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Sag mir, wo die Blumen sind


Stadtteil: Prenzlauer Berg
Bereich: Blumenviertel
Stadtplanaufruf: Berlin, Schneeglöckchenstraße
Datum: 9. Mai 2016
Bericht Nr.: 544

In der Nordost-Ecke von Prenzlauer Berg kann man Oleander, Maiglöckchen, Schneeglöckchen, Cyanen (Kornblumen) und Chrysanthemen finden. Allerdings nur auf Schildern, denn in diesem Blumenviertel sind die Straßen so benannt. Blumenviertel? Ein Makler, der hier ein Einfamilienhäuschen verkaufen will, preist das so an: "Traumhafte moderne freistehende Villa in ruhiger Lage unweit des pulsierenden Prenzlauer Bergs. Diese traumhafte Villa befindet sich in einem etwas unbekannten, seit jeher aber gutbürgerlichen und beliebten Teil des Szenebezirks Prenzlauer Berg. Das als Blumenviertel bezeichnete Areal ist eines der wenigen Wohngebiete in der Berliner Innenstadt, die mit Einfamilienhäusern und stilvolle Stadtvillen bebaut sind". Das hört sich nach Dahlem oder Grunewald an, meint aber ein inhomogenes, vorstädtisches Viertel, das von Hochhaus-Plattenbauten an der Landsberger Allee und der Michelangelostraße umgeben ist. Nur der angrenzende Park mit Berlins dritthöchstem Berg wertet die "etwas unbekannte" Lage ein bisschen auf.

Der Volkspark Prenzlauer Berg wurde früher "Oderbruch-Kippe" genannt. Sollte damals Müll vom 50 km entfernten Oderbruch auf einem Stück Berliner Brachland verkippt worden sein? Das machte keinen Sinn, denn schon seit Ende der Kaiserzeit hatte Berlin selbst Mülltourismus betrieben und seinen Abfall auf einigen Flächen in Brandenburg entsorgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg drohte West-Berlin im eigenen Müll zu ersticken. So wurden Plätze in der Ziegrastraße, am Munsterdamm, am Kemperplatz und Grünanlagen am Humboldthain zeitweilig zu Mülldeponien. Selbst den blinden U-Bahn-Schacht am Theodor-Heuss-Platz unter der Heerstraße und den Bunker im Volkspark Friedrichshain verfüllte man mit Abfällen. Als nichts mehr ging, baute die Stadtreinigung beim Betriebshof Forckenbeckstraße eine große Umladestation und belieferte von dort aus innerstädtische Deponien in Wannsee, Lübars, Marienfelde und Rudow.

In den 1970er Jahren schließlich vereinbarte West-Berlin mit der DDR, 20 Jahre lang Müll auf den Ost-Deponien in Ketzin und Schöneiche abzuladen. Die größte freitragende Halle der Welt, die ursprünglich für Luftschiffe gebaut wurde, heute den Freizeitpark Tropical Islands umschließt, hätte man 20 Mal mit der Müllmenge von 111 Millionen Kubikmetern füllen können, die vertraglich von der DDR abzunehmen war. Diese Ost-West-Vereinbarung hatte vier Gewinner: West-Berlin wurde seinen Müll los, die DDR bekam Geld, DDR-Bürger suchten aus dem Abgeladenen Brauchbares heraus und West-Berliner Müllfahrer handelten illegal mit zollfreien Waren aus dem DDR-Intershop.

Die "Oderbruch-Kippe" lag in Ost-Berlin, und da hatte man kein Problem, seinen Müll loszuwerden, weil ja die Müllkippen in Brandenburg zugänglich waren. Und natürlich hat auch der Oderbruch keinen Müll nach Berlin gebracht. Die Benennung ging schlicht darauf zurück, dass die Kippe an der Oderbruch-Straße lag. Und zu Anfang wurde hier auch kein Müll abgeladen, sondern die Trümmer aus den Kriegsruinen von Friedrichshain. Von den Baufeldern der Stalinallee brachte eine Trümmerbahn mit Loren das nicht mehr Verwertbare hierher. Der aus Trümmerschutt angehäufte Berg wurde 91 Meter hoch. Die DDR schmückte ihn mit einem Denkmal für die Kampfgruppen der Arbeiterklasse, an dem zu passender Zeit Aufmärsche und Ehrenappelle der Betriebskampfgruppen stattfanden. Nach der Wende wollte man das Denkmal in einer Braunkohlengrube verbuddeln, entschied sich dann aber, es aufzuteilen. Die männlichen Figuren in Uniform und mit Waffen übernahm das Deutsche Historische Museum, die unverfänglicheren Friedenssymbole (Junge mit Blumenstrauß, Taube) stehen im Museum Pankow.

Wie es sich für einen Volkspark gehört, wird er als Naherholungsgebiet genutzt. Spazieren gehen, Joggen, Walken, Drachen steigen lassen, Rodeln. Nur vom Besuch des Pappelplateaus auf dem Gipfel würde ich abraten. So wie wir es schon auf der Biesdorfer Höhe erlebt haben, ist der Aussichtspunkt vermüllt, die Abfälle fliegen durch die Gegend. Und zu sehen ist hier sowieso nichts, weil hohe Bäume weder einen Blick in die Weite noch einen Rundblick gestatten.


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Wenn man aus dem Rathaus herauskommt, ist man klüger als zuvor, sagt der Volksmund. Gilt das auch für das Finanzamt, oder ist man beim Verlassen dieser Behörde blau angelaufen, egal ob Mann oder Frau? Am Eingang des Finanzamts in der Schneeglöckchenstraße 26 sind die Säulen des Portikus' mit Jugendstilmotiven geschmückt, darüber schauen mit langen Hälsen ein Frauen- und ein Männerkopf als blaue Fayencen aus der Wand. In dem Haus arbeitete das Finanzamt „Andreas“, das von der Pfuelstraße in SO 36 hierher verlegt worden war, trotzdem aber für Friedrichshain zuständig blieb. Auch das Finanzamt Zehlendorf - von demselben Architekten Fritz Hambrock erbaut - hatte sein Dienstgebäude außerhalb seines Bezirks in der Lichterfelder Drakestraße. Ein Graus für einen Beamten, schließlich ist die Zuständigkeit ein scharfes Schwert, um ungeliebte Arbeit abzuwehren, und dann arbeitet man noch nicht einmal im richtigen Bezirk. Die Finanzverwaltung hatte damals 38 Finanzämter mit Bezirksnamen oder Namen wie Neander, Oberspree oder Hansa, heute kommt sie mit 12 Ämtern aus.

Das dritte Finanzamtsgebäude des Architekten Fritz Hambrock ist das Wilmersdorfer in der Brabanter Straße. Bauherr aller drei Gebäude war nicht die Finanzverwaltung, sondern derselbe private Investor, der jeweils mit derselben Baugesellschaft zusammenarbeitete. Schaffte es das Landesfinanzamt nicht mehr aus eigener Kraft, Gebäude für seine nachgeordneten Behörden zu errichten? Zurück zum Finanzamt in der Schneeglöckchenstraße. Zu DDR-Zeiten arbeitete dort das "Amt für Arbeit und Löhne", nach der Wende war es eine Niederlassung der Treuhandanstalt.

Gibt es ein Menschenrecht auf einen kostenlosen Parkplatz direkt vor der Wohnungstür? Das fragte sich der Pankower Baustadtrat nach Diskussionen über ein Wohnprojekt. Es ist bekannt, dass Berlin dringend neue Wohnungen braucht, aber möglichst sollen Neubauten nicht im eigenen Kiez entstehen, sagen die Alteingesessenen. Dieser Kampf wird mit allen möglichen (und unmöglichen) Argumenten geführt. Die absurdeste Initiative gegen Wohnungsbau hat sich an der Michelangelostraße im Prenzlauer Berg gebildet. Hier steht seit den 1960er Jahren eine Großwohnsiedlung aus Plattenbauten. An der südlichen Straßenseite dehnen sich Wiesenflächen aus, daran grenzen 1.100 Parkplätze auf öffentlichem Straßenland an, auf denen die Bewohner der umliegenden Plattenbauten ihre Autos abstellen. Hier soll neues Wohnquartier mit Miniparks, Schule, Kita und Sporthalle entstehen, doch die Anwohner sind dagegen, wo sollen sie denn dann parken?

Die Michelangelostraße gehört zum Autobahnring A 100, der die Berliner Mitte nahe der Ringbahn umschließt, aber bisher im Norden und Osten nicht vollendet wurde. Mit anderen Worten: Hier ist keine Stadtautobahn, aber die Planungen sind noch nicht vom Tisch. Mit dem Abkippen der Trümmer auf der Oberbruchkippe hat man allerdings den gedachten Ringschluss unterbrochen, denn die Ringstraße müsste genau durch den Volkspark Prenzlauer Berg gehen. In westlicher Richtung ist die Straßenverbindung dagegen über die Ostseestraße bis zur Seestraße in Wedding durchgehend vorhanden.


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Das Pankower Grünflächenamt hat 1999 ein neues Gebiet für den Weinanbau in Berlin geschaffen. 400 Rebstöcke wurden am Fuße des Volksparks Prenzlauer Berg gepflanzt. Vor kurzem wurde sogar eine Straße vor dem Volkspark auf den Namen „Am Weingarten“ getauft. Den "Berliner Riesling" hat man nach vier Jahre zum ersten Mal geerntet und in einem sächsischen Weingut gekeltert. Der Berliner Weinanbau, der eine lange Tradition hatte, wurde damit auch im Bezirk Pankow wieder aufgenommen. Verkauft werden dürfen die Berliner Weine nicht, weil die Stadt keine anerkannte Lage ist. Aber einem Staatsbesucher oder prominenten Bezirksgast kann man damit ein außergewöhnliches Geschenk überreichen. Ein Förderverein kümmert sich ehrenamtlich um die Trauben im Bezirk, die auch am Wasserturm mitten in Prenzelberg gezogen werden.

Und zum Schluss noch ein Wort zu einer außergewöhnlichen Theaterinszenierung im Volkspark Prenzlauer Berg. Aus Gesprächen mit Zeitzeugen entstand vor zwei Jahren das Theaterstück „Rosemarie“, das nicht auf einer Bühne, sondern im Park in kleinen Gruppen aufgeführt wurde. Jeder Besucher hatte einen Schauspieler an seiner Seite, der in der Rolle eines Zeitzeugen seine Lebensgeschichte erzählte. Lebendige Geschichte, die Erfahrungen eines Menschen können so - vermittelt durch einen Schauspieler - viele Menschen im direkten Kontakt erreichen.
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Stadtspaziergänge in angrenzenden Bereichen:
Jüdischer Friedhof Weißensee: Sucht uns in Eurem Herzen
Gürtelstraße Komponistenviertel: Fliegender Yogi auf Friedensmission
Ostseestraße, Gründerviertel Weißensee: Vom Pferd zum Fahrrad

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route
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Unauffällig schrill
Ein neues Bett als Geburtstagsgeschenk