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Ein Haus wie eine Briefmarke


Stadtteil: Mitte
Bereich: Nordbahnhof-Park bis Invalidenpark
Stadtplanaufruf: Berlin, Habersaathstraße
Datum: 19. Oktober 2020
Bericht Nr.:714

Den Bereich nördlich der Invalidenstraße zwischen Schifffahrtskanal und Nordbahnhof haben wir schon mehrfach begangen (*), trotzdem gibt es bei unserem heutigen Stadtspaziergang wieder neue Einblicke. Die Reste eines historischen Straßenbrunnens bringen die Berliner Trinkwasserpumpen in den Fokus, die ehemaligen Fabrikgelände von Maschinenfabriken erzählen eine Geschichte vom Dampfmaschinenantrieb für Automobile und die frühere Ausbildung von "Pfeifhähnen“ zu Ärzten im Gebäude des heutigen Wirtschaftsministeriums beschäftigt uns.

Berliner Straßenpumpen
In Berlin gibt es 2.000 Straßenbrunnen. Davon sind 900 "Bundesbrunnen" für die Versorgung im Verteidigungsfall und 1.100 "Landesbrunnen", aus denen wir im Katastrophenfall Wasser pumpen können. Hoffentlich finden wir im Fall der Fälle den "zuständigen" Brunnen. Die Geschichte der Straßenbrunnen beginnt vor 360 Jahren: Der Große Kurfürst hatte seinen Untertanen nicht nur die Straßenbeleuchtung - Heraushängen einer Laterne an jedem zweiten Haus - als Wohltat und Verpflichtung auferlegt, auch für die Wasserversorgung hat er 1660 mit preußischer Akribie eine "Brunnen- und Gassenordnung" erlassen. Seine Residenzstadt sollte nach dem auszehrenden Dreißigjährigen Krieg wieder auf die Beine kommen und zu den vergleichbaren europäischen Städten aufschließen.

Die 379 Brunnen auf den Höfen und die 51 "Gassenbrunnen" mussten von den Untertanen beibehalten, rein und sauber gehalten werden. Analog zu den Inspektoren der Straßenleuchten berief er zu jedem Brunnen zwei Brunnenherren, die "Gehäuse, Geschlinge, Kabel und Schlitten in Ordnung zu halten hatten". Ein Gassenmeister, der "sich des Vollsauffens zu enthalten hatte", brachte den weisungsgemäß vor die Türen gefegten Unrat weg. Der Gassenmeister war eine Amtsperson, ihn zu verspotten wurde mit 10 Talern Strafe geahndet. Offensichtlich waren die Berliner wie beim Laternenanzünden sehr unwillig, bei einer Novellierung der Brunnen- und Gassenordnung wurden vor allem die Strafen erhöht.

In der Wöhlertstraße steht Berlins einziger erhaltener Rohrbrunnen aus den 1870er Jahren. Solche Brunnen wurden zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und zur Löschwasserentnahme für die Feuerwehr angelegt, bis 1892 entstanden insgesamt 450 dieser Brunnen. Mit eisernen Rohrbrunnen kam man durch Tiefenbohrungen ("tiefliegender Saugort") an bessere Wasserqualität. Bis dahin wurde das Brunnenwasser aus gemauerten Kesseln entnommen, die wegen zunehmender Verschmutzung nicht mehr tragbar waren. 1868 ergab eine Analyse, dass in manchen Gegenden "die öffentlichen Strassenbrunnen mit ungeniessbarem, trübem, oft ganz molkigem und schmutzigem Wasser gefüllt sind, welches einen unangenehmen, fauligen Geschmack besitzt und bei eingetretenem Regenwetter sichtbar noch schlechter wird."

Von dem Brunnen in der Wöhlertstraße ist nur ein Rest erhalten. Es fehlen Wasseraustritt, Rohr und Ziehhebel, deshalb ist er unbenutzbar. In der Innenstadt wird alles schamlos vermüllt, was man als Mülleimer benutzen kann - jeder Fahrradkorb, jeder herumstehende Einkaufswagen - und auch der Innenraum des Rohrbrunnens ist mit Unrat gefüllt.

Automobile mit Dampfmaschinenantrieb
Schwartzkopffstraße, Pflugstraße, Wöhlertstraße und Borsigstraße sind nach den Fabrikanten benannt, die im Dampfmaschinenzeitalter an der Chausseestraße ihre Maschinenbau-Anstalten und Eisengießereien hatten. Wöhlert hatte erkannt, dass er gegen die Lokomotiven von Borsig keine Chance hatte, deshalb verlegte er sich auf die Herstellung von Automobilen mit Dampfmaschinenantrieb. Es war ein Joint-Venture mit einem französischen Hersteller, der Dampfomnibusse in Serie herstellte. Die Dampfmaschine zum Antrieb von Fahrzeugen einzusetzen, hatte sich schon bei Schiffen und Bahnen durchgesetzt. In Frankreich und England wurde auch Straßenfahrzeuge mit diesem Antrieb entwickelt: Dampfomnibusse, die sogar im Linienverkehr fuhren, sie erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 25 Kilometerstunden. Die von England eingeführte Vorschrift, dass die Motorfahrzeuge in Ortschaften nur 2 Meilen pro Stunde fahren durften und ein Mann mit roter Flagge dem Fahrzeug 55 Meter vorausgehen musste, beendete dort verständlicherweise die Entwicklung. Nur in Frankreich wurden weiterhin Dampfomnibusse eingesetzt.

Die Wöhlert-Dampfdroschke wurde ab 1878 gebaut. Sie hatte einen mit Kohle befeuerten, stehenden Kessel. Ihr Einsatz scheiterte daran, dass die tonnenschweren Fahrzeuge das Pflaster beschädigten und deshalb von der Straßenpolizei verboten wurden. Das Wöhlert'sche Unternehmen war inzwischen zu überhöhten Werten in die "F. Wöhlertsche Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei AG" eingebracht worden, ein vor dem "Gründungskrach" der 1880er Jahre oft praktiziertes, unsolides und risikoreiches Unterfangen. Als das Dampfdroschkenprojekt scheiterte, blieb nur die Auflösung der Aktiengesellschaft, um eine Pleite zu vermeiden. Friedrich Adolf Pflug war schon 1850 dem Beispiel Borsigs gefolgt und hatte im Rahmen der ersten Randwanderung der Industrie sein Unternehmen nach Moabit verlegt. Auch eine Villa ließ er dort 1860 erbauen auf dem Gelände des heutigen Carl-von-Ossietzky-Parks.

Eine weitere Bauchlandung eines dampfbetriebenen Straßenfahrzeugs haben wir in Swakopmund in Namibia zu Gesicht bekommen. Ein von der "Schutztruppe“ in Deutsch-Südwestafrika importiertes Fahrzeug - "Lokomobile" - sollte Material transportieren für den Bau einer Eisenbahnstrecke durch die Wüste Namib, versank aber regelmäßig im Wüstensand und musste daher immer wieder ausgegraben werden. Sie schaffte nur 25 Kilometer in drei Monaten und war damit den Ochsenkarren unterlegen. Schließlich ließ man sie stehen und gab ihr den Namen Martin Luther (“Hier stehe ich, ich kann nicht anders"). Heute ist sie ein Museumsstück.

Dampfbrotfabrik
Das Thema Dampf ist an der Wöhlertstraße noch einmal mit der Dampfbrotfabrik vertreten, aber hier geht es nicht um den Einsatz einer Dampfmaschine zum Backen. Vielmehr stehen die Dampfbacköfen für einen Quantensprung, der die industrielle Herstellung von Backwaren durch Wasserdampf möglich machte. Im traditionellen Backofen wurde in derselben Kammer nacheinander erst das Feuer erhitzt, der Abbrand entfernt und danach kamen die Backwaren hinein. Für eine Massenproduktion war das nicht geeignet. Erst als die Heizkammer und die Backkammer voneinander getrennt wurden, war kontinuierliches Heizen und Backen parallel möglich geworden. Dabei erhitzen mit Wasserdampf gefüllte Rohre, die durch die Backkammer führen, das Backgut.

Heute werden in der Dampfbrotfabrik in der Wöhlertstraße keine Brote mehr gebacken. Wie bei anderen ehemaligen Industriegebäuden erfolgt eine Nachnutzung durch Büros der Kreativwirtschaft und andere Mieter. Bis 2011 war hier eine große Werbeagentur ansässig, die Konzepte für Marketingkampagnen entwickelt, beispielsweise "Wir können alles. Außer Hochdeutsch" für Baden-Württemberg oder Corona-aktuell "Ich bleib zuhause" fürs Gesundheitsministerium.

Nordbahnhof-Park, Invalidenpark, Südpanke-Grünzug, Exerzierplatz
Unser Weg führt vom Nordbahnhof-Park über den Südpanke-Grünzug zum Invalidenpark. Um die Chausseestraße herum sind durch den und nach dem Krieg viele freie Flächen entstanden, die glücklicherweise nicht alle wieder zugebaut wurden. So ist das aufgelassene Bahngelände nördlich des Stettiner Bahnhofs (Nordbahnhof) in einen Park verwandelt worden und an der Invaliden- Ecke Scharnhorststraße erinnert die von Christophe Girot geschaffene "Versinkende Mauer" im Invalidenpark an die Zeiten der Teilung. Im Invalidenpark stand an dieser Stelle seit 1890 die von Kaiserin Auguste Viktoria ("Kirchenjuste") geförderte Gnadenkirche, die 1967 nach Kriegsschäden gesprengt wurde.

Im Invalidenpark wurde 1850 die Invalidensäule errichtet, die als "National-Krieger-Denkmal" an die Märzunruhen von 1848 erinnern sollte. Während die im Kampf umgekommenen Zivilisten auf dem Friedhof der Märzgefallenen bestattet wurden, wurden achtzehn der während der Märzkämpfe gefallenen Soldaten an der Invalidensäule beigesetzt. Wegen der einseitigen Ehrung des Militärs im Einsatz gegen die bürgerliche Revolution hatte das Denkmal keine Chance, wirklich zum Nationalheiligtum zu werden.

Der südliche Arm der Panke, der im weiteren Verlauf das Charité-Gelände durchquert, wird auf der Rückseite der Schlapphüte (BND-Zentrale) renaturiert und für das Flanieren im Grünen vorbereitet. Auch ein Regenrückhaltebecken wurde an der Ida-von-Arnim-Straße eingeplant, um bei Starkregen das Regenwasser von den Abwässern der Kanalisation zu trennen.


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Ein neues Pumpwerk ist bereits seit drei Jahren an der Ecke Chausseestraße in Betrieb. Es wird von der Holzmarktstraße aus ferngesteuert, die Absperrschieber auf dem Vorplatz sind wohl mehr Show. Die Abwässer werden mit Druck durch einen Meter dicke Rohre gepumpt. In 17 Meter Tiefe unter der Chausseestraße wurde unter dem U-Bahntunnel im Schildvortriebsverfahren wie beim U-Bahnbau das Rohr durch den Berliner Boden gepresst.

Ursprünglich war das Geheimdienstgelände ein Exerzierplatz ("Der Grützmacher"), der mit der "Maikäferkaserne" bebaut war. Nach der Entmilitarisierung durch den Versailler Vertrag übernahm die Polizei das Riesengrundstück und baute zusätzlich zu den Kasernen ein Polizeistadion darauf. Nach Kriegszerstörung erfolgte der Abriss der Kasernen. Der zu DDR-Zeiten zum Walter-Ulbricht-Stadion (ab 1973 Stadion der Weltjugend) ausgebaute Wettkampfplatz wurde in der Nachwendezeit abgeräumt. Seit 2010 arbeitet dort der Bundesnachrichtendienst in einem Neubau.

Ärztliche Pfeifhähne
Die Invalidenstraße leitet ihren Namen von der Institution ab, die Friedrich der Große zur Versorgung von Kriegsinvaliden gegründet hatte, dem Invalidenhaus. Für die Ausbildung von Ärzten hatte er eine Militärärztlichen Akademie geschaffen, den mächtigen Natursteinbau an der Ecke Invalidenstraße / Scharnhorststraße, der an das Invalidenhaus und den Invalidenfriedhof angrenzt.

So wie aus zarten Pflanzen in einer Baumschule gestandene Bäume herangezogen werden, sollten in seiner Akademie kompetente Militärärzte ausgebildet werden, wünschte sich der Alte Fritz und nannte die Ausbildungsstätte Pépinière (frz. für Baumschule). Aus dem Pepin, dem Studenten, machte der Berliner Volksmund den "Pfeifhahn", eine Verballhornung, die bald zur offiziellen Bezeichnung wurde und in das Wappen (Hahn mit Pfeife in den Fängen) aufgenommen wurde.


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Das Gebäude der Akademie enthielt Hörsäle, Festsäle, Bibliothek, Turnsäle, Casinos. Die Studenten konnten im Haus wohnen, es gab ein Schlaf- und ein Wohnzimmer gemeinsam für je zwei Studenten. Neben guten fachlichen Leistungen wurde Wert gelegt auf "vornehme Gesinnung, Taktgefühl und gute Umgangsformen". Die Ausbildung dauerte vier Jahre und umfasste auch die militärische Unterweisung bei einem Infanterie-Regiment.

Beide Bauten - Invalidenhaus und Akademie - werden heute als bauliche Einheit vom Wirtschaftsministerium genutzt. Die Zusammenlegung erfolgte bereits 1937, als die Wehrmacht im Dritten Reich ihre Militärärztliche Akademie erweitern wollte. Die Bewohner des benachbarten Invalidenhauses wurden verdrängt in die Invalidensiedlung in Frohnau. Die DDR hatte in der ehemaligen Militärärztlichen Akademie ihr Regierungskrankenhaus eingerichtet, bis sie es aus Sicherheitsgründen - es war zu nahe an der Mauer - nach Berlin-Buch verlegte.

Zum Invalidenhaus gehört der Invalidenfriedhof, den wir auf dem Rückweg von der Heidestraße besucht hatten. Lesen Sie hierzu den Bericht An den Fassaden sollt ihr sie erkennen.

Augusta-Hospital, Bundeswehr-Krankenhaus
Es gab noch weitere Bauten der Medizin wie Krankenhäuser in der Scharnhorststraße: Das Garnisons-Lazarett von 1853 und das Augusta-Hospital von 1869. Das Königliche Garnisonlazarett war das zentrale Krankenhaus der Berliner Garnison. 1748 hatte Friedrich der Große den Nutzgarten des Invalidenhauses zum Invalidenpark umgestalten lassen, der sich damals über die Habersaathstraße hinaus nach Norden erstreckte. An der Nordseite der Ida-von-Arnim-Straße sind noch heute die erhaltenen Militärbauten aus der Gründungszeit zu erkennen. An der Scharnhorststraße - dem heutigen Haupteingang - verdecken mehrere moderne Gebäuderiegel diesen Blick. Wachleute der Bundeswehr nehmen drohende Haltung an, wenn man sich dem Gelände zu sehr nähert. Angesichts des coolen Umgangs der Schlapphüte mit Passanten eine übertrieben wirkende Szenerie.

Das ehemalige Lazarett hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In der Weimarer Republik wurde es zum Staatskrankenhaus der Polizei, zu DDR-Zeiten zum Lazarett der Nationalen Volksarmee, bis es nach der Wende von der Bundeswehr übernommen wurde.

Der Frauen-Lazareth-Verein gründete mit Förderung der Königin Augusta ein kleines Krankenhaus - das Augusta-Hospital. Der Bau wurde nach Plänen des Berliner Stadtbaurats Hermann Blankenstein an der Scharnhorststraße errichtet. Träger waren später der Vaterländischer Frauenverein, in der Nazizeit der Reichsfrauenbund und zu DDR-Zeiten die Charité. Der Ursprungsbau ist nicht mehr vorhanden. In dem Nachfolgebau hat ein Medizintechnik-Unternehmen seine Repräsentanz eingerichtet. Unübersehbar hat es seinen Namen mit einem riesigen Firmenschild vor den Eingangsbereich des Hauses geklotzt.

Heizkraftwerk Scharnhorststraße
Zwischen Augusta-Hospital und Südpanke ist seit 1979 ein Heizkraftwerk für die Charité in Betrieb, das nach der Wende von Vattenfall umgebaut wurde. Statt der alten Dampferzeuger sind jetzt mit Erdgas befeuerte Kessel im Einsatz, die eine Vielzahl von Abnehmern versorgen: Bundeswehrkrankenhaus, Wirtschaftsministerium, Naturkundemuseum, Bahnbauten am Nordbahnhof und Wohnhäuser bis hoch zum Weddinger Brunnenviertel. Nur der direkte Nachbar gegenüber an der Panke, der Bundesnachrichtendienst, fragt diese Energie nicht ab. Wie man sich vorstellen kann, versorgen sich die Schlapphüte autark mit Strom, Wasser und Heizung, damit sie weiter arbeiten können, wenn die öffentliche Versorgung ausfällt.

Ein Street-Art-Künstler hatte für Vattenfall einen Heizöltank in eine klassizistische Rotunde verwandelt. Es war ein geradezu unwirkliches Bild, das sich dort bot, inmitten des technischen Equipments des Heizkraftwerks. Doch Heizöl muss nicht mehr vorrätig gehalten werden, nach der Umstellung auf Erdgas ist der Tank verschwunden.

Bauten Wöhlertstraße
Das Grundstück Wöhlertstraße 2 ist eine Baulücke. Seit zehn Jahren ist dort ein Neubau angekündigt, für den die Zwischennutzung mit Garagen beendet wurde. Rückwärtig grenzt das Grundstück an ein Hostel mit mehreren Innenhöfen an der Chausseestraße, das als Flüchtlingsunterkunft diente. Wie Lisenen wirken die an der Wöhlertstraße erhalten gebliebenen Abdrücke des nicht mehr vorhandenen Hauses. Im Nachbarhaus Wöhlertstraße 3 wurde der Film "Glaube, Liebe, Pleite" gedreht. Der hat nichts mit Bauproblemen zu tun, sondern handelt von betrogenen Frauen auf Rachefeldzug.

Die Wendeschleife der Straßenbahn, die früher bis zur Endhaltestelle Schwartzkopffstraße fuhr, ist verschwunden. Dafür ist die Straßenbahn bis zum Hauptbahnhof verlängert worden. Die Kreuzung Chausseestraße/Invalidenstraße wurde für die Gleisbauer zur Herausforderung, da hier drei Richtungen zum Abbiegen und Geradeausfahren bedient werden müssen. Vier Tramlinien befahren regelmäßig diese Kreuzung, wenn‘s Richtung Alex eng wird, wird eine fünfte hierhin umgeleitet. Alle paar Minuten kommt eine Tram. Es ist ein Wunder, dass die bis zum Hauptbahnhof hin- und her-mäandernden Schienen kaum Staus und Unfälle erzeugen.

Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen
An der Scharnhorststraße mit der Rückseite zum Spandauer Schiffahrtskanal steht ein Klinkerbau, der an die Speicherhäuser der Hansestädte erinnert. Die Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen hat hier 1912 in verkehrsgünstiger Lage am Kanal ein Wohn- und Geschäftshaus erbauen lassen, das hofseitig für die Kühlung von Waren verwendet wurde. Am Kanal waren Kellerräume als Kühlhallen ausgebaut, im Hof stand ein nicht mehr vorhandenes Kühlhaus. Noch zu DDR-Zeiten nutzte ein Volkseigener Betrieb die Anlage zum Kühlen von Butter, Wurst- und Fleischwaren. In der Hausdurchfahrt findet man heute instruktive Erläuterungen und alte Fotos.

Die Gesellschaft für Kühl- und Markthallen wurde 1890 in Hamburg gegründet, sie ist eine der ältesten deutschen Aktiengesellschaften. Geschäftszweck war: "Errichtung, Erwerb und Betrieb von Kühlhäusern, Eisfabriken, Markthallen, Schlachthöfen und allen Anlagen, in welchen Kälte oder Kälteerzeugnisse hergestellt oder verwandt werden". In Berlin wurde 1901 auf einem Grundstück zwischen Luckenwalder und Trebbiner Straße "der größte Kühlhauskomplex Europas errichtet, zeitgleich mit dem Bahnhof Gleisdreieck". In der Nachkriegszeit war dort Senatsreserve eingelagert. Ein Teil der Bauten wurde 1979 für einen geplanten Neubau abgerissen. Heute werden "fünf Etagen im Kühlhaus Berlin mit Events, Konferenzen und Ausstellungen bespielt".

Reichspostverteilamt
Ein Haus wie eine Briefmarke: Der Erker hat Zacken (Zähne) wie ein Postwertzeichen aufgemalt, mehrere überdimensionale Briefmarken mit Stempel zieren die Fassade. Das Gebäude Scharnhorststraße 6-7 diente früher der Postverteilung, es war ein Reichspostverteilamt. Es wurde 1880 gebaut, als es noch Postillione gab, die mit Hufgeklapper die Briefe beförderten. Die Posthaltereien wurden möglichst in der Nähe der Bahnhöfe eingerichtet, hier waren es der Hamburger Bahnhof (ab 1884 der Lehrter Bahnhof) und der Stettiner Bahnhof. 40 Pferde und 250 Postillione sollen in der Scharnhorststraße stationiert gewesen sein.


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Die Zeit der Postillione und Rösser auf unseren Straßen ist vorbei und auch die Posthaltereien werden nicht mehr gebraucht. In dem Vorderhaus und den alten und neuen Gebäuden um einen "blühenden Hofgarten" sind Wohnungen mit 12.000 Quadratmetern Fläche entstanden. Neu gebaut wurde auch nebenan am Panke-Park, 52 Stadthäuser werden durch mehrere parallele Stichstraßen erschlossen.


Das Restaurant “Esszimmer“ im Bau der Kühl- und Markthallen-Gesellschaft kannten wir bereits. Hier sind wir gern wieder für unser Flaniermahl eingekehrt, raffinierte deutsche Küche hat es uns angetan. Passend dazu werden überwiegend deutsche Weine ausgeschenkt. Ein stimmiger Abschluss unseres Rundgangs durch Geschichte und Gegenwart.

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(*) Am Ende meines Berichts Invaliden und Veteranen sind weitere Spaziergänge nördlich der Invalidenstraße zwischen Schifffahrtskanal und Nordbahnhof aufgeführt.

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route:
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Aktivität hinter dem Maschendrahtzaun