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Was sind Wröhmänner ?



Stadtbezirk: Spandau
Bereich: Altstadt, Schleuse
Stadtplanaufruf: Berlin, Im Kolk
Datum: 25. April 2007

An de Spandauer Schleuse, vor dem früheren Oranienburger Tor, liegt der Wröhmännerpark, Spandaus älteste Grünanlage. "Wröhmänner", so lesen wir bei luise-berlin.de, "hießen Mitglieder einer Ackerbürger-Kommune, die sich zu einer Wröhe zusammengeschlossen hatten, in der sie ihre Feldbestellungs- und Flurstreitigkeiten in freiwilliger Gerichtsbarkeit regelten."

Das wirft neue Fragen auf: Was ist eine Ackerbürger-Kommune ? War das schlicht ein Dorf oder ging es dort um freie Liebe wie bei der Kommune 1? "Streitigkeiten freiwilliger Gerichtsbarkeit regeln" bedeutet wohl schlicht ein Schiedsgericht, wie es Theodor Fontane (Wanderungen in der Mark Brandenburg) von Werneuchen beschrieben ist: "Zu festgesetzten Zeiten, aber immer nur im Sommer, versammelten sich die Bürger-Bauern auf einem von alten Linden überschatteten Platze, der ziemlich in der Mitte zwischen dem Pfarrhaus und der Kirchhofsmauer gelegen war. Unter den Bäumen dieses Platzes, nach der Kirchhofsseite hin, lagen vier abgeplattete Feldsteine, die man durch aufgelegte Bretter in ebenso viele Bänke verwandelte, wenn eine "Wröh" abgehalten werden sollte. Was in alten Zeiten in diesen Geschworenengerichten besprochen und bestimmt ward, ... wird wohl nie mehr zur Kunde der Nachwelt gelangen. ... Die Gerichtsbarkeit der "Wröh" ... beschränkte sich (später) darauf, in wöchentlichen oder monatlichen Sitzungen den Schadenersatz festzustellen, den das Vieh des einen Bürgers oder Bauern den Feldern oder sonstigem Besitztum des andern zugefügt hatte. Stimmenmehrheit entschied, und ohne Streit oder weiteren Appell wurden die Dinge geregelt."

Aus dem Mittelalter wieder in die Jetztzeit. Die Dianastatue am Eingang des Parks haben wir übersehen, sie wird uns bei einer späteren Wanderung anlächeln. Das "Denkmal für die deutsche Brieftaube", das früher hier im Park stand, ist bei dessen Umgestaltung zur Falkenseer Chaussee umgezogen. Die Bronzebrieftauben waren ohnehin kriegsbedingt eingeschmolzen worden, nur noch die verwitterte Inschrift "Unseren Brieftauben" soll erhalten sein.

Die Spandauer Schleuse, die den Park auf der östlichen Seite flankiert, liegt still und ruhig, als sei der Umbau für bis zu 110 m lange Schiffe nicht schon 2002 vollendet worden. Die Pfahlbauten der nahegelegenen Spandauer Zitadelle und der besonders harte Untergrund, der die Spundwände für das Schleusenbecken nicht aufnehmen wollte, hatten den Bauablauf verzögert, aber jetzt müssten eigentlich Binnenschiffer die Abkürzung gern fahren (anstelle über Schleuse Charlottenburg und Plötzensee 3 Stunden länger unterwegs zu sein). Ein Boot der Schifffahrtspolizei und ein weiteres Boot träumen am Schleusenkai vor sich hin, kein Binnenschiffer weit und breit. Vielleicht ist der Montag Abend ein ungünstiger Zeitpunkt, um des Schleusenwärters schönes Töchterlein herauszulocken ?

Nördlich des Wröhmännerparks liegt die im expressionistischen Stil gebaute Feuerwache Spandau-Nord (Triftstraße). Eine der Fassaden-Skulpturen zeigt einen Feuerwehrmann, der augenscheinlich eine Fackel in der Hand hält, (eine versteckte Andeutung auf jene schwarzen Schafe unter Feuerwehrmännern, die gern selbst zündeln ?). Am Paula-Hirschfeld-Steig beeindrucken uns Wohnhäuser mit einer ebenfalls expressionistisch wirkenden geschwungenen Fassade und gezacktem Dachabschluss. Hier handelt es sich augenscheinlich um Neubauten.

Weiter laufen wir zum Neuen Schultheiss-Quartier. Auf dem ehemaligen Brauerei-Gelände wurden ergänzend zu der alten Bebauung Wohnungen, eine Seniorenresidenz, eine Kindertagesstätte, ein Ärztehaus, eine Klinik und ein Hotelgebäude errichtet. Fast hanseatisch wirkt dieses urbane Stadtquartier, das als südlicher Ausläufer der Wasserstadt Havel realisiert wurde.

Den Weg zur Insel Eiswerder sparen wir uns für einen späteren Rundgang auf und wenden uns zum Koeltzepark, benannt nach einem Spandauer Bürgermeister, zu dessen Verdiensten laut Stadtentwicklungssenator die "Entfestigung der Stadt" gehört (heute stoßen wir auf viele Rätsel, und nur manche können wir lösen). Der 1934 eingeweihte Park war früher ein Friedhof. Nur die kleine Sockelmauer an der Kirchhofstraße (!) erinnert an den Friedhof bzw. die Friedhofsmauer. Heute prägen alte Bäume den Charakter des Parks (Linde, Spitzahorn, Eiche Ahorn, Robinien, Kastanien und Eschen). Im Park wurde ein Höhenmesspunkt auf einer Granitplatte mit Intarsien aus Messing eingelassen.

Der Tagespiegel schrieb am 24.4.2007, "Den Koeltzepark kann man eigentlich nur Flugzeugfans wirklich empfehlen. Im 30-Sekunden-Takt donnern die Flieger so tief, dass man fast die Augenfarbe der Piloten bestimmen kann." Obwohl auch wir hier Flugzeuge wahrnehmen, sind sie bei der anschließenden Einkehr im Restaurant Kolk an der Spandauer Stadtmauer störender, auch ohne Blickkontakt mit den Piloten.

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Hierzu gibt es einen Forumsbeitrag
Spandau, Was sind Wröhmänner (25.4.2007)

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Malerische Auseinandersetzung mit Fresken
Reichsforschungssiedlung