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Bären im Oberland


Stadtteil: Tempelhof
Bereich: Tempelhofer Oberland
Stadtplanaufruf: Berlin, Oberlandstraße
Datum: 14. April 2008

Nein, wir sind nicht bis zum Berner Oberland gelaufen an diesem Montag. Auch in Tempelhof gibt es außer dem Tempelhofer Feld das "Tempelhofer Oberland". Es gehörte zum Teltower Hochplateau. Der alte Flurname lebt in der Straßenbezeichnung "Oberlandstraße" weiter.

Was lockt uns in diese Straße, die seit dem Ausbau der Stadtautobahn zwar nicht mehr vom Durchgangsverkehr, aber zusammen mit der Verlängerung Silbermannstraße von einer Verödung gekennzeichnet ist, die auch trotz einiger historischer Fassaden der alten Bürgerhäuser nicht zu übersehen ist ? Und doch, selbst an der Silbersteinstraße gibt es hinter dem Spielplatz "Jim Knopf" , der mit Holzeisenbahn und Kletternetz den Kindern einiges bietet und voller Leben ist, eine kleine stille Neubauidylle um einen kleinen Tümpel herum. Wir kommen wegen hoher Zäune von dieser Seite nicht heran und folgen unserem ursprünglichen Vorhaben, die "Bärensiedlung" entlang der Oberlandstraße zu besuchen (1).

Die Häuser der Bärensiedlung sind unspektakulär, es sind 900 Wohnungen, die ab 1929 von einer Wilmersdorfer Heimstätten-Baugesellschaft errichtet wurden. Die Innenseiten der Häuser hat man heutzutage mit zusätzlichen Balkons versehen. Das Gesamtensemble (Oberlandgarten, Germaniagarten) steht als Gartendenkmal unter Schutz wegen seiner Wohnhöfe, Grünanlagen und Brunnen. Entworfen hat diesen Innenpark der Wilmersdorfer Gartenarchitekt Richard Thieme, der seit 1903 die Wilmersdorfer Gartenverwaltung leitete. An der Vielzahl der von ihm gestalteten Parks kann man ermessen, dass er für Wilmersdorf eine ähnliche Bedeutung hatte wie Erwin Barth für Charlottenburg: Thieme schuf den Volkspark Wilmersdorf, Preußenplatz, Prager Platz, Rankeplatz, Hohenzollern- und Ludwigkirchplatz, Olivaer Platz. Standen zu Anfang landschaftliche oder geometrische Formen im Mittelpunkt, waren es also Plätze zum Ansehen, so entwickelte er bald Plätze zum Aufenthalt, bei denen die Nutzung im Vordergrund steht, eine Entwicklung parallel zur Demokratisierung der Städte.

Unter den Nazis konnte er seine Arbeit so nicht fortsetzen. Das wird der Grund dafür sein, dass sein Name weitgehend in Vergessenheit geriet. Nach seinem Nachlass, ja selbst nach einem Foto sucht ein Biograph schon seit Monaten im Internet, ohne eine Antwort zu bekommen.

Auf der Suche nach dem namengebenden Bären frage ich einen älteren Bewohner, der gerade seinen Hund ausführt, nach einem Bärenbrunnen oder Bärendenkmal. Er macht einen wachen und interessierten Eindruck, wohnt schon seit Jahrzehnten in der Siedlung, weist uns auf das geschlossene Krankenhaus hin, aber mit dem Bären kann er nichts anfangen. Und tatsächlich: den Bärenbrunnen gibt es nur noch ohne Bären als steinernes Rund. Dafür stehen wir bald vor der Pforte des Krankenhauses, an der selbst auf Türkisch ein Schild "Geschlossen" verkündet.

Getroffen haben wir den Bewohner im Oberlandpark, der zusätzlich zu den großzügigen grünen Innenhöfen der Bärensiedlung eine Ruhe und Beschaulichkeit ausstrahlt, die man an der Oberlandstraße nicht unbedingt vermuten würde. Was uns fehlt ist ein Lokal, vielleicht ein einfacher Italiener, in dem man nett sitzen und vernünftig essen kann. So fahren wir bis zur Bergmannstraße in Kreuzberg, um uns bei einem Inder nach unserem heutigen Rundgang zu stärken.

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(1) Im März 2015 waren wir noch einmal in der Bärensiedlung, im Industriequartier Oberlandstraße/Teilestraße und am ehemaligen Krankenhaus Mariendorfer Weg:
Ein Mohr wird weggezaubert

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Ein Bauverlangen ohnegleichen
Sein größter Sieg war nicht die Liebe