Bezirke
  ALLE ZIELE     Personen     Themen     Aktuell     Forum  
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Lichtenberg
Marzahn-Hellersdorf
Mitte
Neukölln
Pankow
Reinickendorf
Spandau
Steglitz-Zehlendorf
Tempelhof-Schöneberg
Treptow-Köpenick
Allgemein:
Startseite
Ich bin NEU hier
Hinweise
Kontakt
Impressum
Links
SUCHEN
Sitemap

Grab-Wohngemeinschaften auf dem Heidefriedhof



Stadtbezirk: Tempelhof
Bereich: Mariendorf
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt-Mariendorf
Datum: 6. Oktober 2008

Was fällt dem Berliner zu "Mariendorf" ein? Die Trabrennbahn, der Volkspark, das Gaswerk, die Industriegebiete an der Rathausstraße/Großbeerenstraße und Daimlerstraße. Mariendorf als Dorf ist vergessen, verschwunden, untergegangen im Verkehr, verstädtert. Dieser Eindruck drängt sich auf, als wir in Alt-Mariendorf aus der U-Bahn steigen, die Adressen aus der Berliner Denkmalliste in der Hand, auf der Suche nach den Erinnerungen an die Vergangenheit. Vielleicht liegt es daran, dass wir vor einer Woche mit Heiligensee ein in seiner Wirkung intaktes Dorf erwandert haben und uns hier wie früher in Buckow erst innerlich vom Straßenverkehr befreien müssen,

Alt-Mariendorf liegt zwischen zwei wichtigen parallelen Nord-Süd-Straßen nach Zossen/Dresden (B 96) und Luckenwalde/Meißen (B 101). Beide haben eine Querverbindung, die das Dorf durchschneidet, über zwei Parallelstraßen, die jeweils in einer Richtung als Einbahnstraßen ausgewiesen sind. Es ist ein Parallelogramm von Hauptverkehrsadern, das auf einer Berliner Übersichtskarte sofort ins Auge fällt. Wie man sich hier als Bewohner oder als Flaneur fühlt, bedarf wohl keiner weiteren Beschreibung.

Wenn man am Mariendorfer Damm auf den Bus wartet, sieht man die alte Dorfkirche, die aussieht, "als ob bei einem Spielzeugwürfel aus dem Turm das Schiff, aus dem Schiff der Chorraum und aus diesem die Apsis herausgezogen sei" --> (1). Die Kirche ist fast 800 Jahre alt. Früher war der Kirchenvorraum zum Innenraum hin zugemauert, das heutige Hauptportal verschlossen, was wohl daran lag, dass man die Kirchenbesucher vor herabfallenden Glocken oder Teilen der Turmuhr schützen musste --> (2).

Drei Friedhöfe gehören zu dieser Kirche, die Erweiterungen waren immer zu kurz gedacht. Der dritte ist der Heidefriedhof (benannt nach den Heidekrautpflanzungen), 1951 als Landschaftspark angelegt, fünfmal so groß wie der zweite Gemeindekirchhof, Und ehe durch anonyme Bestattungen die Friedhöfe irgendwann weitgehend überflüssig und die Gärtner arbeitslos werden, haben die Berliner Friedhofsgärtner eine neue Marketingidee entwickelt. Kollektive Bestattungen in Ruhegemeinschaften ("Grab-WGs") sollen eine kostengünstige Alternative zur anonymen Urnenbeisetzung sein, 20 bis 40 Urnen werden auf einer Gemeinschaftsfläche beigesetzt, die Namen auf einer Grabplatte für alle eingemeißelt. Fünf Friedhöfe haben bereits Ruhegemeinschaften (Eythstraße Schöneberg, Heidefriedhof Mariendorf, Parkfriedhof Lichterfelde, Friedhof Berstraße Steglitz, Friedhof Onkel-Tom-Straße Zehlendorf).

Dass man das mit dem Sterben aktiv angehen kann, sehen wir an einer Kneipe am Mariendorfer Damm, die direkt neben einem Bestattungshaus aufgemacht hat und "Sargnagel" heißt. Na dann Prost!

Bei unserem Rundgang Alt-Mariendorf, Friedenstraße, Reußeckstraße sehen wir die noch aus der dörflichen Zeit vorhandenen Bauernhäuser und Bürgerhäuser. Das Heimatmuseum ist in einem alten Schulhaus untergebracht. In dem Industriegelände an der Großbeerenstraße steht verlassen das bescheidene Eingangsgebäude der Siemens Maschinen- und Elektrofabrik, die längst wie andere Industriefirmen diese Gegend verlassen hat.

Direkt am südlichen U-Bahneingang finden wir das "Mundo", ein spanisch-mexikanisches Restaurant, das wir in dieser Klasse hier nicht erwartet hatten, Kompliment für gutes Essen und aufmerksame Bedienung (apropos, im Gästebuch wird nachgefragt, ob "die total süße, schwarzhaarige und sehr nette Bedienung" schon vergeben ist).

-----------------------------------
(1) Diese Beschreibung der Spielzeugwürfel steht auf der Homepage der ev. Kirchengemeinde Mariendorf
(2) Zugemauerter Kirchenvorraum wie in den Kirchen von Buckow, Wartenberg (nahe Weißensee) und Waltersdorf als Schutz der Kirchenbesucher

.............................................
Hierzu gibt es einen Forumsbeitrag
Templhof, Alt Mariendorf (6.10.2008)





Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Nachdenkliches an der Stundensäule
Ein Bauverlangen ohnegleichen