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Alt Lichtenrade


Stadtteil: Tempelhof
Bereich: Lichtenrade
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt-Lichtenrade
Datum: 3.April 2000 (15. Oktober 2012)

Die Bundesstraße 96 führt im Süden aus Berlin heraus. Aus den Verbindungswegen zwischen den einzelnen Orten war nach 1830 die Staatschaussee Berlin-Cottbus entstanden. Nur in Lichtenrade wurden die Pferde auf dem Weg von Berlin nach Zossen gewechselt, deshalb siedelten sich hier neben der vorhandenen Landwirtschaft, Schmiede und Ziegelei jetzt auch weitere Handwerksbetriebe und Gewerbetreibende an.

Als 1875 die Bahn die Transportfunktion übernahm, haben die Lichtenrader zuerst die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Acht Jahre lang fuhr die Bahn ohne Halt an ihnen vorbei, erst 1883 haben sie für eine Haltestelle auf der Vorortstrecke nach Zossen gesorgt. So ein Bahnanschluss führte im 19.Jahrhundert typischerweise dazu, dass der Ort zu einem Ausflugsziel der Berliner wurde. Im Laufe der Zeit wurden dann Villen, Landhäuser und Mietshäuser errichtet. Untypisch war in Lichtenrade, dass keine Terraingesellschaft die bauliche Erschließung übernahm, wie dies bei vielen anderen Siedlungen in der Nähe von Bahnhöfen erfolgte. Auch Industrie gab es hier nicht, aber Sanatorien (darunter eine "Irrenanstalt", die aber dem Berliner Volksmund verborgen geblieben sein muss, der sonst gern deftig auf solche Themen reagiert).

Das Dorf liegt in Nord-Süd-Ausdehnung parallel zur alten Staatschaussee (Lichtenrader Damm), die heute den Durchgangsverkehr in das Berliner Umland leitet und wegen der Fahrzeugdichte von einem Fußgänger manchmal minutenlang nicht überquert werden kann. Die Straße Alt Lichtenrade führt um den Dorfanger herum, Mittelpunkt ist der alte Dorfteich, der eine erstaunliche Größe hat. Ein Schild warnt auch im Frühling vor dem Betreten der Eisfläche. Als Feuerlöschteich hatte diesee Teich früher erhebliche Bedeutung, heute lässt man es zu, dass er an einer Seite verlandet.

Nördlich des Teichs steht die Dorfkirche, die ihren markanten eckigen Turm erst nach 1900 erhalten haben soll (langsam gewöhne ich mich daran, wegen der Missverständlichkeit im angebrochenen Jahr 2000 nicht mehr von der "Jahrhundertwende" zu sprechen). Die Kirche ist von dem alten Kirchhof umgeben. Hier liegt der "Bauernhofbesitzer" neben der zu früh dahingegangenen "Jungfrau", die Beerdigungen erfolgten meist bis kurz nach 1900, nur seltenen Fällen auch erheblich später.

Zwei Kindertagesstätten liegen nahe beieinander, seine städtische und eine kirchliche. Die eine Kita findet sich im Erdgeschoss des 1909 erbauten zweistöckigen quadratischen Feuerwehrhauses. Als es gebaut wurde, war über der Feuerwehr eine Schuletage mit mehreren Klassenzimmer im Obergeschoss eingerichtet worden, weil die Dorfschule aus allen Nähten platzte. An diesen Fachwerks-Feuerwehrbau angebaut ist ein Jahrhundertwendehaus, das bis zur Unkenntlichkeit modernisierte wurde, vollflächig ist es mit Fliesenriemchen verkleidet.

Lichtenrade ist von mehreren Grünflächen umgeben. Im Osten liegt der "Volkspark Lichtenrade", an der südlichen Stadtgrenze das "Wäldchen am Kirchhainer Damm" und die "Nachtbucht", zur Marienfelder Seite hin das "Wäldchen am Königsgraben". Wir sind in einem kleinen Grüngürtel unterwegs, dessen Wege mit Waschbetonplatten nicht sehr stilvoll ausgestaltet sind. Die Natur bietet mehr, viele Vogelstimmen sind zu hören sind und der kleine Park wird von der Jugend offensichtlich als Treffpunkt angenommen. In diesem Frühling gab es noch nicht viele Sonnentage, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich auf jeder kleinen Grünfläche die Sonnenanbeter treffen. Am Ende des Parks ist ein größerer Hügel aufgeschüttet, der im Winter bestimmt als Rodelbahn benutzt wird. Der Lärm der Kinder, die mit ihren Schlitten anstehen und dann abwärts fahren, liegt auch heute noch in der Luft, man glaubt ihre Mützen und Handschuhe und Schals zu sehen. Von diesem "Feldherrenhügel" aus können wir die hinter dem Lichtenrader Damm stehenden Hochhäuser sehen, die Sonne steht als roten Ball am Himmel. Trotz der Hochhäuser wirkt das alles nicht wirklich wie Großstadt, eher wie ein Spiel, in dem man zusammen passende Teile zusammenpuzzelt und die übrigen aussortieren muss.

Nördlich von Lichtenrade finden wir an der Staatschaussee ein italienische Lokal, in dem wir unsere heutige Wanderung beschließen.

(Die Bilder wurden im Oktober 2012 aufgenommen).

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Ein späterer Besuch in Lichtenrade: Lichtenrade


Alt Marienfelde
Lichtenrade