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Fleischbeschau an der Landsberger Allee


Stadtteil: Prenzlauer Berg
Bereich: Landsberger Allee, Alter Schlachthof
Stadtplanaufruf: Berlin, Walter-Friedländer-Straße
Datum: 17. Mai 2004

An der Landsberger Allee gibt es einen alten Schlachthof, dessen Areal als modernes Wohngebiet umgestaltet wird. Die Muster-Lofts in dem einen alten Bau wirken noch etwas verloren neben all den zugemauerten Fenstern, aber der Park ist am Abend Treffpunkt aller Hundebesitzer der Gegend, und auch Kinderwagen kann man hier sehen. Ein Turm ist im Park von der alten Bebauung übrig geblieben und zeigt sich stolz mit zwei kräftigen Orange-Tönen. Davor spielen zwei junge Männer Boule.

Die Schlachthof-Fassade an der Landsberger Allee zeigt noch einen Rinderkopf in einem Medaillon an der Fassade. Hier befand sich 110 Jahre lang seit 1881 Berlins größtes städtisches Schlachthaus (1). Vorher zu der Zeit, als die Abwässer ungeklärt über die Rinnsteine Berlins flossen, wurde das Schlachtvieh über die Straßen der Stadt getrieben. Seit 1726 gab es drei kommunale Schlachthäuser auf Pfahlbauten an der Spree, die ihre Schlachtabfälle in den Fluss entsorgten. Bis zu 250 private Schlachthäuser bildeten ein weiteres Hygiene-Problem, so dass die Stadt sich auf Drängen von Rudolf Virchow entschloss, Vieh und Fleisch zu kontrollieren, einen "Centralen Vieh- und Schlachthof" zu errichten und private Schlachthäuser durch ein Schlachtzwanggesetz zu verbieten. Dazu musste das weit vor den Toren der Stadt liegende Gelände an der Landsberger Allee eingemeindet werden, um der Stadt die Zuständigkeit zu geben.

Den von dem Eisenbahnkönig Strousberg (2) an der Brunnenstraße 1870 errichteten Viehmarkt (3) kaufte die Stadt nicht, sondern baute Schlachthäuser, Verkaufshallen, Verwaltungsgebäude und ein Börsengebäude an der Ringbahn, entworfen vom Stadtbaurat Hermann Blankenstein (4). Die Rinderauktionshalle ist eine der größten überdachten Eisenkonstruktionen Berlins, ihre 320 gusseisernen Säulen stehen in einem 212 Meter langen und 72 Meter breiten Bauwerk, einer Klinker-Stahl-Glaskonstruktion.

Über die Gleise und Rampen des Viehbahnhofs neben der Ringbahn wurden die Tiere abgeladen und von Tierärzten untersucht. Viehtreiber, die die Tiere nach der Fleischbeschau vom Viehbahnhof in die Ställe trieben und dabei oft äußerst brutal mit Stöcken auf sie einschlugen, waren die eigentlichen Könige des Schlachthofs. Neben 400 Viehtreibern und 300 Fleischbeschauern waren an Markttagen 1700 Fleischer- und Viehhändler auf dem Gelände. Beginn und Ende des Marktes wurden durch eine Flagge angezeigt, die am Marktgebäude gehisst wurde.

Gegenüber der Bahnlinie eine Investitionsruine aus moderner Nachwende-Zeit: Beton und leere Fenster, die stolzen Fahnenmasten bleiben leer.

Passt ceylonesische Küche zum Berliner Schlachthaus-Loft ? Egal, wir verwöhnen uns auf der Rückfahrt am Prenzlauer Berg mit fein zubereitetem Currygericht.

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(1) Mehr zum Schlachthof und seine Nachnutzung: Schlachthof
(2) Mehr über Bethel Henry Strousberg: Strousberg, Eisenbahnkönig
(3) Das Schlachthofgelände an der Brunnenstraße wurde später von der AEG genutzt: Wandernde Friedhöfe und Fabriken
(4) Mehr über Stadtbaurat Hermann Blankenstein: Blankenstein, Hermann Stadtbaurat

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Engländer von Gas umgeben
höchstselbst mit Biersuppe aufgezogen