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Ein Bauverlangen ohnegleichen


Stadtteil: Tempelhof
Bereich: Dudenstraße, General-Pape-Straße, Loewenhardtdamm
Stadtplanaufruf: Berlin, General-Pape-Straße
Datum: 14. September 2008

Dieser Sonntag (Denkmaltag) steht ganz im Zeichen der Unterwelten - erst der "Waisentunnel" und "Waisenbunker" an der Klosterstraße (siehe "Ich sagte Wir möchten mit"), dann der "Schwerbelastungskörper", über den ich hier berichte, und am Abend wurde im Fernseh-"Tatort" auch noch in einem stillgelegten Bergwerk gemordet.

Als Hitler Reichskanzler wurde, hatte er die Zeichnungen für seinen Triumphbogen bereits seit 8 Jahren in der Tasche. Er hatte schon geplant, mit welchen Bauten er seine zukünftigen Siege verherrlichen wollte. Selbst Speer, sein "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt", der die Planungen in die Tat umsetzen sollte und mit Hitler ganz eng und vertraut wie ein zweites Ich zusammen arbeitete, spricht von einem "Bauverlangen, das seinesgleichen nicht in der neueren Geschichte kennt". Alles war für die Ewigkeit gedacht, die Bauten sollten " im Verfallszustand, nach Hunderten oder Tausenden von Jahren, etwa den römischen Vorbildern gleichen".

Schon die Reichskanzlei, die nur als Provisorium gebaut wurde, war ein Einschüchterungsbau, die 220 Meter lange Raumflucht vom Eingang bis zum Empfangssaal sollte die Diplomaten auf dem langen Weg erstarren lassen vor der "Macht und Größe des Deutschen Reiches".

Die Ost-West-Achse mit dem Brandenburger Tor, der Siegessäule und dem Straßeverlauf Unter den Linden, Bismarckstraße, Kaiserdamm ist aus Hitlers und Speers "Welthauptstadt-Germania"-Planung noch heute sichtbar, genauso wie der Flughafen Tempelhof, der damals die größte Gebäudefläche der Welt aufwies. Weniger bekannt ist die Nord-Süd-Achse, die zwischen Südkreuz und Reichstag erbaut werden sollte. Dazu sollte die Eisenbahn in einen Tunnel gelegt werden, die Kopfbahnhöfe (wie Lehrter und Anhalter Bahnhof) sollten verschwinden, das Bahngelände stand für den Straßendurchbruch zur Verfügung. Diese Neuordnung des Bahnverkehrs ist nach der Wiedervereinigung zum Teil verwirklicht worden.

Der heutige Bahnhof Südkreuz war als Zentralbahnhof geplant. Speer (Memoiren): "Staatsgäste wären eine große Freitreppe heruntergeschritten. Sie und die aus dem Bahnhof tretenden Reisenden sollten von dem städtebaulichen Bild und damit der Macht des Reiches überwältigt oder genauer: buchstäblich " erschlagen" werden. Der Bahnhofsplatz von tausend Meter Länge und dreihundertdreißig Meter Breite wäre, nach dem Muster der Widderallee von Karnak nach Luxor, von Beutewaffen umsäumt worden".

Eine 120 Meter breite Achse (ausdrücklich breiter als die Champs-Elysées) hätte nach Norden zur 220 Meter hohen Kuppelhalle ("Halle des Volkes") in Höhe des Reichstags geführt. Dabei durchschritt man auf Höhe der Kolonnenstraße einen Triumphbogen, doppelt so hoch wie der Arc de Triomphe, also fast auf Funkturmhöhe, in den das Brandenburger Tor vom Volumen her 100 Mal hereingepasst hätte. Um einen herrschaftlichen Blick durch den Großen Bogen (Triumphbogen) auf die Kuppelhalle zu erzielen, sollte das Straßenniveau um 14 Meter angeschüttet werden.

Die Ingenieure hatten keine Erfahrungen damit, wie der sandige Berliner Untergrund auf einen so gigantischen Baukörper reagieren würde. Deshalb startete man 1941 den Versuch, mit einem "Schwerbelastungskörper" in der Nähe des Großen Bogens dessen hohen Druck auf den Boden zu simulieren. Der "Pilz" wurde betoniert, ein 18 Meter in den Boden versenkter Schaft, auf dem ein 14 Meter hoher Schirm mit 21 Meter Durchmesser schwebt. Mit mehr als 12.000 Tonnen Beton wurde so ein gewaltiger Druck (1,26 Meganewton je Quadratmeter) an den Boden abgegeben. Von einer Messkammer im Inneren des Pilzes konnte man durch 3 Bullaugen Punkte aus dem Umfeld zur Berechnung des Setzungsverhaltens anpeilen, außerdem waren freistehende Stahlträger senkrecht im Boden befestigt.

Bereits beim Betonieren hatte sich der Pilz um 3 cm zur Seite geneigt, so dass man "gegenbetonieren" musste. Die anderen Messungen wurden erst nach Kriegsende ausgewertet, die damit beauftragte DeGeBo-Gesellschaft war inzwischen ein TU-Institut geworden. Um 19 cm hatte sich der Schwerbelastungskörper in den Boden gedrückt, 5 cm Toleranz hatten die Ingenieure ursprünglich eingeplant. Der eigentliche Zweck des Betonpilzes war längst Vergangenheit, doch bis 1977 wurden in kleinerem Rahmen weitere Messungen über die Belastbarkeit von Böden durchgeführt. Daraus sind 3 DIN-Normen formuliert worden, die heute noch Gültigkeit haben.

Pläne, den Schwerbelastungskörper als Kletterwand für die Alpinisten herzurichten scheiterten genauso wie die Idee eines Cafes auf dem Dach. Jetzt steht der Pilz unter Denkmalschutz, wurde saniert und geschützt und soll von einem parallel aufgestellten Aussichtsturm betrachtet werden können, der gleichzeitig die Höhe der Anschüttung symbolisiert, unter der er bei geplantem Verlauf verschwunden wäre.

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