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Stadtteil: Pankow
Bereich: Berlin-Buch
Stadtplanaufruf: Berlin, Hobrechtsfelder Chaussee
Datum: 13. April 2017
Bericht Nr: 584

Ihr erstes Regierungskrankenhaus hatte die DDR in der Scharnhorststraße in Mitte eingerichtet. Dort arbeitet heute schräg gegenüber dem Wirtschaftsministerium das Bundeswehrkrankenhaus. Nur 180 Meter - etwas mehr als "einen Steinwurf" - von der Grenze zu West-Berlin entfernt, war die Lage der Staatssicherheit nicht sicher genug. Außerdem ließ es sich nicht ausreichend gegen die Bevölkerung abschotten. Beim Wohnviertel der Regierenden am Majakowskiring hatte man es bereits 1958 vorgemacht und war ins weit entfernte Wandlitz umgezogen. So wurde 1976 auch für das Regierungskrankenhaus ein neuer Standort gefunden, in Berlin-Buch, in der Nähe des von Ludwig Hoffmann errichteten Krankenhauskomplexes.

Im Arbeiter- und Bauernstaat gab es keine Klassengegensätze, weil keine Kapitalistenklasse existierte, "die Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern und anderen werktätigen Schichten übte die Macht aus". Die DDR war damit "ein leuchtendes Beispiel für eine gerechte Gesellschaft". Soweit die Theorie, doch an der Versorgung der Funktionäre kann man den Unterschied zwischen Theorie und Praxis erkennen. Im Regierungskrankenhaus wurden keine Arbeiter und Bauern behandelt, sondern nur die herrschende Funktionärsklasse. Dazu gehörten die Mitglieder des Staatsrats, des Politbüros, des Volkskammer-Präsidiums, der Führungsgremien der Blockparteien und Massenorganisationen, oberste Richter und Staatsanwälte, Sekretäre der Bezirksleitungen, Vorsitzende der Räte der Bezirke, dem Kommunismus ergebene Künstler und Wissenschaftler und auch Botschafter und Botschaftsräte der Ostblockstaaten.

Für diesen bevorzugten Personenkreis wurde jedes West-Medikament besorgt. Und sie bekamen Leistungen vom Feinsten: Medizinische Betreuung, Unterbringung und Verpflegung, während in normalen Krankenhäusern schon mal der OP-Saal mit einem Eisblock gekühlt oder Skalpelle mit dem Messerschleifer geschärft wurden (diese Moritat berichtete der MDR).


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Die Helios-Kliniken haben den Krankenhaus-Standort Berlin-Buch nach der Wende gekauft und größtenteils ausgebaut. Zum Kaufobjekt gehörten auch das Regierungskrankenhaus und das Stasi-Krankenhaus, beide nebeneinander in einem ummauerten und bewachten Gelände gelegen. Doch hier wurde nichts bewegt, die beiden ehemaligen Krankenhäuser fielen in Dauerschlaf. Trotz der fortgesetzten Bewachung gelang es Neugierigen, hier einzudringen. Vandalismus blieb nicht aus, doch den hochwertigen Status des Hauses kann man trotz der Beschädigungen noch gut erkennen.

Das Gebäude ist kein Plattenbau, sondern ein Betonbau nach westlichem Muster der 1970er Jahre, wahrscheinlich auch von Westfirmen errichtet. Die technischen Installationen waren erstklassig, das sieht man den Steuerpulten, Konsolen und Anschlüssen heute noch an. Siemens-, Dräger- und Bender-Medizintechnik, Alcatel-Sprechanlagen und Siemens-Telefonanlagen, im Einzelfall auch eine Schalttafel des VEB Elektrowärme. Vorbildliche Orientierungssysteme, Holztäfelungen, Einbauschränke, Falttüren und Parkettböden in hervorgehobenen Räumen, auch bei den Chefärzten. Großzügige Raumgrößen und helle Räume durch großflächige Fensterbänder.


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Auf den Stationen gab es 110 Betten, hier waren 58 Ärzte und 118 Schwestern tätig. In einem Sonderpavillon mit 10 Betten logierten die VIPs unter den Funktionären, also die Honecker-Crew. Es war ein Anbau auf der Gartenseite, der nicht von den Eingängen aus eingesehen werden konnte. Es hat alles seine zwei Seiten: Wie auf der Protokollstrecke Richtung Wandlitz bekam Honecker so auch nur das zu sehen, was man ihm zeigen wollte.

Sein Badezimmer erkennt man sofort, es hat Badewanne und Dusche, die anderen prominenten Kranken mussten ohne Badewanne auskommen. Vor seinem Zimmer fuhr der Fahrstuhl zum Schwimmbad im Keller. Außerdem befindet sich eine Bunkeranlage unter dem Anbau.

Mit dem Veranstalter "go2know" kann man verborgene Orte und "lost places" ansehen und fotografieren, ohne unerlaubt in die verschlossenen Gemäuer einzudringen. Nach den vorangegangenen ausführlichen Besuchen am Krankenhaus-Standort Berlin-Buch war es selbstverständlich, dass ich dem Ruf gefolgt bin, im DDR-Regierungskrankenhaus zu fotografieren. Dabei habe ich das benachbarte Gebäude des Stasi-Krankenhauses ausgelassen, das auch für Fotoaufnahmen zugänglich war, das "Honecker-Haus" war der umfangreichere Teil.

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Die anderen Besuche am Krankenhaus-Standort Berlin-Buch:
> DDR-Klinikum Berlin-Buch:
Krankenhäuser jottwede
> Irrenanstalt IV ("Ludwig-Hoffmann-Quartier"):
Weniger Irre als geplant
> Heimstätte für Lungenkranke ("Waldhaus"):
betrüblich geringes Wissen über Berlin-Buch

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route:
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