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betrüblich geringes Wissen über Berlin-Buch


Stadtteil: Pankow
Bereich: Berlin-Buch
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt Buch
Datum: 8. September 2008

Adolf Wermuth, der Oberbürgermeister Berlins zur Zeit der Schaffung Groß-Berlins, bedauerte das betrüblich geringe Wissen der "gesellschaftlich maßgeblichen Berliner" über den Ortsteil Buch, der seit 1920 als Teil von Pankow zu Berlin gehört. Wermuth hatte seinen Sommersitz im Bucher Schloss, zog sich nach seiner Amtszeit nach Buch zurück und wurde auch dort beerdigt.

Diesem Vorwurf wollen wir uns nicht auch aussetzen, und so fahren wir mit der S-Bahn hinaus und erforschen das Dorf, das schon im 14.Jahrhundert bestand und dessen Gut 1898 von der Stadt Berlin erworben wurde, um hier in der Nähe Rieselfelder und ab 1900 im Ort städtische Heilstätten einzurichten. Den Eisenbahnanschluss an der Stettiner Bahn gab es bereits seit 1879. Das hochherrschaftliche Bahnhofsempfangsgebäude, durch das wir Berlin-Buch betreten, wurde 1914 errichtet.

Durch den Bucher Schlosspark, den wir als erstes von der S-Bahn aus erreichen, fließt die Panke. Es gibt noch alten Baumbestand und den Schlossgraben, auch die barocke Schlosskirche und der Gutshof sind noch vorhanden. Das Schloss und die Orangerie aber wurden zu DDR-Zeiten abgerissen. Die Kirche hat im 2.Weltkrieg ihren Turm mit der geschwungenen Haube und der achteckigen Laterne verloren, nach vereinfachtem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit wurde sie jetzt umfassend restauriert und kann beim diesjährigen Denkmaltag besichtigt werden. Ihre Fassade wird von vier toskanischen Halbsäulen bestimmt, die einen Dreiecksgiebel tragen. Die Putzflächen sind mit lebhafter Farbigkeit von den weißen Säulen, Pylonen und Giebeln abgesetzt, Das 1736 vollendete Gebäude wirkt eher wie eine herrschaftliche Villa und ist heute der architektonische Mittelpunkt der ehemaligen Schlossanlage.

Der Gutshof mit Gutshaus, Wirtschaftshof, Stallungen, Scheune, Speicher, Werkstätten war als "Künstlerhof Buch" nach der Wende zeitweise ein Projekt der Akademie der Künste, wurde aus finanziellen Gründen aber dem Liegenschaftsfonds Berlin zur Vermarktung übertragen. Die Werkstätten, Ateliers und Sozialprojekte, die dort arbeiten, sehen einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die Straße Alt-Buch, der wir bis hier gefolgt sind, wird auf der Nordseite von historischen Häusern, der Gutsanlage und dem Schloss geprägt. An der Südseite bestimmen hohe gesichtslose Nachkriegsbauten das Bild. Der starke Verkehr auf Alt-Buch bildet sozusagen die Trennlinie zwischen alt und neu. Am Übergang zur Zepernicker Straße versteckt sich auf der "historischen Seite" ein Gebäudeensemble hinter Bäumen und Buschwerk, das zu der alten Krankenhausstadt Buch gehört, die der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann bis 1929 im Ort errichtet hat. Es war damals die größte und modernste Krankenhausstadt Europas mit 5000 Betten und umfasste Kliniken für Psychiatrie ("Irrenanstalten"), Tuberkulosebehandlung und Alterskrankheiten. Nach der Wende sind die Krankenhäuser zum größten Teil im "Campus Berlin-Buch" aufgegangen, der zu einem bevorzugten Standort der der Berliner Biotechnologie geworden ist.

Ludwig Hoffmann ist uns im Berliner Stadtbild mit den Bädern Baerwaldstraße und Oderberger Straße, mit dem Rudolf-Virchow-Krankenhaus, dem Alten Stadthaus, dem Märkisches Museum, dem Pergamonmuseum, dem Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain und der Inselbrücke in Mitte gegenwärtig.

Der von uns entdeckte verborgene Bau in Alt-Buch war das "Waldhaus", eine ehemaligen Heimstätte für Lungenkranke, es wurde wegen der zurückgesetzten Lage und der repräsentativen Architektur im Volksmund "Schlösschen" genannt (das Schloss gab es ja damals noch). Die Tuberkulose breitete zum Ende des 19. Jahrhundert in den Städten besonders in den unteren Bevölkerungsschichten massiv aus. Über eine Isolierung der Betroffenen abseits der Städte mit umfangreichen Behandlungen und Liegekuren in frischer Luft wurden recht gute Heilerfolge erzielt.

Das Waldhaus steht seit 1992 leer. Es ist baulich gesichert und wartet auf eine neue Zukunft, die nach dem "Leitbild Buch" im Bereich der "Lebenswissenschaften" liegen soll. In einem "Life Science Center" soll man "Gesundheit verstehen" können, experimentieren, anfassen, begreifen, staunen und sich überraschen lassen, z.B. von einem virtuellen Venen-U-Boot. Besuchermassen werden erwartet, die sich über Gesundheit, Ernährung, Sinne und Gefühle informieren wollen. Für die Umsetzung wird zur Zeit vom Pankower Bezirksparlament eine Entscheidung erwartet. "Millionengrab oder Touristen-Attraktion?" titelte die Berliner Zeitung in einem Bericht über die 28 Millionen Euro -Investition.

Auf dem Rückweg kommen wir an dem Sowjetische Ehrenmal vorbei, das auf einem abgegrenzten Teil des Schlossparks steht. Unserem Vorsatz treu bleibend, die regionale Küche zu testen, kehren wir in der alten Schankwirtschaft ein, die "Castello" heißt und bekommen wie erwartet typisch italienisches Essen vorgesetzt. Theodor Fontane hat hier einmal auf einem behelfsmäßigen Strohlager übernachtet, das ersparen wir uns und fahren mit der S-Bahn in Berlins Mitte zurück.

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Pankow, Weißensee
Bier und Zigaretten