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Vom Kayser und von den Hohenzollern


Stadtteil: Charlottenburg-Wilmersdorf
Stadtplanaufruf: Berlin, Messedamm
Datum: 21. Februar 2005

Die S-Bahn hat schon manches Mal den Weg gekreuzt beim Flanieren in der Stadt, die Bahnhöfe Ostkreuz (1) und Nikolassee (2) kamen z.B. in früheren Berichten vor, doch heute ist es Zeit, die S-Bahn selbst zum Ziel zu wählen. Dies bietet sich an, da ich heute allein unterwegs bin, aber auch, weil die S-Bahn einen neuen Zielbahnhof ansteuert: Teltow ist von Lichterfelde-Süd aus an das Netz angeschlossen worden, allerdings nur einspurig, die Sparmaßnahmen sind irgendwie auch beschämend. Im Moment werden noch die Lokführer für die 3 km lange Strecke ausgebildet (vielleicht sollte man die S-Bahn-Freaks mit einbeziehen, Jugendliche, die jetzt schon zwei Mal ohne Ausbildung Züge gesteuert haben, der eine ist einmal komplett auf dem Ring unterwegs gewesen, bevor die Transportpolizei ihn aus dem Triebwagenkopf geholt hat, der bezahlte Fahrer stand daneben).

Ich bin zu ausgewählten Bahnhöfen auf der Ringbahn (3) unterwegs. Hier konnte man früher linksrum oder rechtsrum endlos durch Berlin fahren, inzwischen biegen manche Züge über eine Tangente ab und fahren nicht mehr endlos rundherum. Nach dem Mauerbau waren die Verhältnisse auf der S-Bahn etwas schillernd: die Westberliner S-Bahn wurde weiterhin von der DDR-Reichsbahn betrieben, ihre Transportpolizei hatte hier Hausrecht, die Gebäude in Westberlin wurden vom Westen gemanagt. In dieser Zeit wurde die S-Bahn von Westberlinern gemieden (S-Bahn-Boykott), die Bahnhöfe und Züge verkamen.

Manchem Bahnhofsgebäude wurde neues Leben eingehaucht - sei es als Disko, wie am Hohenzollerndamm, sei es als Künstlerbahnhof, wie in Westend, wo die Stipendiaten der Karl-Hofer-Gesellschaft Ateliers eingerichtet bekamen. Der Kaiser-Bahnhof, wie Westend auch hieß war in Wirklichkeit ein Kayser-Bahnhof, benannt nach dem Architekten Heinrich Kayser, die in Ziegel und Sandstein 1888 hier einen Bahnanschluss für die Villenkolonie Westend (4) schuf. Das Bahnhofsgebäude wurde nach der Wende nicht wieder für die S-Bahn zugänglich gemacht, sondern in Büros aufgeteilt. Statt dessen wurde aus Stahl und Glas ein moderner Bahnhofszugang zwischen die Gleise gesetzt, der wie ein Flugzeugterminal an das alte Gebäude andockt.

Zurück zum Bahnhof Westkreuz, den ich auf eben dem Weg vom Hohenzollerndamm nach Westend passiert habe. Kein Einsteigebahnhof, sondern ein Umsteigebahnhof. Kein oberirdisches Gebäude, nur ein Gang und bei Dunkelheit eine Leuchtstoffröhre sowie ein Schild "Westkreuz". Der Gang führt zur "Brücke", die die Gleise der Stadtbahn mit den Gleisen der Ringbahn überlagert. Als Junge bin ich mehrere Jahre lang hier täglich umgestiegen, zwischen Schule in Jungfernheide und der Wohnung gependelt. Der Zugang für Fußgänger zu diesem Knotenpunkt ist wenig weltstädtisch, weil man hier nur umsteigt und nicht ein- oder aussteigt, aber wenn man hinausblickt, wird der Blick von Funkturm und ICC angezogen.

Und der Hohenzollerndamm-Bahnhof? Er wurde 1910 durch den Königlichen Baurat Theising als dreistöckiges Nobelgebäude errichtet und beim Bau der Stadtautobahn nach dem 2. Weltkrieg seiner kunstvollen Mosaikbilder mit Burggrafen und Kurfürsten beraubt, das Gebäude wurde "etwas kürzer gemacht". Der verbliebene Aufgang ist auf meinem Bild zu sehen. Irgendwann soll auf der Straßenseite gegenüber ein weiterer Aufgang entstehen, wenn etwas mehr Geld da ist (vielleicht ein Thema für die Flaneure der nächsten Generation).

Die Metallkonstruktionen der Bahnhöfe sind mit sichtbaren Nieten verbunden. Auch bei U-Bahnhöfen hat Alfred Grenander Nieten der Metallkonstruktionen als Stilelemente eingesetzt (5).

(Die Fotos sind vom 9.9.2014)

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(1) Ostkreuz: Ostkreuz
(2) Nikolassee: Frevel gegen die Götter
(3) Ringbahn: Ringbahn
(4) Kolonie Westend: Westend
(5) Nieten als Stilelemente bei U-Bahnhöfen: Berolinas linke Wade


Kurzsichtiger Gummibär
Charlottenburger Kalksteinfelsen