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Bankpaläste und Versicherungstempel


Stadtteil: Mitte
Bereich: Friedrichstadt
Stadtplanaufruf: Berlin, Glinkastraße
Datum: 13. Februar 2017
Bericht Nr: 578

Eine beziehungsreiche Straßenbenennung: Michail Glinka, dem "Vater der russischen Musik", ist die Straße gewidmet, die zwischen Russischer Botschaft und Komischer Oper auf den Boulevard Unter den Linden stößt. Aber nicht nur die Beziehung zur Musik und zu seiner Heimat wird hier hergestellt, Glinka hat auch in dieser Straße gewohnt.

Michail Glinka
Glinka war ein russischer Komponist aus adliger Familie, der als Weltbürger in St.Petersburg, Paris, Madrid, Sevilla und mehrfach in Berlin lebte, wo er 1857 starb. An der Französischen Straße Ecke Kanonierstraße stand das Haus, in dem er zuletzt wohnte. Die Kanonierstraße - die ihren Namen einem Wachhaus mit aufgestelltem Geschütz verdankt - heißt seit 1951 Glinkastraße.

Beerdigt wurde Glinka zunächst auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof am Halleschen Tor, der zur Dreifaltigkeitskirche an der Mauer-, Glinka- und Mohrenstraße gehörte. Die Kirche ist im Krieg zerstört worden, ihr Grundriss wird heute durch farbige Steine im Pflaster vor der Nordkoreanischen Botschaft angedeutet. Auf Betreiben seiner Schwester hat man Glinka schon bald nach St. Petersburg umgebettet. Das Berliner Grabmal wanderte nach Tegel, es wurde über einem leeren Grab auf dem Russisch-orthodoxen Friedhof aufgestellt und durch eine Büste ergänzt.

In der Gründerzeit begann die großstädtische Bebauung des Areals um die Glinkastraße. Die Baukomplexe der Deutschen Bank, die drei Blöcke umfassen, waren Teil des Bankenviertels in der nördlichen Friedrichstadt an der Behrenstraße. Südlich davon entstand ein Versicherungsviertel, das vom Bauvolumen durch die Allianz-Versicherung geprägt war, zu dem aber auch mehrere Einzelbauten anderer Institute gehörten. Später nutzte die DDR mit Ministerien und Amtsstellen das bauliche Erbe. Nach der Wende gab es einen Bauboom, Neubauten entstanden, Altbauten wurden darin integriert und weitgehend für Bundesministerien verwendet. Nur das Filetstück - die Deutsche Bank - steht immer noch leer.

Deutsche Bank
Die Deutsche Bank hatte sich 1910 zum größten deutschen Geldinstitut entwickelt, 1914 war sie sogar weltweit die kapitalstärkste Bank. Ihr erster eigener Gebäudekomplex entstand an der Behrenstraße, er war zum Schluss in der Art italienischer Renaissancepaläste gestaltet. Eine Brücke über das öffentliche Straßenland der Französischen Straße verbindet diese Gebäude mit der nächsten südlichen Ausbaustufe, einem Monumentalbau mit geschwungener (ehemals Jugendstil-)Fassade.


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Vier kraftvolle Atlanten tragen die Korbbogenbrücke, sie stehen für die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde. Zuletzt wurde gegenüber an der Mauerstraße ein Gebäude der Nordstern-Lebensversicherung mit roter Sandsteinfassade in den Gebäudekomplex integriert. Die heute dorthin verbindende Straßenbrücke ist erkennbar ein DDR-Produkt.

Kriegszerstörungen am Gebäudebestand wurden zu DDR-Zeiten durch vereinfachten Wiederaufbau unter Verwendung alter Fassadenteile beseitigt, so dass der Gebäudekomplex heute nicht mehr dem Originalzustand entspricht. Das DDR-Innenministerium zog in die Bankgebäude ein, heute steht der Deutsche-Bank-Komplex leer. Das Bundesinnenministerium mochte hier nicht einziehen und hat lieber überteuerte Mieten bei Freiberger am Spreebogen bezahlt und später Steuergelder für einen Neubau eingesetzt.

Versicherungsviertel
Am südlichen Ende des Versicherungsviertels steht das Gebäude der Allianz an der Mohrenstraße. Ursprünglich bildeten Mohrenstraße, Mauerstraße und Glinkastraße einen dreieckigen Platz mit der Dreifaltigkeitskirche in der Mitte, die Kirche ging durch Kriegszerstörung verloren. Darüber hinaus hat die DDR ein Teil des Stadtplatzes an das Brudervolk der Nordkoreaner zum Bau ihrer Botschaft abgetreten, so dass der frühere großzügige Stadtgrundriss hier nicht mehr erkennbar ist. Die Allianz errichtete hier einen "Versicherungstempel" mit Säulen in Kolossalordnung über drei Etagen. Säulen und Tympanon sind als Risalit vor die Fassadenebene gezogen. Der Versicherungstempel bildet mit der der Generaldirektion an der Taubenstraße ein Gebäudeensemble, das den ganzen Block umfasst.

Der Anker
Der Anker gibt Sicherheit und Halt, wenn unser Lebensschiff stürmischen Gefilden ausgesetzt ist. So mag die Wiener Lebens- und Rentenversicherung "Der Anker" (heute Helvetia-Versicherung) ihren Namen gefunden haben, wenn man nicht annehmen will, dass sie ihre Kunden festketten wollte. Bildlich umgesetzt wurde der Name erst Jahrzehnte später mit der Ankeruhr am Versicherungsgebäude am Hohen Markt in Wien. Von Marc Aurel bis Joseph Haydn laufen auf dieser Jugendstiluhr 12 Figuren zu passender Musik, eine Touristenattraktion. An der Glinkastraße Ecke Mohrenstraße errichtete "Der Anker" 1911 sein Berliner Filialgebäude, ohne Uhr aber mit qualitätsvoller Bauplastik.

Weitere heute noch vorhandene Versicherungsgebäude entstanden in der Mohrenstraße (Allianz- und Stuttgarter Lebensversicherungsbank) und in der Taubenstraße (Zürich-Versicherung, Deutsche Herold). In der Taubenstraße errichtete auch die Bau- und Bodenbank ein Geschäftshaus, das in den Gebäudekomplex des Familienministeriums von der Tauben- bis zur Jägerstraße einbezogen wurde. Im neoklassizistischen Bau der Preußischen Lebens-Versicherung, 1904 in der Glinkastraße errichtet, sitzen heute Abteilungen des Familien- und des Gesundheitsministeriums.

Die Fleischerei
Ein Eckgebäude an der Glinkastraße ist als Fenster in die DDR-Vergangenheit erhalten geblieben. Der grau-braun-beige Bau ist so schön scheußlich, dass er nicht einmal für Graffiti herhalten musste, lediglich zwei Wandbilder findet man in der Seitenstraße. Die Fensteröffnungen sind mit Sperrholzplatten verschlossen. Über dem von Säulen eingerahmten Ladeneingang wird für Thüringer Wurstwaren geworben, das Schild kann noch nicht sehr alt sein. Die Fassade des Altbaus ist sicher einmal "entstuckt" worden, der prominente Eckbau wird eine historisierende Fassade gehabt haben. Ein Investor zeigt ein Bild des Baus auf seiner Homepage, weitere Verwendung unbekannt.


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Postamt Französische Straße
In den 9 Postbezirken Berlins gab es einmal 126 Postämter, von C 1 (Hofpostamt) bis W 85 (Oranienstraße). Sie waren nach Himmelsrichtungen benannt (C=Centrum bis W=Westen). Heute gibt es keine Post"beamten" mehr und keine Post"ämter", sondern Postfilialen, und die scheinen zu den aussterbenden Spezies der Stadt zu gehören. Die historischen Dienstgebäude, meist aufwendig gestaltetes Baudenkmale, sind aber vielfach noch vorhanden. Jüngere Gebäude sind da eher im Wege, das Spandauer Hauptpostamt von 1980 ist gerade zum Abriss freigegeben.

Mehrere beeindruckende Postbauten wurden von dem Geheimen Baurat im Reichspostministerium Wilhelm Walter konzipiert, so das Haupttelegrafenamt in der Oranienburger Straße, das heute zu Freibergers Forum Museumsinsel gehört. Um 1910 baute Walter zeitgleich das Kaiserliche Postamt in der Französischen Straße, das an unserem Weg liegt, und das Steglitzer Postamt an der Bergstraße. Stolz wird bei beiden Bauten auf die Jahrhunderte alte Tradition der Post verwiesen mit dem Zitat von Renaissance- und Barockformen der Fassade. Roter Backstein und Muschelkalk wechseln sich als Material ab. Mit Erkern und mehreren Giebeln sind die Fassaden fast spielerisch gegliedert.


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Pfarrhäuser der Dreifaltigkeitskirche
Friedrich Schleiermacher wird durch eine Gedenktafel an einem Pfarrhaus in der Taubenstraße geehrt, aber sein Wohnhaus steht nicht mehr. Nur zwei der ursprünglich drei Pfarrhäuser der Dreifaltigkeitskirche sind noch als originale Wohnhäuser des 18. Jahrhunderts in der Friedrichstadt erhalten. Der als Theologe und Philosoph ausgebildete Schleiermacher war Prediger in dieser protestantischen Kirchengemeinde. Er hat die Berliner Universität mit gegründet und dort gelehrt und war Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Schleiermacher veröffentlichte Schriften über die Sittenlehre und den christlichen Glauben, doch er musste auch Kritik und Spott einstecken. "Der nackten Wahrheit Schleier machen / Ist kluger Theologen Amt", spottete August Wilhelm Schlegel in Anspielung auf den Namen Schleiermacher.

Palais Theising
Wo einst die Gauck-Behörde mit der Aufarbeitung der Stasi-Akten begann, sind inzwischen Luxuswohnungen entstanden. Das Palais Theising an der Glinka- Ecke Behrenstraße war 1898 mit zwei Geschäftsetagen und einer darüber liegenden Wohnung erbaut worden. Zwei Putten, ein Ornamentfeld, ein Helm mit Helmzier, die abgeschrägte Hausecke trägt außergewöhnlichen Fassadenschmuck. 1995 sah es so aus, als wolle das Bundesinnenministerium hier einziehen, doch dann sind Wohnungen entstanden zu absoluten Berliner Spitzenpreisen. Nebenan wurde das Parkhaus der Komischen Oper abgerissen und ein neu gebautes "Palais Behrens" an seiner Stelle eingefügt.

Für unser Flaniermahl finden wir in der Jägerstraße einen Italiener, der - erstaunlich und erfreulich - zu zivilen Preisen Pasta und Wein auf den Tisch bringt.

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route:
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