Botschaft an der Wallstraße und die Chinesische Botschaft an der Brückenstraße setzen Zeichen moderner Bauweise. Chinesisch ist auch unser Essen nach dem Rundgang im Ming an der Spree gegenüber dem Bahnhof Jannowitzbrücke. Kein chinesisches Einerlei, sondern phantasievolle Gerichte, auf Wunsch auch ohne Glutamat, und kompetente Bedienung, ein guter Abschluss des Abends.

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(1) Das „Märkisches Provinzial-Museum", wie es bei seiner Gründung hieß, ist seit 1908 hier untergebracht. Es gehört zur Stiftung Stadtmuseum Berlin, die auch so unterschiedliche Museen wie das Museumsdorf Düppel, die Domäne Dahlem oder das Ephraim-Palais unter einem Dach vereint.



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