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Schwimmbäder und Pferdeskelette


Stadtbezirk: Kreuzberg
Bereich: Baerwaldstraße
Stadtplanaufruf: Berlin, Baerwaldstraße
Datum: 11. September 2010

Der Denkmaltag ist immer auch ein Tag der Flaneure: Man sieht, was sonst verborgen bleibt, und bekommt es auch noch fachkundig erläutert.

Hier die Themen:

> Baerwaldbad

> Tierärztliche Hochschule


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Baerwaldbad

Im Baerwaldbad (Stadtbad Kreuzberg), einem Neorenaissancebau von Ludwig Hoffmann (--> 1), konnte man einen Blick auf die noch laufende Wiederherstellung werfen, das vernachlässigte Baudenkmal erhält allmählich den Glanz früherer Zeiten zurück Es ist ein ganzes Bauensemble, zu dem neben dem ursprünglichen Bad ein späterer Erweiterungsbau, eine Schule und eine Kirche gehören. Der Erweiterungsbau wurde im Krieg zerstört und danach "vereinfacht" wieder aufgebaut. So nennt man das, wenn der ursprüngliche Bau nach den Ideen der Wiederaufbauzeit verändert neu errichtet wird. Über eine ganze Serie von Nachbauten unter Verwendung von Teilen der Ruinen bei den Palais' in Mitte hatte ich bereits geschrieben (--> 2). Hier beim Stadtbad hat man hinter der Renaissance-Fassade ein Schwimmbecken im Stil der fünfziger Jahre eingerichtet. Im Übergang zwischen den Gebäuden kann man am Treppengeländer den Bruch nachvollziehen: im Erdgeschoss ein Metallgeländer aus der Zeit von Ludwig Hoffmann, im 1.Stock der Nierentisch-Charme eines 50er-Jahre- Geländers. Historismus und Nachkriegsmoderne sind hier nur Zentimeter voneinander entfernt.

Man hat eine einfallsreiche Lösung gefunden, um das Bad wieder herzustellen: Mit dem Förderprogramm "Experimenteller Städtebau" und der vom Jobcenter finanzierten Heranführung von arbeitslosen Jugendlichen an Tätigkeiten im Baugewerbe wird Bausanierung und Lernen miteinander verbunden. Viele Ehrenamtliche engagieren sich hier, aber die bröckelnde Decke, die mit einem Netz über dem Becken abgehängt ist, weist auf die weiter notwendige Unterstützung hin.

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(1) Als Nachfolger von Hermann Blankenstein hat Ludwig Hoffmann ab 1896 als Stadtbaurat eine ganze Generation lang das öffentliche Baugeschehen in Berlin mit geprägt, er war Professor an der Technischen Hochschule (heute TU Berlin), Mitglied der Preußischen Akademie des Bauwesens, der Künstlerischen Sachverständigenkammer und der Akademie der Künste. Den Schinkelpreis hat er gewonnen, die Goldmedaille für Kunst, die Staatsmedaille für Kunst der Großen Berliner Kunstausstellung, den Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, er wurde Ehrendoktor und Ehrenmitglied und zum Schluss auch Ehrenbürger, Berlin ehrte ihn damit.

(2) Über den "vereinfachten" Wiederaufbau:
Zerlegt - versetzt - wieder aufgebaut und Spiritus is ooch Nahrung

Baerwaldbad


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Tierärztliche Hochschule

Stadtbezirk: Mitte
Bereich: Luisenstraße
Stadtplanaufruf: Berlin, Luisenstraße
Datum: 11. September 2010

Und die Pferdeskelette? Die gehören zu einem ganz anderen Projekt, das aber ebenfalls alte Substanz mit neuem Leben füllen soll. Angrenzend an die Charité in der Luisenstraße liegt die ehemalige Tierärztliche Hochschule, die - anders als man vielleicht auf den ersten Blick meint - von der Charité unabhängig ist und als "Campus Nord" zur Humboldt-Uni gehört. 1790 gegründet, hat die Tiermedizin hier vor allem militärischen Zwecken gedient, denn "der Schaden, der aus Mangel an guten Ross- und Viehärzten entstanden, (sei) für das Land und die Cavallerie von allertraurigsten Folgen", befand Friedrich Wilhelm II., der Neffe Friedrichs des Großen. Die Gebäude wurden in der Nachbarschaft zu dem Gräflich Reußschen Garten errichtet, der dann nach und nach durch Ausweitung des Hochschulbereichs verdrängt wurde.

Durch das Gelände fließt die Panke, jedenfalls theoretisch, weil sie tatsächlich zur Zeit am Nordhafen in den Schifffahrtskanal eingeleitet wird, aber das soll sich wieder ändern. Wenn der Bau für den Bundesnachrichtendienst in der Chausseestraße fertig ist, wird die Panke wieder in ihr altes Bett zurückkehren und in die Spree fließen.

An der Luisenstraße liegt als Eingangsgebäude die Tierarzneischule, und im Innern des parkartigen Geländes das Anatomische Theater (--> 3), auch Trichinentempel genannt, ein gottlob erhaltenes Relikt aus einer früheren Welt. Langhans - der auch das Brandenburger Tor schuf - hat auf einem kleinen Hügel einen klassizistischen Kuppelbau mit quadratischem Grundriss gebaut. An den Fassaden oberhalb der Fenster weisen Tierschädel darauf hin, was hier im Innern vor sich geht.

Durch das von Säulen eingerahmte breite Hauptportal betrat der Professor den kreisrunden Lehrsaal. Ihm gegenüber waren die Bänke der Studenten wie im Amphitheater steil angeordnet. Die Studenten kamen durch den schmalen Hintereingang in das Gebäude. In der Mitte des Raumes gab es einen versenkbaren Seziertisch für die Präparate, die aus dem Untergeschoss mit einem Fahrstuhl in den Hörsaal gebracht wurden, sie tauchten sozusagen aus der Versenkung auf. Was für eine eindrucksvolle Inszenierung! Im Untergeschoss wurden die Präparate vorbereitet, so konnte man beispielsweise das restliche Fleisch von den Knochen durch Kochen ablösen.

Leider war am Denkmaltag die Innenbesichtigung des Trichinentempels wegen der Bauarbeiten nicht möglich, sie soll später nachgeholt werden (4). So kann ich heute hier nur ein historisches Foto zeigen.

Für den Bereich des Campus' Nord gibt es einen Entwicklungsplan (Masterplan), der nach und nach umgesetzt wird. Es bleibt spannend auf diesem Gelände.

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(3) Der Name des Gebäudes erinnert an das erste Anatomische Theater von 1594 in Padua. Dort fanden erstmals öffentliche Leichenöffnungen statt - eine Revolution für die Anatomie.
(4) Am Denkmaltag 2013 konnte das Anatomische Theater innen angesehen werden, hier sind die Bilder: Tieranatomische Theater

Tierärztliche Hochschule


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