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Berlin umgehen


Stadtbezirk: Neukölln
Bereich: Rudow
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt-Rudow
Datum: 29. September 2010

Berlin umgehen - dieser Aufgabe mussten sich mehrere Generationen von Eisenbahnplanern stellen. Die ersten Bahnlinien verließen Berlin strahlenförmig und endeten in der Stadt in Kopfbahnhöfen, ihre Verbindung mit der Ringbahn war ein großes innerstädtisches Verkehrsprojekt. Ein Außenring an der Innenstadt vorbei war der nächste Schritt. Um das Stadtgebiet zu umgehen, wurde ab 1894 die „Umgehungsbahn“ gebaut, die von Oranienburg nach Jüterbog im Westen an Berlin vorbei führte. Jüterbog war damals der Endpunkt der Militäreisenbahn, die von Schöneberg zu den Schießplätzen und Militäranlagen führte.

Anfang des 20.Jahrhunderts begann man dann, einen zweiten Ring außerhalb des Stadtgebiets um Berlin zu legen, weil man die Stadt vom Güterverkehr entlasten wollte. 1938 wurde ein Teil dieses „Güteraußenrings“ südlich von Berlin gebaut, wobei die Trasse zwischen Berliner und Brandenburger Gebiet hin und her wechselte. Die Grenze spielte dabei keine Rolle, entscheidend war ein optimaler Trassenverlauf. Wegen des Zweiten Weltkriegs wurde der Güteraußenring nicht vollendet.

Im Oktober 1952 berichtete der "Spiegel", dass die DDR mit Hochdruck an einer Umgehungsbahn um West-Berlin arbeitete, dem „Berliner Außenring“ (vom Spiegel als "Abschnürungsbahn" tituliert). Mit diesem Bahnring um West-Berlin wollte man den DDR-Eisenbahnverkehr aus dem Westteil der Stadt heraushalten, so wie seit Mai 1952 auch schon die Regionalzüge aus Brandenburg nicht mehr bis zum West-Berliner Bahnhof Wannsee fuhren, sondern am DDR-Bahnhof Drewitz. Nach der Trennung der Telefonnetze in Berlin und dem Einreiseverbot für West-Berliner in die DDR außerhalb Ost-Berlins war dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Isolierung West- Berlins, die dann im Mauerbau ihren Höhepunkt fand. In den Berliner Außenring wurden teilweise Trassen des unvollendeten Güteraußenrings einbezogen. Soweit diese Trasse auch auf West-Berliner Gebiet wechselte, war sie aber für die DDR nutzlos, ihre Brücken blieben als Betonruinen in der Landschaft stehen.

Heute freuen sich die Kletterer darüber, an der Waltersdorfer Chaussee solche Überreste zu besteigen. Am Rudower Fließ steht ein weiterer Betonrest in der Landschaft. Das Rudower Fließ liegt auf dem heutigen Weg unserer Dörferwanderung nach Alt-Rudow. Bis zu dem Brückenrest, dem Drei-Dörfer-Blick und der Rudower Höhe kommen wir allerdings nicht, sondern konzentrieren uns auf den alten Dorfkern und das Fließ bis zur Groß-Ziethener Chaussee.

Die nördliche Verlängerung der Waltersdorfer Chaussee führte direkt in die Straße Alt-Rudow, in den Kern des ehemaligen Dorfes. Bei dieser Verkehrsführung wäre heute das Dorf Rudow von einer Verkehrsader zerschnitten, so wie es Buckow und anderen Dörfern ergangen ist. Glücklicherweise wurde die Waltersdorfer verschwenkt und in die Neuköllner Straße geleitet, so dass nur Anliegerverkehr den historischen Dorfkrug, die Schule und mehrere Bauernhäuser erreicht.

Der Grundriss des Dorfes wird durch die zwei Parallelstraßen Alt-Rudow und Prierosser Straße gebildet, die in H-Form durch die Köpenicker Straße verbunden werden. Man vermutet, dass hier mehrere Siedlungskerne zusammen gewachsen sind. In der Prierosser 48 steht in unscheinbarem grau der Rest des Lustschlosses Rudow, das 1704 in heute missverständlicher Sprache zu den "vornehmsten Lusthäusern des Königs" gehörte, tatsächlich aber Teil einer Gutsanlage war. Nur ein Medaillon am grauen Hausputz lässt noch die Assoziation zu, dass dieser Bau eine interessante Vergangenheit hatte. Die Dorfkirche an der Köpenicker Straße versteckt sich hinter hohen Bäumen, aber der Gemeindefriedhof hinter dem Selgenauer Weg zeigt sich zugänglicher.

Nach einem ausgiebigen Schlenker zum Rudower Fließ kehren wir in die Köpenicker Straße zurück. Das Dorf gibt sich sehr italophil und so trägt das Restaurant, das wir abschließend besuchen, den Namen einer bevorzugten italienischen Landschaft, in der nicht nur Otto Schily und Klaus Wagenbach eine Sommerresidenz besitzen. Dieser Name steht für genussfreudigen Lebensstil, mein bescheidenes "Heu und Stroh" jedenfalls schmeckt mir vorzüglich und auch mein Mitflaneur ist mit seinen Tagliatelle Cantarelli zufrieden. Bedienung unauffällig gut, Essen prima, auch aus diesem Grunde hat sich die Fahrt an die südliche Stadtgrenze gelohnt.
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Die Militäreisenbahn nach Jüterbog
Bei der Ballonfahrt ohnmächtig geworden

Das blieb vom Dorf Buckow
Landreiter, Hasenheger und Wildmeister


Wenn's bei der Feuerwehr brennt
Schmerz für Minuten - Sieg für Jahre