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Landreiter, Hasenheger und Wildmeister


Stadtteil: Neukölln
Bereich: Buckow
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt Buckow
Datum: 4. August 2008

Buckow - was hat die Stadt aus diesem Dorf gemacht! Alles ist noch vorhanden: Kirche und Kirchhof, Dorfteich und Windmühle, Gasthof und Schule, ein märkischer Vierseithof, Häuser der Großbauern und Kossäten (Kleinbauern), aber gesichtslos an den Rand gedrängt durch Ausfallstraßen, die das Dorf in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung durchschneiden.

Im Nachbardorf Britz ist das sehr viel besser gelaufen: der Gutsbesitzer Graf von Hertzberg hatte bereits Ende des 18. Jahrhunderts das Dorf mit der heutigen Straße Alt-Britz vom Durchgangsverkehr befreit und die Straße alleeartig ausgebaut.

Es ist nur die Verkehrsführung, die einen Dorfkern rettet, indem sie um ihn herumführt (wie z.B. ausgerechnet in Marzahn, wo man es am wenigsten vermuten würde) oder ihn unkenntlich macht und zerstört, indem sie ihn benutzt, wie hier in Buckow. Ich bin oft hier mit dem Auto durchgefahren, erst als Fußgänger erkenne ich jetzt den dörflichen Zusammenhang.

Da sind sie noch, die Namen der Buckower Bauern- und Handwerkerfamilien, auf den Straßenschildern unterhalb der Johannistaler Chaussee: Kesten, Haewerer, Bernt, Hogenest, Großcreutz, Rensch. Doch es sind nur historische Reminiszenzen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Die Bebauung hat in diesen Straßen nichts dörfliches, aber auch nichts städtisches, sie ist ein gesichtsloses Mischmasch kleiner und größerer Häuser, denen es an der Phantasie fehlt, ein Stadtbild zu prägen.

Eine weitere Serie von Straßennamen benennt historische Berufe aus der Zeit, als Buckow noch ein Dorf war: Landreiter (Bote, Überbringer von Nachrichten), Hasenheger (kurfürstliches Aufsichtspersonal über den Wildbestand in der Hasenheide), Heideläufer und Wildmeister (beides Förster), Landschöppe (Richter).

Das Dorf hatte 1375 bereits einen Krug und eine Mühle, 1624 kam eine Schmiede hinzu. 1858 gab es hier mehrere Handwerker, die wahrscheinlich auch durch das Fernstraßenkreuz Buckow angezogen wurden: Sattler, Stellmacher, Schuhmacher, Bäcker, Konditor, Schneider. Das Dorf hatte keinen Gutsherrn, aber mehrere Großbauern, in Alt Buckow 37 ist z.B. ein gutshausähnliches Gebäude eines Großbauern erhalten. Der dörfliche Charakter mit Fachwerkbauten hielt sich bis zum Beginn des 20.Jahrhunderts, zeitgleich mit der Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 war es damit vorbei.

Die Dorfkirche aus dem 13.Jahrhundert ist eine der ältesten Berlins. Sie wurde aus Feldsteinen errichtet, mit ihren kleinen Fenstern und dem massiven quadratischen Torturm wirkt sie trutzig wie eine Festung. Reste der mittelalterlichen Ausmalung im Innern zeigen unter anderem eine Abendmahlsszene. An der Kirche befindet sich auch der Friedhof mit alten Grabsteinen aus der dörflichen Zeit.

Die Mühle (Holländer-Windmühle von 1865) und das Wohnhaus des Müllers stehen im Norden des Dorfes am Buckower Damm. Eigentlich ist es die Buckower Mühle, aber als "Britzer Mühle" inmitten des "Britzer Gartens", dem Gelände der Bundesgartenschau, hat sie von der Benennung her das Dorf gewechselt. Heute spielt das keine Rolle mehr, ist ja alles Neukölln und damit Berlin.

Unseren Rundgang beenden wir an dieser Mühle und in der Gaststätte gleichen Namens. Es gibt eine extra Pfifferlingskarte, hier weiß man, was Saison hat und bringt es wohlschmeckend auf den Teller. Da auch noch eine Bushaltestelle vor der Tür ist, ist der Rückweg zur U-Bahn Hermannstraße sehr bequem.

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Rote Häuserfront im Gutshof Britz
Sein oder Haben-Wollen