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Ostkreuz - Richtung Westkreuz


Stadtteil: Friedrichshain
Bereich: Ostkreuz, Markgrafendamm, Rudolfstraße
Stadtplanaufruf: Berlin, Laskerstraße
Datum: 25.März 2008

Der Bahnhof Ostkreuz, ein verwirrendes System sich kreuzender, tangential berührender oder jegliche Verbindung vermeidender Bahnlinien soll in ein echtes Bahnkreuz umgebaut werden, das den Namen Ostkreuz verdient (1). Die Planung läuft seit vielen Jahren, und auch die Ausführung ist nicht ohne Verzögerungen. Wir fahren von Friedrichstraße aus nicht mit der S-Bahn nach Schönefeld hierher, weil diese in einer Kurve vorbeifährt, sondern nehmen einen Zug nach Strausberg Nord, der am Ostkreuz hält.

"Ostkreuz" steht auf dem Stationsschild und "Richtung Westkreuz" auf dem alten Fahrtrichtungsanzeiger, der nach dem Umbau nicht nur die Richtung sondern auch das echte Ziel anzeigen wird, aber das wird wohl erst in ein paar Jahren sein. Bis auf Abrissarbeiten und eine provisorische Fußgängerbrücke sehen wir wenig Veränderungen seit unserem letzten Besuch.

Umspannwerk Markgrafendamm
Das Umspannwerk Markgrafendamm ist das eigentliche Ziel der Fahrt. Es schmiegt sich an die Gleise an, fällt aber mit seinen vertikal gliedernden Fassadenbändern aus Ziegelsteinen sofort als Industriebau des ersten Drittels des 20.Jahrhunderts ins Auge. Geschaffen hat diesen Bau Richard Brademann (2), der Hausarchitekt der S-Bahn, er war für die S-Bahn andeutungsweise das, was Grenander für die U-Bahn war. Stellwerke, Wagenhallen und S-Bahnhöfe wie Westkreuz, Wannsee, Feuerbachstraße, Potsdamer Platz und Unter den Linden hat Brademann entworfen.

Im Dritten Reich denunzierte Brademann, der bereits 1931 in die NSDAP eingetreten war, pauschal jüdische und kommunistische Mitarbeiter, musste sich dann aber selbst wegen jüdischer Vorfahren in Acht nehmen.

Das Umspannwerk ist noch heute in Betrieb, hier wird Drehstrom von 30.000 Volt in Gleichstrom von 800 Volt umgewandelt. Bei einem spektakulären Stromausfall der S-Bahn 2000 blieb das Werk Markgrafendamm zwar am Netz, konnte die ausgefallenen Stromlieferungen anderer Berliner Werke aber nicht kompensieren.

Über die Laskerstraße und Persiusstraße steuern wir auf das Pumpwerk Rudolfstraße (3) zu, unser nächstes Ziel aus dem Zeitalter der Moderne. Eine Buchstabengruppe steht als Metallskulptur am Wegesrand. Sie stammt von Hüseyin Arda, der sein Atelier im Tacheles hat und dessen temporäre Kunstwerke auch an anderen Stellen in der Stadt zu sehen waren (4).

Umspannwerk Rudolfplatz
Unerwartet entdecken wir am Rudolfplatz ein Umspannwerk, das ich bisher in keinem Verzeichnissen der Bewag-Umspannwerke gefunden habe. Es wird nicht dem Bewag-Hausarchitekten Hans-Heinrich Müller zugeschrieben, sondern anonym nur der Bauabteilung der Berliner Electricitäts-Werke. Enge hohe Fensterschlitze der oberen Geschosse deuten aber schon auf die markanten himmelstrebenden Linien späterer Umspannwerke mit der typischen märkischen Backsteingotik hin. Der vom Kraftwerk Oberspree kommende 6000-Volt-Drehstrom wurde hier zur lokalen Versorgung auf 110 Volt Gleichstrom transformiert. Heute befindet sich das Vattenfall-Archiv in diesem Bau.

Pumpwerk Rudolfstraße
Ein weiteres Baudenkmal jener Zeit ist das Pumpwerk in der Rudolfstraße. Es wurde 1892 in Betrieb genommen und arbeitet bis heute als Pumpwerk. Unvorstellbar, dass bis 1863 alle Abwässer oberirdisch über die Rinnsteine durch die Straßen flossen, die ganze Stadt war eine Ekel erregende Kloake. Bis 1863 flossen alle Abwässer oberirdisch über die Rinnsteine durch die Straßen, wo blieb der Schmutz beim Betreten der Häuser? Die Kriebsteiner Papierfabrik Kübler & Niethammer verpflichtete z.B. in ihren "Allgemeinen Ordnungs-Regeln" das Arbeitspersonal: "Wenn die Straßen kothig sind ..., so hat Jeder bei ... Strafe seine ... Schuhe oder Stiefel an den bei den Eingängen angebrachten Kotheisen abzuwischen". Die Errichtung von Wasserwerken ab 1856 erfolgte zunächst hauptsächlich zu dem Zweck, die Rinnsteine zu spülen. Die Erbauer mussten Abgaben an einen "Kloakenfonds" leisten und kostenlos genügend Wasser für die Spülung der Rinnsteine zur Verfügung stellen. Erst der durch die Trinkwasserversorgung und die Wasserspülung von Toiletten steigende Wasserverbrauch bewirkte, dass man über moderne Entwässerungsmethoden nachdachte.

Radialsystem
James Hobrecht, der auch einen Bebauungsplan für die Straßenverläufe von Berlin und Umgebung aufgestellt hat, entwarf 1869 den Gesamtplan für die Berliner Kanalisation. 12 Pumpwerke brachten in einem "Radialsystem" die in unterirdischen Kanälen gesammelten Abwässer auf Rieselfelder außerhalb der Stadt. Viele dieser Pumpwerke stehen heute noch, das Lapidarium am Halleschen Ufer und das zum Veranstaltungsort "Radialsystem" umgebaute ehemalige Pumpwerk an der Holzmarktstraße sind sicher die bekanntesten.

Das Pumpwerk in der Rudolfstraße zeigt sein Innenleben stolz durch eine von der Straße einsehbare Fensterfront. Zwei Zwillingskolbenpumpen der Firma Borsig aus dem Jahre 1933 sind noch heute voll einsatzfähig.

Über die Oberbaumbrücke führt unser Rundgang zum Schlesischen Tor, wo wir uns mit Pasta stärken, bevor wir mit der U-Bahn den Heimweg antreten.

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(1) Mehr über Ostkreuz: Ostkreuz
(2) Mehr über Richard Brademann: Brademann, Richard
(3) Mehr über Pumpwerke: Pumpwerke
(4) Eine andere Metallskulptur von Hüseyin Arda: Vor und hinter der Synagoge

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Ostkreuz
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