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Sein oder Haben-Wollen




Stadtbezirk: Neukölln
Bereich: Körnerpark
Stadtplanaufruf: Berlin, Schierker Straße
Datum: 4. Januar 2010

Es ist bitter kalt, Berlin erlebt den härtesten Winter der ersten zehn Jahre des 21.Jahrhunderts. In einem abenddunklen Park hängen leuchtende Gebilde an mehreren Bäumen. Unter einer dieser "Lichtkristalle" genannten Installationen steht ein Mann ohne Mantel in dem sonst menschenleeren Park und lauscht der Geschichte, die aus dem Klangmodul zu hören ist. "Welche Sprache ist das?" frage ich mehr mich als ihn, aber er antwortet: "Türkisch". Frierend stehen wir neben ihm und lassen uns das Märchen von der Prinzessin und den drei Brüdern übersetzen. Er erzählt, dass er selbst Texte schreibt.

Wir haben den Körnerpark in Neukölln als Ziel unserer heutigen Stadtwanderung gewählt. Die Licht-Klang-Installation "Klangprismen" wurde im November 2009 als Seh- und Hörraum eingerichtet und wird in regelmäßigen Abständen mit neuen Inhalten gefüllt. Die Märchen in Türkisch, Arabisch, Englisch und Deutsch sind in Kooperation mit der der Galerie im Körnerpark entstanden. Vor zwei Jahren war im Park die akustisch-szenische Inszenierung "Windtänzer" zu sehen und zu hören, eine Klanginstallation mit "3 Bäumen, 4 Lautsprechern, 1 Wind, 10 Sensoren und Internet", auch Baum-be-rauschen genannt. Man konnte sie "in Verbindung zum gefühlten Wetter setzen", eine Verbindung, die in diesem Winter sicher tiefer geht als 2007/2008.

Der Bezirk ist auf die "artenkünstlerisch" und "stadtbildprägend kulturell und qualitativ herausragende Parkanlage" zu Recht stolz. Der Park ist aus einer ehemaligen Kiesgrube des Herrn Körner entstanden und liegt - eingerahmt von hohen Arkadenwänden - 5 bis 7 Meter tiefer als die umliegenden Wohnbauten. Am Kopf der Hauptachse steht die Orangerie mit Terrassen zum Park und zur Straße. Am entgegengesetzten Ende befindet sich eine Kaskadentreppe mit Fontänenbecken. Betreten wird der geometrisch angelegte Park durch monumentale Treppenanlagen.

Nach Sanierungsarbeiten wurden aus Sicherheitsgründen der Park abgeschirmt und nachts verschlossen, nachdem Brunnenwasser mit Chemikalien verunreinigt, Blumenkübel aus ihrer Verankerung gerissen, Bänke beschmiert und Abfallkörbe umgetreten wurden. Auch "Brunnencops" konnten den Vandalismus nicht verhindern.

Auch im Sommer gibt und gab es Installationen im Park, wie z.B. "Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Zauns" (Garvin Nolte), eine philosophischen Auseinandersetzung mit dem Sein und dem Haben-Wollen. Oder den "Wolkenschieber" (Jörg Lange), der mit zwei auf Steinsockeln angebrachten Rundspiegeln den Blick ins Unendliche des Himmels erweitert und damit gleichzeitig auf die Erdgebundenheit des Lebens zurückführt. Sonntags werden in freundlicher Jahreszeit Rhythmus und Tanz geboten, wie z.B. Cajun-Music aus Louisiana (Geige, Akkordeon und Gitarre), Musik und Lieder aus Vietnam (Bambusxylophon, Flöte und Zither), Gesang und Percussion (rhythmusbetonte westafrikanische Musik, kombiniert mit Reggae und Rap), Flamenco (Tanz, Gitarrenmusik und Gesang).

Es lohnt sich also, nach Neukölln zu kommen. Leider waren wir bei der Lokalsuche durchgefroren und deshalb nicht ausdauernd genug. So mussten ich am Richardplatz ein unnatürlich aufgepumptes Wienerschnitzel essen, dem gleich Aluminiumfolie von der Rolle beigelegt war, damit man den nicht verzehrten Teil mit nach Hause nehmen kann. Auf meine Bemerkung, dass ich keinen Hund zu Hause hätte erwiderte der Ober, seine Frau wollte das mitgebrachte auch nicht essen.


Landreiter, Hasenheger und Wildmeister
Auf der Anhöhe