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Brückentag


[1] Nördliche Monbijoubrücke [2] Friedrichsbrücke [3] Liebknechtbrücke (Kaiser-Wilhelm-Brücke, Kavalierbrücke) [4] Rathausbrücke (Kurfürstenbrücke, Lange Brücke) [5] Mühlendammbrücke [6] Inselbrücke [7] Roßstraßenbrücke [8] Grünstraßenbrücke [9] Gertraudenbrücke [10] Jungfernbrücke [11] Schleusenbrücke [12] Schloßbrücke (Hundebrücke) [13] Eiserne Brücke [14] Südliche Monbijoubrücke

Stadtteil: Mitte
Bereich: Spreeinsel
Stadtplanaufruf: Berlin, Friedrichsgracht
Datum: 30. April 2012

Über sieben Brücken musst Du gehn ... Doppelt so viele Brücken sind es, die die Spreeinsel mit dem umliegenden Berliner "Festland" verbinden. Wir haben den "Brückentag" wörtlich genommen (der heutige Montag vor dem Maifeiertag liegt zwischen zwei arbeitsfreien Tagen) und sind einmal rund um das alte Cölln gelaufen, um seine Verbindungen übers Wasser zu erkunden.

Eine schmucklose breite Spannbetonbrücke - die Mühlendammbrücke [5] - führt seit 1968 dort übers Wasser, wo im 13.Jahrhundert auf einem Knüppeldamm die Furt durch die Spree überquert werden konnte. Zwei kleine Marktflecken an dem bis zur Ostsee führenden Handelsweg wurden so miteinander verbunden: in Berlin der Molkenmarkt und in Cölln der Fischmarkt (nahe dem Petriplatz). Am Mühlendamm wurde die Spree gestaut, um Wassermühlen betreiben zu können. Ein Brückenbauwerk - flankiert von Mühlen - entstand. Der große Kurfürst ließ eine Brücke aus Stein errichten, aus den hölzernen Verkaufsbuden um die Mühlen herum wurden gemauerte Mühlenkolonnaden. Die Brücke war dadurch von einer Ladenstraße umgeben, auf der man beispielsweise beim Bäcker, in Kleider- und Galanteriewarenläden einkaufen konnte, dazwischen fanden sich die Eingänge zu den Mühlen. Städtisches Leben in einer Einkaufsstraße, die zwischen den Aufbauten nicht mehr als Brücke wahrgenommen wurde.

Das Spreebett wurde ausgebaggert und schiffbar gemacht. 1892 hat man die Mühlen abgerissen, Auf der Brücke stand jetzt ein Gebäude mit Zinnen und Türmchen für die Städtische Sparkasse („Normannenburg“). Pferdebahnlinien überquerten die Mühlendammbrücke, immer wieder wurde sie zu schmal für den stärker werdenden Verkehr. Im Zweiten Weltkrieg blieb die begonnene Umgestaltung und Verbreiterung der Brücke stecken, die heutige Konstruktion ist die größte in der DDR gebaute Straßenbrücke. An diesem Ort könnte man nachspüren, wie aus einem Übergang über die Spree zwei Marktplätze und später eine Doppelstadt entstanden sind - aber die Erinnerungen daran sind vollständig ausgelöscht, an seiner Wiege ist Berlin ohne Gedächtnis. Erst die archäologischen Funde in der weiteren Umgebung - beispielsweise am Petriplatz oder vor dem Roten Rathaus - lassen Spuren der Stadtgeschichte erkennen.

Die längste Brücke der Welt überbrückt in China das Meer auf einer Länge von 42,5 Kilometern. Die kürzeste deutsche Brücke ist 2 Meter lang, denn nach einer DIN-Vorschrift ist das die Mindestlänge, um von einer Brücke sprechen zu können. Die Brücken zur Spreeinsel sind nicht spektakulär, historischen Bauten sind oft durch spätere Neubauten ersetzt worden, meist sogar mehrfach. Die Zeiten, da man Schmuckbrücken zur Verschönerung des Stadtbildes gebaut hat, sind vorbei, heutige Brücken sind nichts zum Anschauen.

Dort, wo das Bodemuseum wie ein Schiffsbug die Spree teilt (die tatsächlich in entgegengesetzter Richtung fließt), verbinden die beiden Monbijoubrücken [1], [14] die Museumsinsel mit den gegenüberliegenden Ufern. Der hellere Stein verrät, dass die Nordbrücke 2006 nachgebaut wurde. Die Südbrücke ist als Original hundert Jahre alt. Beide Brücken entstanden zusammen mit dem Bodemuseum. Der Nordteil der Spreeinsel war vorher zuerst Lustgarten der kurfürstlichen Residenz, später wurde die Insel für einen Packhof genutzt, eine "Mehlbrücke" führte zu dem Inselgelände und zum Mehllager.

Die Friedrichsbrücke [2] ist gerade eine Großbaustelle, sie soll direkt zu den Kolonnaden auf der Museumsinsel geöffnet werden. 1703 wurde sie erstmals als Große Pomeranzenbrücke erbaut. Der Name bezieht sich nicht auf die Landpomeranzen, wie Mädchen vom Lande mit mangelnder Bildung abwertend genannt wurden, sondern auf die Bitterorangen, die auf Fürstenhöfen gern als exotische Repräsentationsobjekte in Orangerien gezeigt wurden. Im 18.Jahrhundert wurde die Pomeranzenbrücke durch eine Gewölbebrücke aus Backsteinen ersetzt, sie hieß jetzt nach dem Großen Fritzen Friedrichsbrücke. Im folgenden Jahrhundert wurden gusseiserne Fachwerkbögen eingebaut und nach 60 Jahren wieder abgebrochen, ein weiterer Neubau mit gemauerten Bogenpfeilern bekam den Namen „Kaiser-Friedrich-Brücke“. Das kriegszerstörte Brückenbauwerk hat die DDR 1981 in Sandstein rekonstruiert, nach der Wende ist jetzt auch eine Verbreiterung in Arbeit.

Dass Brücken immer wieder neu gebaut wurden, lag vor allem am steigenden Verkehrsaufkommen, dem die alten Brückenquerschnitte nicht standhalten konnten. Es gab aber auch neue Werkstoffe, die nicht geeignet waren und wieder ersetzt werden mussten. So traten an gusseisernen Bögen Risse auf, die sich durch militärischen Gleichschritt gefährlich verstärken konnten. Doch das Militär wollte von der Erfindung des "Alten Dessauers" (dem Gleichschritt der Kolonnen) nicht lassen. Man sah sich nicht in der Lage, "Musik und Trommelschlag beim Passieren der eisernen Brücken verstummen zu lassen". Das ist preußische Tugend: Konsequent mit Tschingderassabum in den Untergang. Damit das Militär nicht uneinsichtig in den Tod marschierte, ersetzte man die gusseisernen Bögen durch andere Konstruktionen.

Eine "Kavalierbrücke" - benannt nach dem Kavalierhaus des Schlosses - stand als erstes Bauwerk dort, wo heute die Liebknechtbrücke [3] den Verkehr zwischen Unter den Linden und dem Alexanderplatz bewältigt. Sie war eine Sechserbrücke, auf der sechs Pfennige Brückenzoll erhoben wurde. Während eines Feuerwerks soll sie 1709 im Menschengedränge eingestürzt sein, vierzig Kavaliere und andere Menschen ertranken.

Mit den "Linden" gab es von Brandenburger Tor bis zum Schloss eine Prachtstraße, dort endete dann das kurfürstliche und kaiserliche Berlin. Der weitere Weg nach Osten in die Altstadt führte nur für Fußgänger über die wieder aufgebaute Kavalierbrücke. In den letzten Regierungsjahren Kaiser Wilhelms I. wurde die Kaiser-Wilhelm-Straße als östliche Verlängerung der "Linden" angelegt und mit der neu erbauten Kaiser-Wilhelm-Brücke [3] an die "Linden" angeschlossen. An dieser Stelle neben dem Schloss errichtete man eine repräsentative Brücke aus Granit mit Schmuckreliefs und Skulpturen, auf der die großen Kutschen über eine Holzfahrbahn fuhren, um Lärm vom Schloss fernzuhalten. Für die Welthauptstadt Germania des Nazi-Architekten Speer war die Brücke nicht breit genug, 1939 wurde sie abgetragen. Bronzereliefs der alten Brücke mit Bärendarstellung blieben vermutlich erhalten, die Reliefs an der zu DDR-Zeiten neu erbauten Liebknechtbrücke sind aber wahrscheinlich Repliken. Immerhin wird damit der Geschichte der kleine Finger gereicht.

Die zweite Brückenbaustelle auf unserem Weg ist die Rathausbrücke [4]. Einst sah man hier das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke, jetzt wird ein "Bügelbrett" mit vier postmodernen Pylonen über die Spree führen. 1307 wurde die zweite Brücke zur Spreeinsel (nach der Mühlendammbrücke) aus Holz gebaut, an der Grenze von Berlin und Cölln errichtete man später das gemeinsame Rathaus auf dieser Brücke. Einen Neubau als "Lange Brücke" ließ der erste König in Preußen an dieser Stelle aus Stein errichten, die erste steinerne Brücke Berlins. Sie hatte fünf Bogenöffnungen, in der Mitte war ein Podest vorgelagert, auf dem der Große Kurfürst zu Pferde stand. Andreas Schlüter stellte ihn in einem "Phantasiekostüm als römischen Imperator dar, im Detail energisch bewegt, im Ganzen jedoch gezügelte Kraft und Ruhe ausstrahlend". Auch auf dem nächsten Brückenneubau als "Kurfürstenbrücke" 200 Jahre später mit drei mächtigen Bogenöffnungen stand das Schlüterschen Reiterdenkmal, bis es im Zweiten Weltkrieg nach Tegel verlagert wurde. Nach dem Krieg wurde es in West-Berlin vor dem Schloss Charlottenburg aufgestellt, nachdem es beim Transport in den Tegeler See gefallen und wieder herausgefischt worden war. Eine Kopie ist im Bodemuseum zu sehen.

Die nächsten neun Brücken auf unserem Rundgang führen über den Spreekanal, der die Spreeinsel im Süden umfließt. Die Gertraudenbrücke und die Schlossbrücke sind die markantesten Brückenbauten auf dieser Seite. Die Gertraudenbrücke [9] als steinerne Gewölbebrücke ist fast 120 Jahre alt, vorher standen hier nacheinander zwei Zug- und Klappbrücken aus Holz. Die "Brückenheilige" Gertraude erinnert an das Gertrauden-Hospital vor dem Stadttor. Die Bronzeplastik entkam im Zweiten Weltkrieg dem Einschmelzen zur Waffenherstellung, Gertraude reicht weiterhin einem Wanderburschen ihren Krug zum Trunke, ist sie doch die Heilige der Reisenden. Lächelnd blickt sie zu ihm nieder und übersieht absichtlich die gestohlene Gans in seiner Hand. Neben die historische Brücke, die heute Fußgängern vorbehalten ist, hat man für den Autoverkehr eine schmucklose Stahlbrücke über den Spreekanal gelegt.

Wenn die Kurfürsten von ihrem Stadtschloss in den Tiergarten ausritten, sammelte sich ihre Hundemeute vor der Brücke über den Spreekanal - der Hundebrücke. Schinkel fand, diese dürftige hölzerne Jochbrücke verunstalte die Umgebung von Zeughaus und Schloss "auf das Unschicklichste". Nach der Befreiung von Napoleons Besetzung wurde nicht nur die Neue Wache, sondern auch diese Brücke dem Empfinden eines Siegers gemäß neu gestaltet. Kämpfe, Krieger und der Heldentod sind die Themen der Schloßbrückenfiguren. 1822 begann nach Schinkels Entwurf der Bau der Schloßbrücke [12] mit drei Bögen, die Figurengruppe aus Marmor nach Entwürfen mehrerer Bildhauer war allerdings erst 1912 vollständig. Dreißig Jahre später wurden die Figuren schon wieder wegen des Krieges abgebaut und im späteren West-Berlin eingelagert. 40 Jahre später wollte die DDR ihre Figuren zurück haben und stellte sie auf der "Marx-Engels-Brücke" (so hieß die Schloßbrücke seit 1951) wieder auf. Verschlungene Seepferdchen und Tritonen (Diener des Neptun) sind in den Geländern der Brücke dargestellt, die jetzt wieder Schloßbrücke heißt.

Die Jungfernbrücke [10] - eine zweiflüglige Zugbrücke - ist die älteste in Berlin erhaltene Brücke. Um 1800 gab es im Berlin-Cöllner Stadtgebiet 15 Brücken, die von Hand aufgezogen wurden, um den Segelschiffen die Durchfahrt über die Spree zu ermöglichen.

Der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann hat die Inselbrücke [6] und die Roßstraßenbrücke [7] nach 1900 als steinerne Gewölbebrücken errichtet. Schon im 13.Jahrhundert wurde die Roßstraßenbrücke (wie die Gertraudenbrücke) über den Spreekanal gebaut, als die Spree am Mühlendamm gestaut wurde und Schiffe deshalb durch den vertieften unteren Spreearm fahren mussten. Ludwig Hoffmann hat an beiden Brücken Sandsteinfiguren angebracht, heute sind beide Brücken schmucklos, die Verzierungen sind durch Kriegseinwirkung verloren gegangen. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass während der Märzunruhen 1848 auf der Roßstraßenbrücke Barrikaden errichtet wurden.

Der Roßstraßenbrücke hatte Hoffmann als Namenszitat eine Säule mit einem springenden Pferd gegeben. Als die Säule errichtet war, stellte man fest, dass das Pferd nicht in die geplante Richtung, sondern in die Gegenrichtung schaute - ein Baufehler. Hoffmann nahm's mit Humor, er sei einverstanden, schrieb er und ersparte dem Bauunternehmen unvorhersehbare Kosten.

An der Grünstraßenbrücke [8] ist der plastische Schmuck von 1905 an beiden Seiten des Brückengeländers erhalten. In der Mitte werden ein Wandersmann in einem Medaillon und der Kopf des Berliner Bären dargestellt. Ein Relief zeigt die Rettung eines Ertrinkenden, dem sich hilfreiche Hände entgegen strecken. Die Waschfrauen auf einem anderen Relief werden als Hinweis auf die Wäscherei Spindlershof an der Wallstraße gedeutet. Spindler zog mit seinem Unternehmen später nach Köpenick und gab dem Ortsteil Spindlersfeld seinen Namen.

Eine hölzerne Schleusenbrücke [11] gab es im Spreekanal am Schloßplatz bereits im 15.Jahrhundert. Im 20.Jahrhundert wurde die heutige Stahlbalkenbrücke mit schmiedeeisernem Geländer gebaut und später verlängert, als man das Schleusenwehr herausgenommen und den Spreekanal verbreitert hat. Teile der alten Schleusenanlage sind heute noch im Kanalbett vorhanden. In das Brückengeländer wurden Bronzereliefs mit alten Stadtansichten eingearbeitet.

An der Eisernen Brücke [13] wird man vergeblich nach Metall suchen, sie ist aus Sandstein gebaut, hat aber eine Stahltragkonstruktion. Sie ist das vierte Bauwerk an dieser Stelle, das zweite war aus Gusseisen, der Name blieb bis heute erhalten. Die Eisenbrücke wurde schon nach 30 Jahren ersetzt, das Eisen war spröde geworden. Über diese Brücke fuhr später die Pferdestraßenbahn, nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine Trümmerbahn, mit der Schutt kriegszerstörter Gebäude abtransportiert wurde. In die Brückengeländer sind Bronzefiguren integriert, die sich hervorragend eignen, um love-locks anzubringen.

Dass Liebende über eine Brücke zueinander finden, hat schon Theodor Fontane empfunden: Er verlobte sich auf der Weidendammer Brücke. Und hätte es schon love-locks gegeben, dann hätte er mit seiner Angebeteten vielleicht auch ein (Vorhänge-)Schloss dort eingeklinkt, ein Symbol für die ewige untrennbare Verbindung. In China haben wir in Parks vorbereitete Areale gesehen, an denen Liebende ihre Vorhangschlösser anbringen konnten und Verkaufsstände, an denen sie die Schlösser kaufen und gravieren lassen konnten. In Deutschland sieht man das kritischer, an der Weidendammer Brücke beispielsweise werden in regelmäßigen Abständen vom Bezirksamt die Liebesschlösser abgesägt. Dieser Kampf ist ähnlich aussichtslos wie der gegen Graffiti - kaum beseitigt, schon hängen neue Schlösser dran.

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Mehr über Brücken: Brücken
Mehr über Brücken in Mitte: Unwillige Bürger in der Residenzstadt
Militärischer Gleichschritt und der "alte Dessauer": Mitte hat einen neuen Chef

Vierzehn Brücken, über die wir flaniert sind (die Nummerierung findet sich bei den Bildern wieder):
[1] Nördliche Monbijoubrücke
[2] Friedrichsbrücke
[3] Liebknechtbrücke (Kaiser-Wilhelm-Brücke, Kavalierbrücke)
[4] Rathausbrücke (Kurfürstenbrücke, Lange Brücke)
[5] Mühlendammbrücke
[6] Inselbrücke
[7] Roßstraßenbrücke
[8] Grünstraßenbrücke
[9] Gertraudenbrücke
[10] Jungfernbrücke
[11] Schleusenbrücke
[12] Schloßbrücke (Hundebrücke)
[13] Eiserne Brücke
[14] Südliche Monbijoubrücke


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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier folgt die 2.Bildergalerie ...
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Abgerissen, aufgegraben, zugeschüttet, umgesetzt
Eiskunstlauf und Sommerkonzert