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Spandau, Was sind Wröhmänner (25.4.2007)



Karin T. schreibt am 11.9.2009:

"Gestern Abend habe ich mich in Ihre Stadtrundgänge eingeklinkt, länger, als ich es vorhatte. Unter anderem interessierte mich Spandau, der Bezirk in dem ich ja aufgewachsen bin. Ich habe einiges dazugelernt, und Erinnerungen wurden in anderer Hinsicht geweckt, so z.B. beim Wröhmännerpark, der zu unserem Einzugsgebiet als Kinder gehörte.

Unsere Eltern hatten in einer der zahlreichen Kasernen Spandaus eine Dienstwohnung, in der wir drei Kinder die ersten Jahre unseres Lebens verbrachten. Spandau galt zu der Zeit als Garnisonsstadt, nachdem es seit dem Versailler Vertrag nur noch eine Industrie- und Handelsstadt sein durfte. Zuvor war Spandowe bis 1907 eine Festung (Zitadelle). Zwischendurch waren mal die Schweden, später die Franzosen Besatzer, dann, wie wir uns alle erinnern können, die Engländer.

Ich muss die Kaserne etwas schildern, wobei ich hoffe, mich verständlich machen zu können .Es war eine Polizei-Kaserne. Dazu gehörte, dass jeden Abend, zum Zubettgehen der kasernierten Polizisten, ein Teil des Zapfenstreiches gespielt wurde, und jeden Morgen ein Trompetensolo zum Wecken. Der Kasernenhof war in meiner Erinnerung ein rechteckiges Gelände. Östlich wurde es durch die Achenbachstraße begrenzt, südlich durch das Augusta-Ufer, westlich durch die Moritzstraße, die auch Namensgeber war: Moritz-Kaserne, und nördlich durch das Gelände der Freiherr-vom-Stein-Schule. An der Schulseite lagen die Ställe für die Pferde und da, wo sich heute der Falkenseer Platz befindet, gab es früher einen großen Platz, auf dem mehrmals in der Woche Markt stattfand. Rundum standen große, alte Kastanien. Am südlichen Ende der Achenbachstr. führte eine kleine Brücke über den Mühlengraben, und dort, wo die Brücke begann, gab es eine Stadtküche, später Suppenküche, bei der zu bestimmten Zeiten lange Menschenschlangen standen. Da waren zuerst die Arbeitslosen, die es auch gab, dann später die Ausgebombten, die dort wenigstens ab und zu eine warme Mahlzeit erhielten.

Das Geschrei der Marktleute schallte bis zu unserem Kinderzimmer im 2. Stock herauf. Erinnerlich ist mir vor allem der Bass eines Händlers, der immer schrie: "Gewürrrzää, Gewürrrzääääää!", und dabei mit seiner Stimme und dem Ääääää immer weiter in den Keller ging. Dem Treiben durfte ich manchmal, wenn die Mutter mich festhielt, von oben her zusehen. Kurze Zeit später, im Sommer 1947 zogen wir in die Wilhelmshavener Straße 26 um, da der restliche Teil der ehemaligen Moritz-Kaserne, nämlich unser Wohntrakt, zum Finanzamt umgebaut und umfunktioniert wurde. Aus unserer alten Wohnung wurde die des Direktors des Finanzamtes Spandau.

Heute ist von all dem auch nicht mehr übrig geblieben, als das von Autoverkehr und Verkehrslärm umtoste Rondell des ehemaligen Marktes an der Achenbachstraße. Niemand weiß mehr von dem Markttreiben oder vom "Schwarzen Markt", der dort in der Nachkriegszeit heftig betrieben wurde. Wir konnten das gut beobachten: Wenn Kontrollen kamen, dann genügte ein schriller Pfiff, und der eben noch menschengefüllte Platz war gähnend leer.
Niemand erinnert sich aber auch daran, dass der Markt am Fuße der schönen Garnisonkirche stattfand, die - bis sie ein Opfer des Krieges wurde - nicht nur von unserem Kinderzimmerfenster aus gesehen werden konnte, sondern deren Geläute auch zu unserem damaligen Leben gehörte und uns erfreute. Dieses Geläut habe ich in mir, wie Sirenengeheule, Fliegegedröhn, Marschmusik und das morgendliche Trompetensolo frühester Kindertage auf dem Kasernenhof."

Der Bericht steht hier:
Was sind Wröhmänner ?


Wedding, Theaterkulisse Verkehrsbauten (27.3.2009)
Kreuzberg, Metallarbeiterverbands-Haus (13.9.2009)