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Die Magie der Nacht - die Stadt im Tiefschlaf


Stadtteile: Mitte, Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Steglitz
Datum: 21. März 2015
Bildergalerie: 36x menschenleeres Berlin

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+ JUBILÄUM: Bericht Nr: 500 +
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Die Nacht zum Tag machen, flanieren, wenn die Stadt schläft. - Wir haben 499mal dem Pulsschlag der bewegten Stadt tagsüber nachgespürt, haben ihn mal schwächer, mal stärker erlebt, je nachdem, wann und wo wir unterwegs waren. Bei unserem 500.Spaziergang gehen wir diesmal auf menschenleeren Straßen. Das Antlitz der Stadt ist schwarz-weiß, vielleicht mit einem leichten Hauch von Sepia wie bei einer alten Postkarte, wenn Laternen und künstliche Beleuchtung diese Tönung erzeugen.

Die Zeiten, in denen die Nacht Nacht war und der Tag Tag, sind seit mehreren hundert Jahren vorbei. Der Große Kürfürst wollte seine Residenzstadt vorzeigen können im Wettbewerb mit Paris, London und anderen europäischen Städten, die bereits über Straßenbeleuchtung verfügten. Deshalb ordnete er 1678 an, die Straßen zu beleuchten.

Dagegen erhob sich Protest. Es sei ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung, dass man die Nacht zum Tage mache. Schließlich erzeuge die Finsternis ein Grauen, das die Schwachen von der Sünde abhalte - damit wäre es dann vorbei. Das Licht in der Nacht würde den Zechern den Heimweg erleuchten. Das künstliche Licht mache die Pferde scheu und die Diebe kühn. Nicht zu vergessen die Sittlichkeit - Paare könnten verkuppelt werden, Dirnen könnten auch nachts Freier finden. Die Beleuchtung wirke sich nachteilig auf die Gesundheit schwach-leibiger oder zartnerviger Personen aus, könne ihnen Krankheiten "auf den Hals ziehen".

Aber die Straßenbeleuchtung kam trotzdem. Der Große Kurfürst scherte sich nicht um die Widerrede und ordnete an, an jedem dritten Haus eine Laterne herauszuhängen und "von den Nachbarn abwechselnd besorgen zu lassen". Doch die Bürger widersetzten sich insgeheim, hängten keine Laternen heraus, zündeten nicht mit der gebotenen Hingabe die Lichter an oder pflegten die Laternen nicht. So schuf der Regent den Beruf des Laternenanzünders, geregelt in der „Ordnung vom Anstecken und Brennen der Lampen auf den Strassen der Residenzstadt". Ein „Inspector der Stadt-Leuchten“ bestimmte, wie die Lampen-Versorger und die Lampen-Anstecker ihren Dienst zu verrichten hatten. Bald wurde die Unterhaltung der Laternen an einen Entrepreneur (Unternehmer) verpachtet. Doch Beschädigungen und Diebereien blieben an der Tagesordnung.



Es dauerte lange, bis die erste Gaslaterne (1826) brannte und die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt wurde (1884). Als man Laternen durch Fernzündung von der Zentrale aus anzünden konnte, wurde der Laternenanzünder überflüssig (1925), dafür saß jetzt ein Schaltwärter vor einem Steuerpult. Im Umspannwerk Scharnhorst ist der ungewöhnliche Arbeitsplatz eines Schaltwärters erhalten geblieben. Auf dem Dach des Umspannwerks erhebt sich eine gläserne Lichtwarte, die es ermöglichte, die Helligkeit auf den Straßen von Berlins Mitte ständig zu beobachten und hiernach die Straßenlaternen zu schalten. Damals gab es noch keine Hochhäuser, die Türme der Kirchen und Rathäuser waren die höchsten Gebäude, an ihnen wurde der Schaltzeitpunkt „abgelesen“.

Doch auch der Schaltwärter fiel dem technischen Fortschritt zum Opfer. Stattdessen gibt es automatische Dämmerungsschalter, die an ausgewählten Orten die Lichtstärke messen. Und man testet interaktive Straßenbeleuchtungen, die spät nachts nur auf Anforderung eingeschaltet werden. Wer bei Licht nach Hause kommen möchte, schickt eine SMS an die Stadtwerke, dadurch wird eine Schaltung ausgelöst und schon geht das Licht an, selbstverständlich gegen Bezahlung.

Berlin hat 2011 ein wegweisendes Lichtkonzept für die Stadt beschlossen. Kosten sparen, die Umwelt entlasten, und auch noch eine schöne Lichtstimmung erzeugen, das war die Idee, doch die Ausführung lässt auf sich warten. Welche schöne Lichtstimmung auf dem Antlitz der Stadt liegt, wenn sie tief schläft, das können Sie heute in unseren Bildern sehen.

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Die Spuren sind verweht
Der volle Ernst