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Lichtenrade


Stadtteil: Tempelhof
Bereich: Lichtenrade
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt-Lichtenrade
Datum: 15. Oktober 2012 (5. September 2005)

Es sollte im September 2005 für uns der ganz große Bogen durch Lichtenrade sein, von der Dorfaue (Alt-Lichtenrade) bis zur Stadtgrenze, dort wo jenseits Berlins der Ortsteil "Roter Dudel" von Blankenfelde-Mahlow liegt. Dieser Dudel war kein Haus und kein Denkmal, auch kein Mensch mit brandroten Haaren. Vielmehr verweist der "Rote Dudel" auf einen Pfuhl, der sich rot gefärbt hat, weil Flachs dort als Vorprodukt der Leinenherstellung eingeweicht wurde. Dieser Pfuhl sollte unser südlichstes Ziel sein, aber dann wurde es uns beiden plötzlich fröstelig, als die Sonne untergegangen war, und so beschieden wir uns mit einem Rückweg zur S-Bahn, zum "Lichtenrader Hof", einem Dorfkrug, den wir uns zur abendlichen Rast ausgesucht hatten.

Im Oktober 2012 sind wir besser gerüstet für einen Rundgang zwischen den S-Bahnhöfen Schichauweg und Lichtenrade. Ohne "Roten Dudel", aber auf der historischen Dorfstraße Alt-Lichtenrade. Sie spaltet sich vom Lichtenrader Damm ab, geht in einem Bogen über mehrere Querstraßen und kommt schließlich als Tangente an den Damm zurück. Der Norden dieser langen Dorfstraße hat keine historischen Anklänge, die Straße ist asphaltiert, die Bauten sind zusammengewürfelt, uneinheitlich in Größe und Gestalt, eine gemeinsame Siedlungsgeschichte fehlt offensichtlich. Südlich der Groß-Ziethener Straße deutet Kopfsteinpflaster an, dass man sich der alten Dorfaue nähert, es tauchen die bescheidenen einstöckigen Häuser von Büdnern und Kleinbauern auf. Später kommen prachtvollere Häuser und Bauerngüter hinzu. Dorfaue, Dorfteich und Dorfkirche hatte ich bereits in einem früheren Bericht beschrieben (1).

Das heutige Zentrum Lichtenrades liegt in der Bahnhofstraße, die den alten Dorfkern mit dem S-Bahnhof verbindet. Der straßengleiche Bahnübergang mit Schranke für die S-Bahn ist ein Kuriosum, davon gibt es nur noch wenige in Berlin. Direkt zwischen S-Bahnhof und Steinstraße steht ein altes Mälzereigebäude, das einzige Industriegebäude in Lichtenrade aus dem Ende des 19.Jahrhunderts. Es gibt nicht mehr viele stillgelegte Mälzereien in Berlin: in Friedrichshain (2), in Pankow (3), in Schöneberg (4), in Hohenschönhausen und eben in Lichtenrade. Hier war es die Schlossbrauerei Schöneberg, die in der Dominikusstraße in der Nähe des "Prälaten" ihren Hauptsitz hatte, ihre Mälzerei aber ins stadtferne Lichtenrade verbannte, um Umweltbelastungen von der Innenstadt fernzuhalten. Die Schöneberger Mälzerei aus der Bessemerstraße hat nichts mit der Lichtenrader zu tun, sie gehörte zur Schultheiss-Brauerei.

Das Lichtenrader Mälzerei-Gebäude des Architekten Wilhelm Walther (5) ist hanseatischen Kontorhäusern nachempfunden, die Backsteinfassaden sind mit geschmiedeten Mauerankern verziert. Zwei mächtige Dunstschlote, die den Neorenaissance-Giebel überragen, verweisen auf die wirkliche Funktion des Gebäudes, in dem Gerste in Keimtrommeln pneumatisch bewegt und in einer riesigen Darranlage Malz geröstet wurde. Die Produktionsanlagen sollen heute noch im Gebäude weitgehend erhalten sein. Die Mälzerei brachte auch der Lichtenrader Feuerwehr eine Erleichterung. Wurden die Feuerwehrleute vorher von ihrem Einsatz benachrichtigt, indem man ins Horn blies, stellte dann die Mälzerei eine mit Maschinenkraft angetriebene Sirene zur Verfügung.

Obwohl das Grundstück frei zugänglich ist, blieb das Gebäude offensichtlich von Vandalismus verschont. Zum Ensemble gehört das Landhaus Lichtenrade, in diesem Lokal und seinem Biergarten wurde natürlich das Getränk der Schlossbrauerei Schöneberg ausgeschenkt. Die Mälzerei steht leer, seit Jahren soll hier ein Einkaufszentrum entstehen, doch immer noch dämmern die alten Bauten vor sich hin.

Jenseits der Bahn finden wir einen Italiener, bei dem man zu Preisen wie in "Friedenszeiten" essen kann.

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(1) früherer Spaziergang in Lichtenrade: Alt Lichtenrade
(2) Mälzerei Friedrichshain: Brauereibesichtigung
(3) Mälzerei Pankow: Bier und Zigaretten
(4) Mälzerei Schöneberg: Dreidimensionale Geschichten aus Kymaerica
(5) Mehr über den Architekten Wilhelm Walther: Walther, Wilhelm (Architekt)

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Unsere Route:
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Alt Lichtenrade
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