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Trampelpfad und rechter Winkel


Stadtteil: Marzahn
Bereich: Kienberg, Gärten der Welt
Stadtplanaufruf: Berlin, Grottkauer Straße
Datum: 4. Oktober 2017
Bericht Nr.: 601

Zehn Tage vor Ende der Internationalen Gartenausstellung werfen wir einen Blick auf das Gelände, dessen "Gärten der Welt" wir schon mehrfach besucht haben, als sie noch als Geheimtipp im fernen Marzahn lagen. Für die IGA wurde ein neuer Zugang an der U-Bahn geschaffen. Dazu entstand aus dem U-Bahnhof Grottkauer Straße die Station Kienberg mit neuem futuristischem Dach und "vandalismusresistentem" Bahnsteigbelag. Auf dem Parkgelände sind zu den vorhandenen Gärten mit fest installierten Bauwerken (China, Korea, Renaissancegarten usw.) für die Zeit der Ausstellung gestaltete Gartenkabinette (Brasilien, Thailand usw.) und Blumengärten (z.B. Dahlien, Rosen, Hortensien) hinzu gekommen, die uns besonders interessieren. Der Blick auf den Übersichtsplan zeigt eine organische Landschaft, doch beim Durchwandern findet man auch viele rechte Winkel.

In alten chinesischen Gärten gibt es häufig kleine Brücken, die in Zick-Zack-Form verlaufen. Sie helfen gegen die Geister, die nach überliefertem chinesischen Glauben nur geradeaus gehen können. Die Menschen gehen folgsam im Zick-Zack, dann können ihnen diese Geister nichts anhaben. Man kann den Eindruck bekommen, dass es bei uns zu viele Landschaftsarchitekten gibt, die auf solche folgsamen Nutzer ihrer gärtnerischen Anlagen vertrauen. Wie wären sonst die vielen Trampelpfade zu erklären, mit denen in Grünanlagen Ecken abgeschnitten werden? Fußgänger sind empfindlich gegenüber aufgenötigten Umwegen, deshalb verlassen sie vorgezeichnete Wege gern, auch wenn sie dadurch nur ein paar Schritte sparen können. Rechtwinklige Wegführungen stören den freiheitsliebenden Menschen, wenn nicht durch Pflanzungen oder andere Abgrenzungen der Weg fest vorgegeben ist.

Die IGA hat an internationale Gartenarchitekten rechtwinklige Kabinette vergeben, die als Schaufenster der Gartenkunst ihrer Länder gedacht sind. Die Kabinette werden durch Hecken eingefasst, die den Besucher lenken. Viele Gartenkünstler haben ihren Gartenraum im Innern dann zusätzlich rechtwinklig aufgeteilt. Diese Formen wirken gezwungen, wie Landschaft im Aquarium.


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Im Außengelände des Park gibt es ebenfalls Wege, die rechtwinklig aufeinander treffen. Prompt werden hier durch diagonale Trampelpfade die Strecken abgekürzt. Der Architekt Friedensreich Hundertwasser propagierte die "gute Kurve", er kehrte sich ab von geraden Linien und rechten Winkeln. Das könnte auch ein Maßstab sein, wenn man heute Wege in einem Landschaftsgarten plant und keine Trampelpfade erzeugen will.

Wolkenhain, Seeterrasse und andere Attraktionen haben wir ausgelassen. Nahe dem Haupteingang auf der Kienbergseite des Parks steht unübersehbar das Landschaftsfenster "Belvedere“. Man sucht nach Anklängen an ein zierliches Schlösschen oder einen barocken Pavillon, doch das darf man hier nicht als Belvedere erwarten. Vielmehr ist es eine als Rahmen gedachte massive Metallkonstruktion, so hoch wie eine Altbauwohnung und 18 Meter breit. Das Material ist "wetterfester" Stahl, der bewusst rostet.


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An diesem "Ruhepol mit Aussicht auf das Wuhletal" sind wir die einzigen Besucher, das Wetter lädt nicht zum Verweilen ein. Die Kabinen der Seilbahn schaukeln leicht im Wind. Das sind harmlose Vorboten des Orkans Xavier, der am Folgetag eine Schneise durch Berlin ziehen wird. Vorsorglich hatte die Gartenausstellung am Folgetag geschlossen, wir haben Glück gehabt mit unserem Besuch.

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Alle Besuche in den "Gärten der Welt" finden Sie hier:
Gärten der Welt (Marzahn)

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Zu abstrakt oder zu real - ein Künstlerleben