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Berolinas linke Wade


Stadtteil: Mitte
Bereich: Alexanderplatz
Stadtplanaufruf: Berlin, Alexanderplatz
Datum: 30. Januar 2007

Wenn man sich "im Bahnhof Alexanderplatz" verabredet, kann man fast sicher sein, den anderen nicht zu treffen - so verzweigt sind die miteinander verbundenen Systeme von S-Bahn und drei U-Bahn-Ebenen. Wie man sich früher am Alex mit mehr Erfolg verabredet hat, lesen Sie weiter unten.

Die S-Bahn und Regionalbahn fährt auf dem Viadukt der Stadtbahn, das auf dem zugeschütteten Festungsgraben der Stadt errichtet wurde. Dieser Festungsgraben wurde nach nach dem dreißigjährigen Krieg angelegt, als die Stadt auf Geheiß des Großen Kurfürsten mit Gräben und einer Festungsanlage geschützt werden musste. Militärisch war die Festung schon bei ihrer Fertigstellung 1683 überholt, weil die weiterentwickelten Geschütze über die Wälle hinweg die Stadt beschießen konnten. Trotzdem bestand der Festungsgraben 200 Jahre, bis er 1886 mit seinen Gässchen ganzen Wohnhäusern und Industrieanlagen dem Bau der Stadtbahn weichen musste. Der Viadukt zeichnet noch heute mit seinem kurvigen Verlauf die Lage des alten Festungsgrabens nach. Der Stadtbahnhof Alexanderplatz wurde 1882 fertiggestellt. Über dem Viadukt erhebt sich eine Rundbogenhalle, die im Lauf der Verkehrsentwicklung immer wieder umgestaltet wurde. Heute gibt es sogar Ladenzeilen, die den Bahnhof nicht gerade zur Shopping-Mall machen, aber den schnellen Bedarf decken.

1913 war im Untergrund der U-Bahnhof für die heutige Linie U2 (Pankow-Ruhleben) fertiggestellt worden. 1930 folgte die heutige U8 (Herrmannstraße-Wittenau) und die Linie U5 nach Hönow. Eine weitere U-Bahn nach Weißensee wurde nie gebaut, der Plan aber auch nie aufgegeben. Die U-Bahn-Bauten wurden übereinander geschichtet: in gut 4 m Tiefe fährt die U2 nach Pankow, in knapp 7 m die U8 nach Neukölln und in 12 m Tiefe die U5 nach Hönow. Die U-Bahnhöfe liegen weit auseinander und sind durch eine unterirdische Ladenpassage verbunden, die zur Zeit noch starke Deckenschäden aufweist. Der ganze U-Bahnkomplex wurde von Alfred Grenander entworfen, dessen Name in Berlin bisher wenigen geläufig war, obwohl er die meisten U-Bahnhöfe und Stationsgebäude geplant und realisiert hat. Er war ein universeller Geist, selbst Busse und Straßenmöbel (z.B. Bänke) sind nach seinen Vorstellungen entstanden. Auf einer Bahnhofsebene sind die metallenen Träger mit geschwungenen Kapitellen versehen. Die Nieten, die die Träger zusammenhalten, sind in ihrer Anordnung in geraden Reihen oder im Zickzack manchmal von Säule zu Säule differenziert.

Nachdem der U-Bahnhof Alexanderplatz 1930 zum Umsteigebahnhof avanciert war, wurde auch eine direkte Verbindung zur S-Bahn hergestellt. Die erste auf einem Bahnhof laufende Rolltreppe hat man hier eingebaut. (Dass man zum "Rolltreppenfahren" Berlin besuchte, dürfte sich aber bald gegeben haben). Als nach dem Mauerbau die Züge der Linie U8 ohne Halt an den Ostbahnhöfen durchfuhren ("Geisterbahnhöfe"), hat die DDR den Bahnsteig am Alexanderplatz so geschickt hinter Mauern und nachgearbeiteten Fliesen verborgen, dass er fast in Vergessenheit geriet. Nach der Wende wurde dann alles wieder geöffnet. Noch heute arbeitet man an der Renovierung des U-Bahnhofs.

Aber wir sind nicht nur in den Bahnhöfen unterwegs. Zunächst gehen wir ins Galeria-Kaufhaus, um Batterien für meine Kamera zu kaufen und erfreuen uns an der Großzügigkeit der Räume und der architektonischen Ausstattung dieses wieder eröffneten Konsumtempels. Draußen auf dem Platz bietet die Dunkelheit einen guten Blick auf die einzigen beiden Bauten, die den 2.Weltkrieg hier überdauert haben und deren Bauidee heute wieder schön sichtbar wird: Peter Behrens hat das Alexanderhaus und das Berolinahaus so hingesetzt, dass sie das alte Stadttor Richtung Osten nachzeichnen. Durch die Beleuchtung an den Häuserfronten, die nach der Instandsetzung des Berolinahauses wieder komplett ist, wird das weithin sichtbar. Es handelt sich um mehr als haushohe Glastürme, die an den einander zugewandten Schmalseiten der beiden Häuser eingefügt sind und die Begrenzungspfeiler des ehemaligen Stadttores symbolisieren.

Der Platz vor dem Georgentor (nach der Krönung Friedrichs I.: Königstor) war nach dem Dreißigjährigen Krieg eine unbefestigte, unbenannte Fläche, später ein Paradeplatz und Ochsenmarkt (von den Berlinern "Ochsenplatz" genannt). 1805 erhielt er zu Ehren des russischen Zaren bei dessen Berlinbesuch den Namen Alexanderplatz. Die Berolina, eine beleibte bronzene Dame, wechselte seit ihrer Aufstellung 1885 mehrfach ihre Standfläche auf dem Platz, im 2.Weltkrieg wurde sie militärischen Zwecken zugeführt (eingeschmolzen). Angeblich haben sich die Berliner zu ihren "Lebzeiten" respektlos auf dem Alexanderplatz "an der linken Wade der Berolina" verabredet, so wie man es später an der Normaluhr am Zoo tat. Eine ganz andere Berolina der Neuzeit, von Axel Anklam als Ergebnis eines Wettbewerbs geschaffen, steht auf dem Hausvogteiplatz.

Ein Theater, das Polizeipräsidium, ein Hotel, ein Kaufhaus rahmten den Platz ein. Stadtplaner machten Vorschläge, wie der wachsende Verkehr der Weltstadt bewältigt werden kann. Der Zweite Weltkrieg schließlich verwandelte den Platz in eine große Brache, die von der DDR zu einer überdimensionierten Neuplanung verwendet wurde: aus 18.000 qm Platz wurden 80.000 qm. Nach der Wende ist der Platz weiter im werden, er ist nicht, er wird.

Bevor wir unseren Spaziergang beenden, treten wir auf dem Bürgersteig vor dem S-Bahnhof auf den für die Wasserbetriebe von einem Designer neu geschaffenen Kanaldeckel, der etwas banal die Berliner Wahrzeichen abbildet. Wir folgen auf dem Heimweg der Diercksenstraße und lassen uns beim Thailänder "Thai Inside" kulinarisch verwöhnen.

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