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Märkische Oderzeitung


Der Stadtwanderer
Klaus Gaffron flaniert regelmäßig durch die Straßen von Berlin und berichtet darüber auf seiner Homepage
Im Laufe von zehn Jahren hat er alle Bezirke Berlins kennen gelernt

Von CHRISTINE WEISER
Berlin (MOZ)

Er kennt jeden Winkel der Hauptstadt. Flaneur Klaus Gaffron ist in den vergangenen zehn Jahren mehr als 4000 Kilometer durch die Stadt gewandert, auf Prachtstraßen und Trampelpfaden. Auf seiner Homepage berichtet er von seinen Ausflügen.

Jeden Montag schnürt Klaus Gaffron gegen Abend bequeme Treckingschuhe, packt die Digitalkamera ein und trifft sich mit seinem Freund Peter Neuhold. Dann durchstreifen sie gemeinsam ihre Stadt, auf der Suche nach neuen Eindrücken, Anekdoten und Bildern.

Angefangen hat alles, weil er einfach mal laufen wollte, erzählt Klaus Gaffron. Der erste Spaziergang führte damals noch durchs eigene Wohngebiet in Lichterfelde. Das war vor zehn Jahren. Seitdem haben sich die beiden Berliner nach und nach alle Stadtbezirke erlaufen, immer montags, bei jedem Wetter.

Auf seinen Spaziergängen begegnet Klaus Gaffron vielen unterschiedlichen Menschen, entdeckt verborgene Orte oder sieht Bekanntes aus einer neuen Perspektive. Aber ab und zu stößt seine Neugier auch auf Argwohn. „In Berlin einfach ziellos durch die Straßen streifen, ruft bei manch einem Befremden hervor. Die meisten Menschen hier haben ein Ziel.“ Dabei lässt sich viel entdecken für diejenigen, die mit offenen Augen, Begeisterung und Neugier durch die Welt gehen, ist der gebürtige Charlottenburger überzeugt.

Über die seiner Ansicht nach zu geringe Wertschätzung der Flaneure beklagte sich schon der Dichter und Schriftsteller Franz Hessel, der in den 20-er Jahren zwischen Berlin und Paris pendelte. Er stellte damals auf seinen Spaziergängen an der Spree fest, dass in der deutschen Hauptstadt Flaneure misstrauisch beäugt werden, wohingegen das Lustwandeln in Paris ganz selbstverständlich Teil des Lebensstils ist. Ein wenig von der Skepsis der früheren Tage ist geblieben und in seltenen Fällen bekommt Klaus Gaffron sie zu spüren.

„In Siemensstadt habe ich die Häuser angeschaut und fotografiert. Nach kurzer Zeit kamen die Bewohner und fragten, was ich da mache.“ An anderen Tagen erlebt er das Gegenteil. Fremde, die ihn einladen und Einblicke in begrünte Innenhöfe gewähren.

Beim Lustwandeln allein blieb es nicht. Klaus Gaffron, der tausend Anekdoten aus der Stadtgeschichte kennt, schrieb seine Eindrücke nieder, stellte Fotos zu den Texten verschickte die kleinen Geschichten per E-Mail. Die große, durchweg positive Resonanz hätte er nicht erwartet. Vor drei Jahren, als der gelernte Kaufmann in Rente ging, beschloss er das Hobby zu seiner Hauptbeschäftigung zu machen. Der ehemalige Berater startete eine Internetseite, die auf der man mittlerweile mehr als 200 Spaziergänge nachlesen kann. Bei seinen Beiträgen geht es dem 66-Jährigen vor allem um Atmosphäre, nicht um Vollständigkeit, wie er betont.

Das Wissen über Stadtgeschichte und Architektur dass Klaus Gaffron im Laufe der Jahre gesammelt hat, stellt er seit einiger Zeit dem Forschungsprogramm Fokus Stadt zur Verfügung. Dafür hat sich der Berliner noch einmal an der Technischen Universität eingeschrieben. In einer Projektarbeit befasst er sich gerade mit den Umspannwerken des Berliner Architekten Hans Heinrich Müller. Über dessen Bauwerke, die zum Teil an Kathedralen erinnern, weiß Klaus Gaffron überraschende Details zu berichten. Zum Beispiel, dass auf dem Dach eines Umspannwerkes eine Lichtwarte steht, von der aus jeden Abend von Hand die Straßenbeleuchtung des Viertels angeschaltet wurde. Klaus Gaffron, der vor drei Jahren nach Mitte gezogen ist, „weil hier das Leben pulst“, hat keine Angst, dass ihm das Flanieren langweilig wird. „Die Stadt verändert sich doch kontinuierlich.“



Bildunterschrift:
Die Kamera immer dabei: Klaus Gaffron spaziert regelmäßig durch die Hauptstadt und veröffentlicht seine Erlebnisse und Eindrücke im Internet.

Märkische Oderzeitung 22.8.2009



Sieger im Fotowettbewerb