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Kirche und Moschee in Farbe


Stadtteil: Wilmersdorf
Bereich: Hohenzollerndamm
Stadtplanaufruf: Berlin, Brienner Straße
Datum: 13. September 2014
Bericht Nr: 478 a

Denkmaltag 2014: Kirche und Moschee in Farbe

Auch wenn dies unseren Sehgewohnheiten widerspricht: der Parthenon-Tempel auf der Akropolis war farbig, genau wie andere Tempel der Antike. Heute sieht man dort keine Farbe, sondern die klare weiße Ausstrahlung des Marmors. Das hat selbst Archäologen in die Irre geführt, die „die barbarische Sitte des Bemalens von Marmor" beklagten, nachdem sie Farbspuren auf antiken Kunstwerken gefunden hatten.

Den Farben in den Berliner Bauten und Gärten nachzuspüren, hat sich der Denkmaltag 2014 zur Aufgabe gesetzt. Die Freude, Denkmale für Besucher zu öffnen, hat aber manches Mal dazu geführt, dass das Thema "Farbe" übersehen wurde oder sich nur mühsam ein Bezug herstellen ließ. Immerhin war es so möglich, Bauten näher anzuschauen, die wir beim Flanieren nur von außen sehen konnten. In Wilmersdorf haben wir zwei Sakralbauten mit intensiver Farbigkeit angesehen, die Kreuzkirche und die Ahmadiyya Moschee.

Kreuzkirche

Drei Baukörper verbinden sich zur Kreuzkirche (1): der breite rechteckige Turm an der Straße ist mit dem achteckigen Andachtsraum durch einen niedrigeren Kreuzgang verbunden. Auch wenn man es nicht auf Anhieb sieht: Die Kirche steht in Hanglage, in der eiszeitlichen Vertiefung dahinter befindet sich die Wasserfläche eines Rückhaltebeckens. In der Fassade sind die Eisenklinker mal flächig, mal ornamental angeordnet wie bei den gedrehten Ziegelsäulen, bei Fenster- und Türumrandungen und bei Zackenfriesen. Säulenfiguren aus Keramik betonen die Ecken des Turms. Man betritt die Kirche durch den Portalvorbau in Pagodenform aus blau glasierter Keramik, einem besonderen Hingucker bei diesem ohnehin durch seine expressionistische Form und Gestaltung ungewöhnlichen Sakralbau. Als erstes steht man in dem kleinen Andachtsraum im Turm, der "Brauthalle". Deren Namen ist abgeleitet von der Aussage des Apostels Paulus, dass die Gemeinde die Braut Jesu ist. Einzelne Bögen am Anfang und am Ende des Kreuzgangs nehmen die Farben des Regenbogens auf, die Brauthalle selbst und der Kreuzgang sind gelb und rötlich wie die Sonne gefärbt.

Im Innern des Andachtsraums ist das blau des Gestühls original. Die Kirchenfenster gingen durch Bombenschäden verloren und wurden durch abstrakte Darstellungen ersetzt. Nur in den Altarnischen und in der Brauthalle sind noch ursprüngliche Fenster erhalten. Die Bemalung der Altarnische korrespondierte zu dem mehrere Meter hohen Altarkreuz aus Meißener Porzellan, das durch Kriegseinwirkung verloren ging. Der aus dem Himmel kommende Strahl der Wandbemalung endete genau über der Spitze des Kreuzes. "Zacken" und "Parabel" sind zwei geometrisch gegensätzliche Formen, die in der Gestaltung der Kirche immer wieder verwendet wurden, beispielsweise bei der Altarnische, dem Gestühl, den Fenstern, dem Kreuzgang, dem Pagodenportal, der Außenfassade.

Der Andachtsraum ist durch ein Gewölbe überspannt, das ohne Stützen auskommt. Eine demokratische Struktur, alle Plätze haben gute Sicht auf den Altar. Die Glocken werden nicht mehr geläutet, seit 2008 eine der Glocken abstürzte und durch einen Stahlträger im Turm abgefangen wurde. Dort ruht sie noch heute, denn nur durch bauliche Öffnung des Turms könnte man an die Glocken herankommen.

Ahmadiyya Moschee

Die Ahmadiyya-Moschee in Wilmersdorf ist die älteste Moschee Deutschlands. Persisch-indisch ist ihr Baustil, vielleicht sind auch Anklänge an das Taj Mahal vorhanden. Mohammed Amin al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem, "Hitlers arabischer Freund", lebte ab 1941 in Berlin und predigte in dieser Moschee. Ein dunkles Kapitel, das wir bei einem früheren Spaziergang bereits beleuchtet hatten (2). Die stark kriegsbeschädigte Moschee wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Sie gehört einer kleinen pakistanischen Gemeinde, die "den Islam in seiner ursprünglichen, wahren Form darstellen und praktizieren" will.

Über dem quadratischen Hauptgebäude erhebt sich eine 26 Meter hohe Kuppel mit 10 Meter Durchmesser. In diesem Gebetshaus versammelt sich die Gemeinde zum Freitagsgebet. Außerhalb der Gebetszeiten dient das Haus als islamisches Informationszentrum. Der Innenraum wird von kräftigen Farbflächen in gelb und orange beherrscht, die an den Rändern weiß abgesetzt werden. Die traditionelle Endlosmuster und Ornamente, die man aus anderen islamischen Ländern kennt, sind hier nicht vertreten.

weitere Denkmal-Ziele

Zwei Denkmale, die wir mehr wegen ihrer Historie und weniger wegen ihrer Farbe ausgesucht haben, sind das Stadtbad in der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg und der Preußische Landtag in Mitte, in dem heute das Abgeordnetenhaus von Berlin seinen Sitz hat. Da sie in verschiedenen Stadtteilen liegen, sind die Berichte dort abgelegt.

Hier geht es weiter:
> Stadtbad Oderberger Straße: Sprachen lernen in der Dusche
> Preußischer Landtag: Lebendige Parlamentsgeschichte

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(1) Mehr über die Kreuzkirche: Kreuzkirche Hohenzollerndamm
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Weitere Denkmal-Ziele


Wo Libellenflügel in der Sonne glitzern
Zwischen Strapsen geboren