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Fortschritt im Ledigenheim


Stadtteil: Charlottenburg
Bereich: Klausenerplatz, Königin-Elisabeth-Straße
Stadtplanaufruf: Berlin, Knobelsdorffstraße
Datum: 20. Dezember 2010

Als 1920 aus den Städten und Dörfern im Großraum Berlin eine gemeinsame Stadt geformt werden sollte, schlug die selbstständige Stadt Charlottenburg vor, das neue Gebilde "Groß-Charlottenburg" zu nennen. Charlottenburg war zu diesem Zeitpunkt eine der reichsten oder sogar die reichste Stadt Preußens und hatte gerade erst 15 Jahre vorher an der Grenze zu Berlin eine neue Brücke über den Landwehrkanal gebaut und darüber das Charlottenburger Tor errichtet, ein architektonisches Pendant zum Brandenburger Tor und eine Demonstration des Reichtums und der Stärke gegenüber der Stadt Berlin. Geschmückt wurde die Brücke mit Standbildern Friedrichs I. und Sophie Charlottes, seiner Gemahlin. Noch als Kurfürst hatte er ihr 1695 das Dorf Lietzow (Lützow) geschenkt, auf dem sie eine Sommerresidenz, die Lietzenburg (Lützenburg) errichten ließ. Nach Sophie Charlottes frühem Tod 1705 wurden Schloss und angrenzende Siedlung in "Charlottenburg" umbenannt. Das abseits liegende Dorf Lützow blieb nahezu unberührt von der Stadt, die sich vor dem Schloss ausdehnte und wurde erst später nach Charlottenburg eingemeindet.

Die Schloßstraße, die als Allee in einer Sichtachse vom Schloss zum Sophie- Charlotte-Platz angelegt wurde, grenzt die Altstadt um den Gierkeplatz (ältestes Haus von 1712) von den Gründerzeithäusern zwischen Klausenerplatz und Knobelsdorffstraße ab. Dieses Gründerzeitviertel blieb in West-Berliner Zeiten gerade noch von der Kahlschlagsanierung verschont, die Auseinandersetzungen um den Abriss vieler Altbauten in Kreuzberg und die "Instandbesetzungen" hatte schließlich zu einem Umdenken bei der Stadtentwicklung geführt.

Wir nähern uns diesem Quartier vom Kaiserdamm aus. An der Ecke Königin-Elisabeth-Straße steht das von Scharoun im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaute Apartmenthaus mit 1- bis 2-Zimmer-Apartments in aufwendiger Ausstattung, ein Putzbau mit 6 Stockwerken. Bemerkenswert finden wir die L-förmigen Fensterumrandungen. Die Knobelsdorffstraße wird Richtung Westen von der Ecke Königin-Elisabeth-Straße an von Baukomplexen eingerahmt, die fast den ganzen Straßenblock umfassen. Die Berliner Straßenbahn hatte im Innern einen Betriebshof mit Wagenhalle, für Betriebsangehörige war der Komplex der Wohnbauten von Jean Krämer und Otto Rudolf Salvisberg errichtet worden. Die Ecke wird durch siebengeschossige Turmbauten eingefasst, zwei Skulpturen beziehen sich über die Straße hinweg aufeinander. Diese Figuren aus Kalksandstein sind ein Teil des "Denkmals der Arbeit", das hier geplant war, der Mann symbolisiert "Arbeit", die Frau mit Kind "Heim", geschaffen 1928 von Josef Thorak. Weitere Monumentalplastiken von ihm stehen beispielsweise in der Türkei (Befreiungsdenkmal, 1934) und am Olympiastadion (1936 als „Reichssportfeld“ Austragungsort der Olympischen Spiele), Max Schmeling hatte ihm für den „Faustkämpfer“ Modell gestanden.

An dieser Straßenecke Richtung Schloßstraße hat sich die Landesversicherungsanstalt - heute Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg - einen Neubau aus poliertem Stein und Glas errichtet, ihr ursprüngliches Verwaltungsgebäude am Kaiserdamm hatte sie wegen (behaupteter?) Baufälligkeit aufgegeben. Am Rand der Stadtautobahn beherrscht die mächtige Epiphanienkirche das Bild. Nur der markante Turm war nach Kriegzerstörung erhalten geblieben, beim Neubau der Kirche wurde wegen der Stadtautobahn der Eingang zur Knobelsdorffstraße verlegt. Orgel, Harfe und alle anderen klassischen Instrumente, aber auch Saxophon oder Akkordeon erklingen hier wegen der guten Akustik bei vielen Konzertveranstaltungen.

Entlang des Horstweges erstreckt sich eine Wohnanlage, die ab 1907 von Paul Mebes für den Beamten- Wohnungsverein errichtet worden ist. Die Häuser umschließen mehrere offene Innenhöfe und sind jeweils individuell mit Erkern, Loggien oder Balkons ausgestattet, ihre Fassaden sind unterschiedlich gegliedert.

Auf dem Weg zum Klausenerplatz kommt man in der Danckelmannstraße am Ledigenheim vorbei, das als "Unterkunftshaus in erster Linie für unverheiratete junge Männer, die sonst auf Schlafstellen angewiesen sind", errichtet wurde. Damit wurde 1908 erstmals gegen einen Missstand der Mietskasernen angegangen, in denen viele Schlafburschen kein Zimmer, sondern nur schichtweise einen Schlafplatz für mehrere Stunden hatten, mehr konnten sie sich nicht leisten. Volksbücherei, Volksbadeanstalt und eine Volksspeisehalle sorgten im Ledigenheim für Lebensqualität. Den Namen "Bullenkloster" soll es bekommen haben, weil Frauen hier keinen Zugang hatten. 370 Bewohner fanden hier Platz, heute hält das Studentenwerk hier Zimmer für 150 Studenten bereit.

Der einbrechenden Dunkelheit ist es geschuldet, dass wir jetzt direkt den Klausenerplatz ansteuern und den Rundgang beenden. Wegen der Winterkälte waren wir in ein Cafe in der Seelingstraße eingekehrt, als wir aufgewärmt wieder ans Tageslicht traten, war der Tag zur Dämmerung übergegangen. Beim nächsten Spaziergang in diesem Kiez werden wir am Klausenerplatz anfangen (1).

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(1) Unser nächster Besuch am Klausenerplatz war im Juli 2014: Des Königs Garderegiment


Dreifache Luise
Militärkommando und Mediengarten