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Ungeschminkte Bodenständigkeit


Stadtteil: Wedding
Bereich: Müllerstraße, Leopoldplatz, Seestraße
Stadtplanaufruf: Berlin, Brüsseler Straße
Datum: 20. Juli 2009

Ungeschminkte Bodenständigkeit zeichnet den Weddinger aus und unterscheidet ihn von seinem Lieblingsfeindesvolk, den „Prenzlwichsern“. Dies vermittelt das Prime Time Theater in seiner Seifenoper "Gutes Wedding, Schlechtes Wedding". Auf den Spuren dieser Kontraste haben wir uns ein Quartier zwischen Afrikanischem Viertel und Sprengel-Kiez zum Flanieren ausgesucht, man könnte es wegen der Straßenbenennungen Belgisches Viertel nennen. Auf der anderen Seite der Müllerstraße sind Straßennamen aus dem Spanischen Erbfolgekrieg entlehnt, doch davon später (1).

Zwei mächtige Gemeindeschulen gibt es hier links und rechts der Müllerstraße, beide vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichtet (2). An der Malplaquetstraße und Utrechter Straße hat er seinen Schulbau in zwei Straßen um ein bestehendes Eckgebäude herum gebaut und ihm Fresken mit Bären spendiert. Angesichts der herrschaftlichen Monumentalität des Gebäudes darf bezweifelt werden, dass die Grundschulkinder mit den "liebevoll gestalteten Sandsteinreliefs" auf "das Schulleben einzustimmen" waren. Auf der anderen Seite am Zeppelinplatz ist es ein "Schulschloss" für vier unterschiedliche Schulen, das von einem Eisengitter eingefasst ist und einen ganzen Baublock umfasst.

Auf der belgischen Seite unseres Karrees beherrscht die Beuth-Hochschule für Technik zwei Baublocks. Sie hat gerade ihre klassifizierende Bezeichnung Fachhochschule ablegen können und heißt jetzt nur noch Hochschule. In der Brüsseler Straße verbirgt sich in einem perfekt in die Wohnhausbebauung eingepassten Klinkerbau ein Bewag-Stützpunkt von Hans Heinrich Müller (3). Er hat die Bauten zur Stromverteilung von den Kraftwerken zu den Haushalten in den 1920er Jahren für jeden einzelnen Standort individuell entworfen, die mehrfach abgestuften Backsteinbänder als Hausumrandung und die etagenweise jeweils um einen halben Stein zurückgesetzte Fassade zeigen seine Handschrift (4).

Am Zeppelinplatz ließ die stadteigene Heimstättengesellschaft Primus Ende der 1920er Jahre Wohnungsbaublocks von unterschiedlichen Architekten entwerfen, darunter Bruno Möhring (5), der u.a. den Rundbau gegenüber dem Platz der Luftbrücke geschaffen hat, und Albert Geßner.

Östlich der Müllerstraße an der Ecke Malplaquet- und Liebenwalder Straße steht das Karl-Schrader-Haus. Es erinnert an einen Mann aus der Gründerzeit, der das Glück hatte, viele unterschiedliche Aktivitäten und Interessen verwirklichen zu können, weil zu jener Zeit auf allen Gebieten Aufbruchstimmung herrschte. Er war Eisenbahndirektor, Aufsichtsrat der Deutschen Bank, Reichstagsabgeordneter, Gemeindekirchenratsmitglied, Schriftführer des Vaterländischen Frauenvereins, Gründer eines Männerturnvereins, eines Spar- und Kreditvereins, einer Baugenossenschaft für kleine Leute, des Berliner Vereins für häusliche Gesundheitspflege, des Berliner Vereins für Volkserziehung, des Seminars für Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen (heute Pestalozzi-Fröbel-Haus).

Das Karl-Schrader-Haus wurde von der Berliner Baugenossenschaft gebaut, die er mit gegründet hatte. Während es nach außen mit den Ecktürmen und Jugendstilornamenten Gründerzeit symbolisiert, gehört es mit Küchen und Innentoiletten und Gemeinschaftseinrichtungen wie Festsaal, Bibliothek und Badeanstalt zu den Reformwohnungsbauten einer neuen Zeit. In diesem Haus finden wir auch das "Schraders", das uns zum Ende unseres Spaziergangs wirtlich empfängt.

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(1) Straßenbenennungen nach dem Spanischen Erbfolgekrieg: Zwei Eimer Wasser holen
(2) Stadtbaurat Ludwig Hoffmann: Hoffmann, Ludwig
(3) Bewag-Architekt Hans-Heinrich Müller: Müller, Hans Heinrich
(4) Abspannwerke und Umspannwerke: Umspannwerke/Abspannwerke
(5) Bruno Möhring: Möhring, Bruno

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Unsere Route
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Wedding
Wedding an der Panke