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Gesund trotz vieler Apotheken


Stadtteil: Wedding
Bereich: Gesundbrunnen
Stadtplanaufruf: Berlin, Gropiusstraße
Datum: , 7. Februar 2005

Gesundbrunnen wurde durch puren Zufall von den preußischen Königen entdeckt und entwickelt, jedenfalls, wenn man folgenden Anekdoten Glauben schenkt: Die Könige reisten vom Berliner Schloss zum Schloss nach Rosenthal durch das Rosenthaler Tor und über das Vorwerk Wedding. Eines Tages kam Friedrich I. ermattet von der Jagd zur Mühle an der Panke, die Müllerin reichte ihm Wasser, das er als äußerst wohltuend empfand. Chemische Untersuchungen ergaben heilende Kräfte, das Wasser war eisenhaltig. Der Hofapotheker Behm durfte durch königliches Privileg von 1751 eine Heil- und Badeanstalt gründen.

Ebenfalls bei einer Fahrt nach Rosenthal soll später die Kutsche Friedrichs des Großen in einer scharfen Kurve umgestürzt sein, was zu einem königlichen Dekret zum Bau einer Chaussee - der Brunnenstraße - führte.

Wir haben wieder einmal die Spur der Panke aufgenommen und sind in Gesundbrunnen gelandet. Gesund-Brunnen verdankt seinen Namen der mineralischen Heilquelle, die nahe der Panke an der Badstraße (Bad-Straße!) seit Mitte des 18.Jahrhunderts sprudelte und das Luisenbad entstehen ließ. Als sie versiegte, wurde das ehemalige Bad ein Ausflugsziel der Berliner. Die Badstraße wurde zu dieser Zeit ein bürgerlicher Boulevard mit zahlreichen Volksgärten, Restaurationsbetrieben und Theatern, sogar ein Kino eröffnete 1908 im Badehaus Marienbad. Mitte des 19. Jahrhunderts begann hier die Industrialisierung, aus dem ländlichen Gesundbrunnen wurde ein dicht bebautes Industrie- und Arbeiterviertel, zwei Tresorfabriken siedeln sich hier an. Nach der deutschen Teilung wurde Gesundbrunnen ein Umsteigebahnhof und Umschlagplatz zwischen Ost und West, geprägt von Ladenzeilen, Wechselstuben und Grenzkinos, bis mit dem Mauerbau 1961 auch diese Phase zu Ende ging.

Am S-und U-Bahnhof Gesundbrunnen ist einiges in Bewegung. Hier entstand als modernes Einkaufscenter das "Gesundbrunnen-Center", und die Bahnanbindung nördlich des neuen (Lehrter)Hauptbahnhofs soll der S-Bahn neuen Geist einhauchen. Die Bösebrücke an der Bornholmer Straße - ein Stück nördlich von hier - ist als Grenzübergang in Erinnerung geblieben, über den ich als West-Berliner mit dem PKW fahren durfte, meine Freundin musste als "Westdeutsche" aussteigen und zu Fuß über den Übergang laufen, erst nach der Brücke durfte sie wieder zu mir in den Wagen steigen, absurdes Grenztheater. Am Gesundbrunnen-Center sehen wir die Swinemünder Brücke, die aber heute Abend weitgehend im Dunklen liegt.

Die Bauten in Gesundbrunnen, die erhalten sind (im 2.Weltkrieg gab es hier kaum Zerstörungen), spiegeln bis heute einen Teil der Stadt- und Baugeschichte wider. Die Brüder Galuschki bauten eine ganze Häuserzeile, deren Glanzstück das Jugendstilhaus "Königin-Luise" wurde, das dem Luisenbad zur Badstraße hin vorgelagert ist. Ein Stück weiter entstand in ihrem Auftrag der Baukomplex Marienbad mit einer aufwändigen Jugendstilfassade. Die Erben Gropius hatten an der gegenüberliegenden Seite der Straße ein Parkgelände, das vor der Bebauung mehrmals durch Spekulantenhände ging. Noch heute heißt ein Teil des Ufers an der Panke Gropiusstraße, es ist nach Martin Gropius benannt, dem Großonkel des Bauhaus-Gründers Walter Gropius.

Der erste Gropius, der als Künstler bekannt wurde, war der Maler Carl Wilhelm Gropius (1793 - 1870), der unter Karl Friedrich Schinkels Leitung zum Landschaftsmaler ausgebildet wurde und ab 1819 als Hoftheatermaler für die Berliner Bühnen arbeitete. In Paris hatte er bei Daguerre das Diorama kennen gelernt, die Bemalung einer abgedunkelte, halbdurchsichtigen Bühne, die mit wechselnden Beleuchtungen von Vorder- und Rückseite Bewegungen und Tageszeiten effektvoll simulieren konnte.

Der Architekt Martin Gropius, der von 1824 bis 1880 lebte, sollte eigentlich die väterliche „Gabain’sche Seiden- und Tapetenfabrik“ übernehmen, entschied sich aber für das Baufach. Nicht nur das nach ihm benannte Museum „Martin-Gropius-Bau“, sondern eine Vielzahl von öffentlichen Bauten (Krankenhäuser, Universitätsinstitute, Bibliotheken, weitere Museen) und Bankgebäuden, oft in Ziegelarchitektur, aber auch Villen und Landhäuser wurden von ihm entworfen.

Die Tresorfabrik Arnheim entstand um 1910, hier wurden Gebäude der historischen Pankemühle in den Fabrikkomplex einbezogen. Heute sind hier Werkstätten und Ateliers untergebracht.

Die Apothekendichte scheint an der Badstraße außergewöhnlich groß zu sein. Es gibt die Bad-Apotheke, Brunnen-Apotheke, Neue Apotheke, Bären-Apotheke, Gesundbrunnen-Apotheke, Herz-Apotheke und Center-Apotheke. Man kann vermuten, dass sich diese Unternehmen aus dem alten Badebetrieb ableiten.

Von der alten Herrlichkeit ist heute nichts mehr zu spüren. Die Quelle versiegte und wurde später versehentlich beim Ausbau der Kanalisation für die Badstraße zugeschüttet. Matratzengeschäfte an jeder Ecke (sie zahlen wohl nicht immer volle Miete, sondern kaschieren den sonst sichtbaren Leerstand), Imbiss- und Dönerläden, die übliche Ausprägung von Läden, die in solchen Quartieren zu finden sind. Wir finden hier kein Lokal, das den Spaziergang abschließt, und fahren zum "Scusi" in Moabit, nebenan von Herrn Schily.

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Im September 2010 waren wir wieder hier. Im Bericht steht mehr zur Entwicklung des Bades und des Gesundbrunnens: Einfach nur nass


Gemeingefährliche Bestrebungen
Einfach nur nass