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Rote Häuserfront im Gutshof Britz




Stadtbezirk: Neukölln
Bereich: Hufeisensiedlung
Stadtplanaufruf: Berlin, Dörchläuchtingstraße
Datum: 21. Juli 2008

Als Bruno Taut die Tuschkastensiedlung schuf, da übte er noch ? Zumindest war die Gartenstadt Falkenberg 1913 sein erstes großes Siedlungsprojekt, eine Gartenstadt mit geplanten 1.500 Häusern, von denen aber nur 90 gebaut wurden. 1925 erarbeitete er mit dem Stadtbaurat Martin Wagner zusammen einen Bebauungsplan für die Ländereien des von der Stadt übernommenen Rittergutes Britz für mehr als 1.000 Wohnungen und baute ab 1926 hier die Hufeisensiedlung. Neben der Farbe als eigenem architektonischen Element (wie bei der Tuschkastensiedlung) wurden Sprossenfenster, Klinkerverblendungen an den Gebäudeecken, und wechselnde Glatt- und Rauputzflächen als einfache, aber effektive Gestaltungsmittel eingesetzt. Hier wurde günstiger und hochwertiger Wohnraum mit guter Verkehrserschließung geschaffen, anstelle einer Gartensiedlung entstand großflächiger Siedlungsbau mit dem Hufeisen als Mittelpunkt, zweigeschossigen Einfamilienhauszeilen mit Gärten in den umgebenden Straßen und dreigeschossigen Bauten am Rand.

Damit wurde der Wohnungsnot nach Ende des 1.Weltkrieges Rechnung getragen, eine Einzimmerwohnung mit Küche galt damals erst ab 5 Bewohnern als überbelegt. Baugenossenschaften wurden gegründet, Großsiedlungen mit hoher Wohndichte und besseren Wohnbedingungen wurden durch die 1925 novellierte Bauordnung von Groß-Berlin möglich.

Industrielle Arbeitsmethoden und die Typisierung der Bauten sollten das Bauen wirtschaftlicher machen, es gibt z.B. im Umfeld des Hufeisens nur 5 Meter und 6 Meter breite Einfamilien-Reihenhäuser. Die Wohnflächen im Hufeisen lagen bei 49 qm für eine Einzimmerwohnung und bei 67 qm für eine Zweieinhalbzimmerwohnung. Um sich von den traditionellen Bauten mit verspielten und romantisierenden Elementen an der Straße gegenüber der Hufeisenöffnung abzusetzen, ergänzte Taut die Straßenrandbebauung neben dem Hufeisen durch ein Gebäude mit massiver Fassade mit nur wenigen schmalen Lücken und turmartigen Treppenhäusern als "Schutzmauer", das wegen seiner Farbe "Rote Front" genannt wird.

Nachdem wir in der letzten Woche die Tuschkastensiedlung besucht haben, lag wegen des gemeinsamen Unesco-Weltkulturerbes die Fahrt zur Parchimer Allee nahe. Südlich der Parchimer Allee hat Bruno Taut ab 1930 Bauten mit kubischen Proportionen errichtet, die den Übergang zu den städtischen Größenordnungen herstellen. Wir gehen durch die Dörchläuchtingstraße, die einen Roman von Fritz Reuter in plattdeutschen Namen führt. Die Menschen, die hier wohnen, sind arm dran, wenn sie den Namen ihrer Straße aussprechen oder weitergeben wollen, sie sind doch keine Spitzmaulfrösche. Da ist der Geburtsort des Dichters - Stavenhagen - schon eher für eine Straßenbenennung geeignet. Auch in diese Straße kommen wir und bewundern den von Martin Wagner entworfenen den Wohnblock mit den ausschwingenden Treppenhäusern.

Auch wenn es sich um eine Großsiedlung handelt, ist doch der den Bereich kreuzende Grünzug und die Teichkette in den Bebauungsplan einbezogen worden. Das Hufeisen gruppiert sich um einen Pfuhl und grünen Innenbereich mit Bäumen, Sträuchern und Hecken. Der "Eierteich" und der Fennpfuhl sind weitere von kleinen Parks umgebene Teiche.

Nur eine kulinarische Mindestausstattung können wir nicht entdecken. So steigen wir auf dem Heimweg am Südstern aus der U-Bahn und lassen uns beim Italiener nach längerem Warten dann doch verwöhnen.



Die Hufeisensiedlung

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