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Sektempfang in der Leichenhalle


Stadtplanaufrufe:
Leichenhalle: Berlin (Pankow), Prenzlauer Allee
Fichtebunker: Berlin (Kreuzberg), Fichtestraße
Wasserturm: Berlin (Steglitz), Bergstraße
Datum: 13. September 2009

Sektempfang in der Leichenhalle

Die ehemalige Leichenhalle an der Prenzlauer Allee ist als Gebäude so schön, dass Architekturstudentinnen der TU Berlin sich eine Nachnutzung als Standesamt oder als Event-Standort für einen Sektempfang vorstellen können. Ob das Bezirksamt Pankow nur wegen fehlender Gelder zurückhaltend ist? Politiker sind bekanntlich mit der Nachnutzung von Gebäuden nicht so sensibel, wie Schröders Einzug ins ehemalige Staatsratsgebäude und Steinbrücks Dienstsitz im ehemaligen Luftfahrtministerium zeigen. Auch ein Finanzamt zieht schon mal in ein ehemaliges Stasi-Objekt. Nur beim Palast der Republik ging die Entwicklung Richtung Abriss, aber das hat andere Gründe.

Hermann Blankenstein war als Stadtbaurat Berlins baulich für die Hygiene zuständig, er baute 14 Markthallen zur Verbesserung der Hygiene an den Marktständen. Da war es nur konsequent, dass er auch für die letzte Hygiene sorgte und an der Prenzlauer Allee eine Leichenhalle im typischen Blankenstein-Stil aus Backsteinen mit Ornamenten und Friesen schuf. Hier wurden die im angrenzenden städtischen Hospital und Siechenhaus Gestorbenen im gekühlten Keller solange aufbewahrt, bis man einen Scheintod ausschließen konnte. Dann kamen sie zum Sezieren oder bei "Altersschwäche" als Todesgrund direkt in die Aussegnungshalle.

Ein intimer Kuppelsaal mit Sterngewölbe und (damals) farbigen, bleiverglasten Fenstern wartet jetzt auf eine neue Nutzung nach einer bewegten Geschichte. 1886 erbaut, diente das Gebäude bis 1934 als Aussegnungshalle. Die Nazis machte eine Gedenkhalle daraus. Dann kam die sowjetische Kommandantur und anschließend die Stasi, sie nutze die Räume aber nur für den Aufenthalt von Wachmannschaften und Fahrbereitschaft. Das Heimatmuseum zog nach der Wende ein und wieder aus, danach wurde der Bau als Archiv für Krankenakten genutzt, bis er sich selbst überlassen blieb.

Berlin zeigt am Tag des offenen Denkmals viele historische Orte, die sehr interessant sind, sich aber nicht als "Orte des Genusses" einordnen lassen (das ist das diesjährigen Motto, man könnte auf so einen bemühten Oberbegriff gern verzichten). Ein weiteres Ziel war für mich der Fichtebunker, über den ich unter dem Titel "Die vier Leben eines Gasometers" bereits berichtet hatte. 1874 mit einer äußeren Hülle aus Backstein als Gasbehälter für die Städtische-Gasbehälter-Anstalt zur Versorgung der Straßenlaternen errichtet, wurde er nach dem Ersten Weltkrieg stillgelegt. 1941 baute man in den alten Gasometer eine Bunkeranlage für 6.500 Personen ein, heute die größte noch erhaltene Anlage Berlins. Ungenutzte Räume wurden gern für das Bunkerbauprogramm verwendet, so z.B. auch der nie in Betrieb gegangene U-Bahnhof Voltairestraße, dessen Bunker die BVG im letzten Jahr zum Denkmaltag zeige.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Fichtebunker als Gefängnis, Flüchtlingslager, Obdachlosenasyl und zur Einlagerung der Senatsreserven. Trotz anfänglicher Proteste der Anwohner hat ein Investor nach der Wende ein Lofthouse neben den Bunker gesetzt, und sich mit den Seitenfenstern zum Bunker hin architektonisch eine ungewöhnliche, aber wie ich finde gelungene Annäherung an die Bunkerarchitektur einfallen lassen. In der obersten Bunker-Etage sind 13 Circlehouses mit Grundrissen aus Kreissegmenten entstanden, überspannt von der offenen Metallkuppel des Gasometers. Insgesamt ist die Neubebauung eine pfiffige Ergänzung zum Gasometer-Bunker. Die unteren Etagen können nach Aufräumungsarbeiten jetzt regelmäßig besichtigt werden, der Unterwelten-Verein präsentiert bei Führungen verschiedene Lebensphasen des Gasometer-Bunkers anhand der Spuren, die sie im Bau hinterlassen haben.

In Steglitz sitzt ein Verlag für kritische Arzneimitteldokumentation in einem ehemaligen Wasserturm, der ebenfalls am Denkmaltag besichtigt werden konnte. Gebaut von Hans Heinrich Müller, dem späteren Hausarchitekten der Bewag und Schöpfer vieler Berliner Umspannwerke, hat dieser Turm nur einen Teil der Zeit seiner eigentlichen Bestimmung als Wasserreservoir gedient. Als er ab 1916 erbaut wurde, lag er noch außerhalb des Friedhofs. Der Architekt hat sich durch diese Lage zu einem fast sakralen Bau, einem Rundtempel aus rotem Backstein inspirieren lassen, der mit vertikal gegliederten Backsteinbändern in den Himmel wächst. Während Müller später ganz auf Ornamente verzichtet hat, winden sich am Wasserturm Girlanden mit Rautenmustern um die Pfeiler.

Eine Wasserleitung zum Lichtenberger Wasserwerk kam nicht zustande, deshalb war auch bei der Bildung Groß-Berlins immer noch kein Wasser im Tank. Man begann den Umbau zu einer Urnenhalle, die nicht in Betrieb ging. Dann wurde wieder ein Wasserbehälter eingebaut, aber nicht genutzt, weil man den Umbau zu einem Krematorium begann, der auch nicht zu Ende geführt wurde. Dafür wurde der Wasserturm ab 1928 erstmals zur Wasserversorgung verwendet. Die Nazis bauten den Turm zur Heldengedenkstätte um, Nach Kriegbeschädigung und Wiederaufbau war bis 1962 wieder Wasser im Behälter, dann wurde der Turm still gelegt. Der Verlag, der den Turm heute als Mieter nutzt, hat ein ganz besonderes Großraumbüro über mehrere Etagen als Galerie um den Innenhof geschaffen, das von den hier Arbeitenden nur in "Lesesaallautstärke" benutzt wird.


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