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Die Heerstraße an der Havel


Stadtteil: Spandau
Bereich Stößensee, Heerstraße
Stadtplanaufruf: Berlin, Am Rupenhorn
Datum: 18. September 2007

Berlin hat mehr Brücken als Venedig. Das verblüfft, aber es stimmt. In Venedig sind es über 400, in Berlin mehr als 800 Brücken. Für meine New Yorker Leser: in NYC sollen es 2.700 Brücken sein. Das klingt zwar unwahrscheinlich, aber bei einer fast dreifachen Einwohnerzahl gegenüber Berlin ist es plausibel.

Von den mehr als 800 Berliner Brücken werden zur Zeit gerade 20 in der Verantwortung des Berliner Senats stehende Bauwerke saniert. Man beeilt sich zu versichern, dass zu keiner Zeit die Tragfähigkeit akut gefährdet gewesen sei. Glauben wir es, auch wenn es an die formelhaften Verlautbarungen erinnert, mit denen noch während des Verkaufs verdorbener Lebensmittel "zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestand".

Zwei dieser Brücken liegen eng beieinander und sind so als Flanierziel prädestiniert: die Stößenseebrücke und die Freybrücke an der Heerstraße in Spandau. Während die Instandsetzung der Stößenseebrücke bereits begonnen hat, soll die Freybrücke erst später komplett neu gebaut werden.

Der Stößensee ist ein Nebenarm der Havel, die den westlichen Rand Berlins in Süd-Nord-Richtung durchfließt. An der Heerstraße liegt der See sehr tief unter dem Niveau der Straße, so dass die Brücke mehr als 20 Meter hoch ist und gern von Kletterern genutzt wird. Das "Bergsteigen" wird hier nur geduldet, für Gruppen empfiehlt sich eine Anmeldung auf der Spandauer Polizeiwache. Ansonsten kann man z.B. auf den Teufelsberg oder den Mauerpark ausweichen, dort gibt es angelegte Steigewände. Die Stößenseebrücke ist wuchtig wie eine Festung mit Zinnen aus Naturstein gebaut, die Überfahrt ist als Stahlgestänge darin aufgehängt.

Auf der Charlottenburger Seite des Sees verläuft die Havelchaussee als Uferstraße, an der ein Grundstück neben dem anderen überwiegend von Wassersportclubs genutzt wird. Oberhalb der Anhöhe verläuft parallel hierzu die Straße Am Rupenhorn, die Teil des Havelhöhenwegs ist. Der Havelhöhenweg geht auf eine Idee des Landschaftsgestalters Peter Joseph Lenné zurück und verbindet seit 100 Jahren das Strandbad Wannsee mit den nördlichen Ausläufern des Stößensees, immer an der Havel entlang.

Die Häuser und Grundstücke Am Rupenhorn 1 bis 6 sind von prominenten Architekten des vorigen Jahrhunderts gestaltet worden: der Berliner Gartenbaudirektor Erwin Barth, der Architekt Erich Mendelsohn, der selbst hier wohnte, und der Architekt Hermann Muthesius gehörten dazu. Nur das Mendelsohnsche Anwesen ist noch vollständig erhalten, die anderen Villen und Gärten wurden zugebaut, zerstört oder abgerissen. Mendelsohn hatte sein Grundstück vollständig mit einer Mauer umgeben, "zum Schutz vor Wildschweinen", wie es hieß, aber natürlich hatte er sich dadurch in der aufkeimenden Nazizeit ein nicht einsehbares Refugium geschaffen.

Die Freybrücke überquert die hier nicht sehr breite Havel auf dem Weg vom Pichelssee nach Norden. Anfang des 20.Jahrhunderts wurde die Havel in diesem Bereich zum Teil begradigt und kanalisiert, die Freybrücke wurde gebaut, der Südhafen Spandau wurde angelegt. Im Gegensatz zur Stößenseebrücke, die oberhalb des Straßeniveaus nur mit niedrigen Zinnen sichtbar wird, zeigt die Freybrücke stolz ihre Brückenbögen links und rechts der Fahrbahn. Wenn sie 2010 abgerissen und neu gebaut wird, muss eine Behelfsbrücke den Verkehr "von Spandau nach Berlin" sicherstellen.




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