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Vom Prenzelberg zur Rosenthaler Vorstadt


· Stadtteile: Prenzlauer Berg, Mitte
Stadtplanaufruf: Berlin, Schönhauser Allee
Datum: 2. April 2018 (Update zu 10. April 2006)

Vom Senefelderplatz zum Arkonaplatz und zurück zum Weinbergspark schlagen wir heute einen großen Bogen durch Prenzelberg und Mitte. Die Schwedter Straße ist die Trennlinie zwischen beiden Bezirken. Eine Trennung, die sich im Stadtgefühl nicht widerspiegelt, gerieten doch beide ehemals Ost-Berliner Ortsteile nach der Wende gemeinsam in den Sog des Aufbruchs.

Segenskirche
An der Schönhauser Allee gegenüber der Einmündung Wörther Straße ist die evangelische Segenskirche in die Straßenfront integriert. Ihr 75 m hoher Turm mit geschwungener Kupferhaube, Laterne und Spitzhelm steht direkt an der Baufluchtlinie. An einem Innenhof liegt das eigentliche Kirchengebäude. In dem zurückgesetzten Gebäude - dieser gleichzeitig abweisenden und schützenden Bauweise - hat 2007 eine Kommunität (evangelischen Lebensgemeinschaft) das "Stadtkloster Segen" eingerichtet.

Es ist als "Kloster auf Zeit" für alle Menschen offen, die nach einer Veränderung in ihrem Leben, nach Lösungen in konkreten Lebensfragen, nach Sinn und neuer Verbindlichkeit suchen. "Die Motive und Zeitpunkte, warum Menschen eine Auszeit suchen, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Lärm, Zeitnot, Konsumrausch, aber auch Arbeitslosigkeit, Scheidung treiben sie an, rauben ihnen die Fähigkeiten zur Ruhe. In diesem Sinne ist ein Stadtkloster im Prenzlauer Berg kein Ort der Weltflucht, sondern ein Ort der erneuten Hinwendung und Auseinandersetzung von Menschen sich mit sich selbst und ihrer Welt, eingebettet in einen ganz eigenen Rhythmus: Gebet, Arbeit, Meditation und persönlicher Freiraum." In dem Gegensatz von kontemplativer Abgeschiedenheit und der Hektik dieses Stadtbezirks sieht man dort keinen Widerspruch, sondern eine Chance.

Arkonaplatz
Historische Straßenschilder, eine Wasserpumpe und eine Pagode auf dem Platz, sind wir hier in ein früheres Jahrhundert geraten? Der Bau mit dem Pagodendach ist ein gusseiserner Tempel, eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Er wurde von der Brunnenstraße hierher versetzt. Historische Straßenschilder, Pumpe und historische Stadtmöbel sollten die Aufwertung des Wohnumfelds durch die Altbaumodernisierung der DDR 1972 sichtbar machen.


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Ähnliche historische Straßenschilder sieht man an der Husemannstraße, dort wurde später im Zusammenhang mit dem 750. Stadtjubiläum eine weitere "komplexe sozialistische Rekonstruktion eines Altbaugebiets" realisiert.

Die DDR Altbausanierung begann am Arkonaplatz
In den Mietshäusern rund um den Arkonaplatz gab es ursprünglich 4500 Wohnungen. Durch die Bombenangriffe im II. Weltkrieg gingen hier 1000 Wohnungen verloren. Die DDR ergänzte die Baulücken teilweise in den 1950er Jahren. Während in West-Berlin die "behutsame Stadterneuerung" noch auf sich warten ließ, begann man in Ost-Berlin - das bisher nur auf Plattenbauten gesetzt hatte - in Altbaugebieten die Rekonstruktion und Modernisierung vorhandener Wohnungen zu erproben.

Das Gebiet um den Arkonaplatz hatte nicht die typische Hinterhofsituation wie die berüchtigten Mietskasernen. Der gute Bauzustand der Gebäude ließ erwarten, dass man die gedachte Restnutzungsdauer bis zum Substanzverbrauch entscheidend verlängern konnte. Man ging von der kapitalistisch anmutenden Idee aus, dass Gebäude ein Verfallsdatum haben und nach Ablauf einer festgelegten Lebensdauer abgerissen werden müssen. Ähnliches hatte in den 1930er Jahren der Berliner Stadtbaurat Martin Wagner für den Alexanderplatz formuliert.

Die Gebäude am Arkonaplatz wurden instand gesetzt, die Baublöcke vorsichtig entkernt. In den Höfen entstanden Freiflächen mit Erholungscharakter. Wohnungen wurden teilweise zusammen gelegt, sie erhielten Innentoiletten und je nach Wohnungsgröße Waschbecken, Duschen oder Bäder. Zur "sozialistischen Umgestaltung" gehörte aber mehr - die Wohnverhältnisse der Bevölkerung sollten durch "gesellschaftlichen Einrichtungen" verbessert werden. Dazu rechnete man Kindergärten, Schulen, Läden, Gastronomie, Kultur, Sport, Erholung, Verkehr, Stadttechnik.

Doch im Altbau hatte das seine Grenzen, die "Bedingungen für die umfassende Reproduktion der Arbeitskraft" sahen die Planer nicht als erreicht an. Hinzu kam, dass keine neuen Wohnungen geschaffen wurden wie bei Plattenbauten. Trotzdem wurden weitere Projekte am Arnimplatz und an der Husemannstraße in Angriff genommen.

Und dann saß Honecker eines Tages im Jahre 1984 bei der Familie Fichtner in der Swinemünder Straße 120 auf der Couch und nippte am Kaffee, die zweimillionste Wohnung der DDR wurde eingeweiht. Den Kaffee hatte die Stasi mitgebracht und gekocht, damit dem Staatsratsvorsitzenden nichts zustößt. Und den bereits lange fertiggestellten Aufgang hatte man neu gestrichen, damit Honecker frische Farbe riechen konnte. Aber nur soweit, wie er gucken konnte, und noch einen Meter weiter. Der Altbau in der Swinemünder liegt im Einzugsbereich des Arkonaplatzes, man hatte tatsächlich die Altbaumodernisierung auf den Schild gehoben. Die 1-millionste Wohnung (Marzahn, 1971) und die 3-millionste (Neu-Hohenschönhausen, 1988) waren jeweils Plattenbauten.

Hertha BSC
Waren zwei fußballbegeisterte Knirpse die Gründer von Hertha BSC? Zwei 16 und 17 Jahre alte Jungs sollen auf einer Parkbank auf dem Arkonaplatz den Fußballverein ins Leben gerufen haben. Das ist eine Legende, die sich sicherlich um einen wahren Kern gebildet hat, aber so nicht ganz stimmen kann. Zur Vereinsgründung braucht es sieben Personen, die volljährig sein müssen. Und auch wenn der 22jährige Onkel den Verein angemeldet hat, wer waren die anderen sechs volljährigen Gründer?

Auf jeden Fall ging die Initiative irgendwo von Mitte oder Prenzlauer Berg aus. Der Verein wurde 1892 eingetragen, er spielte damals auf dem ehemaligen Exerzierplatz, auf dem heute der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark steht. Seit 1904 kickte der Berliner Fußballklub auf einem eigenen Platz nördlich der Behmstraße in Wedding, deshalb wurde der Klub immer als Weddinger Pflanze angesehen. Doch das bedeutet, Schreck lass nach, "Hertha ist ein Ostverein" (Tagesspiegel). Dabei gab es im Kaiserreich in Berlin kein Ost und West, und vom Bewusstsein her ist nicht Hertha, sondern "Eisern Union" mit seinem Stadion An der Alten Försterei im ehemaligen Osten verwurzelt. Und Hertha zeigt mit seinen Bauplänen am Olympiastadion, dass es seine West-Berliner Vergangenheit nicht verleugnen will.

Fehrbelliner Höfe, Secura Werke
Zwischen Fehrbelliner und Brunnenstraße hatte der Bebauungsplan von James Hobrecht 1862 einen sehr großen, nahezu trapezförmigen Baublock vorgesehen, der komplett mit Mietshäusern umbaut wurde. Im Innern war viel Platz für eine gewerbliche Nutzung. Hier errichteten die "Secura Werke für Fein- und Elektromechanik" in den 1880er Jahren einen geschlossenen Baukomplex, der die umgebenden Wohnbauten überragt.


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Ein weiterer mächtiger Fabrikbau der Secura-Werke entstand 1910 in der Chausseestraße 42, ebenfalls in der Tiefe des Grundstücks. Vor dem dort erhaltenen Fabrikbau wurde nach der Wende der Wohnkomplex der Feuerland-Höfe errichtet. Zu DDR-Zeiten wurden die Secura-Werke an beiden Standorten als Volkseigener Betrieb VEB SECURA-Werke weiter geführt mit der Produktion von Registrierkassen, Rechenmaschinen und Mikroelektronik.

Den Industriekomplex mitsamt Wohngebäuden an der Fehrbelliner Straße mit Durchgang zur Brunnenstraße hatte sich nach der Wende der Investor "Orco" geschnappt. Doch dann hat sich der Menschenfresser (ital. Orco) daran verschluckt: Haus Cumberland am Kudamm, Mall-of-Berlin-Grundstück am Leipziger Platz, Gewerbe-Siedlungsgesellschaft und dann noch Secura, da wurde die Finanzdecke knapp. Für das spektakuläre Immobilienprojekt hatte Orco auf Kunstmessen im Ausland "kulturaffine Multihomer" gesucht, die eine Zweit- oder Drittwohnung im Berliner Luxussegment brauchten.

Ein neuer Investor brachte mehr Realismus auf, suchte Käufer im Inland und baute in dem Gewerbekomplex und in einem Neubau 150 Wohnungen und Tiefgaragen aus. An eine alte Längswand angedockt, schwingt sich der Neubau mit fließenden Formen in den Innenraum des von Wohnhäusern eingerahmten Straßenblocks. Welch ein Understatement, das ungewöhnliche Design ist von der Straße nicht sichtbar, nur wenn man einen offenen Innenhof findet, kann man einen Blick darauf werfen.

Hinterhofkirche Anklamer Straße
Schon bei der Segenskirche war es sichtbar geworden, dass die Baupolizei um 1900 evangelische Kirchen nicht mehr als frei stehende Gotteshäuser im immer enger bebauten Prenzlauer Berg akzeptierte, sondern sie in den Hinterhof verbannte. In der Anklamer Straße ist aus diesem Grunde ein Kirchenneubau 1898 im zweiten Hof hinter Wohngebäuden errichtet worden. Bauherr war ein evangelischer Gebetsverein, heute gehört das Gotteshaus einer Pfingstgemeinde "mit moderatem Fokus auf den Heiligen Geist".

Das Kirchenschiff ist in das zweite Quergebäude integriert, das auch Wohnungen enthält. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kuppeldecke wurde nicht wieder hergestellt, sondern durch eine flache Decke ersetzt. Eine Kirchenglocke gibt es naturgemäß nicht. Erdgeschoss und das sakrale erste Obergeschoss sind auf der Fassade durch Lisenen (flache Pfeiler) optisch miteinander verbunden, die Kirchenräume durch Spitzbogenfenster nach außen gespiegelt.


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Die der Kirche gehörenden Wohnungen werden möblierte Wohnungen für Städtereisen, aber auch für mittelfristige Aufenthalte vermietet. Hat die Gemeinde hier das Airbnb-Modell entdeckt, um Lücken in der Kirchenkasse auszugleichen?



Unser Rundgang hat viele Berührungspunkte mit anderen Stadtspaziergängen hier im Kiez gezeigt. Die Bildergalerien deuten an, welche hier nicht erwähnten Orte am Wege liegen. Im Straßenverzeichnis vom Prenzlauer Berg können Sie bei der Schönhauser Allee, Eberswalder Straße, Kastanienallee, Oderberger Straße diese Berichte nachschlagen. Im Straßenverzeichnis von Mitte finden Sie die Verweise zur Schwedter Straße, Rheinsberger Straße, Anklamer Straße, Brunnenstraße, Veteranenstraße, Invalidenstraße und zum Zionskirchplatz.

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route:
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Unter dem Magistratsschirm
Sektempfang in der Leichenhalle