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Park des Vergnügens mit Havelblick


Stadtbezirk: Zehlendorf
Bereich: Glienicke
Stadtplanaufruf: Berlin, Königstraße oder Nikolskoer Weg
Datum: 19. April 2010

Innerhalb von 50 Jahren hat Peter Joseph Lenné rund um die Glienicker Brücke, von Sanssouci bis zur Pfaueninsel, eine Gartenlandschaft geschaffen, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. In diesem englischen Landschaftsgarten in Glienicke baute Karl-Friedrich Schinkel ein Gutshaus zum Schloss um und schaffte damit italienische Atmosphäre im märkischen Sand. Kein Wunder, dass für einen West-Berliner bis zur Wende der Glienicker Park "Potsdam-Ersatz" war. Dabei ist in der Nachkriegszeit nicht sehr liebevoll mit dem Schloss umgegangen worden, sondern entstellende Umnutzung, Vernachlässigung und Verfall waren an der Tagesordnung, erst nach der Wende erfolgte ein Umdenken.

In diesem Jahr wird des 100.Todestages von Königin Luise gedacht, die anmutig, klug und aristokratisch war und nach ihrem frühen Tod mit 34 Jahren fast ein Mythos wurde. Mit König Wilhelm III. hatte sie fünf Söhne, einer wurde deutscher König (Friedrich Wilhelm IV.), einer als Wilhelm I. mit der Reichsgründung 1871 deutscher Kaiser. Der dritte, Prinz Carl (auch Karl geschrieben), war Diplomat, Militär und Kunstsammler, interessiert an der Antike und der Archäologie. Er kaufte 1824 dem Staatskanzler von Hardenberg den Landsitz Glienicke ab und machte daraus ein "Freilichtmuseum" mit Plastiken, Reliefs, Architekturfragmenten. Er war ein begeisterter Sammler und brauchte immer wieder Platz für Neuerwerbungen.

Karl Friedrich Schinkel baute das bescheidene Gutshaus für Prinz Carl zu einem Schloss aus. Es war nicht für rauschende Feste angelegt, sondern für Treffen in kleinerem Kreis. Zwei goldenen Löwen und eine Fontäne stehen vor der Gebäudefront zur Straße hin, hier ist aber nicht der Eingang zum Schloss. Diesen findet man vielmehr, wenn man rechts davon durch ein gusseisernes Portal mit goldenen Greifen hindurchgeht, an der Seite des Schlosses in einem offenen Innenhof mit einem Laubengang. Gegenüber dem Schloss zur Havel hin steht die "kleine Neugierde". In diesem Teehaus konnten die adligen Herrschaften hinter Gardinen verborgen heimlich beobachten, wer auf der Chaussee nach Potsdam unterwegs war. Die Eigenart, auf ein Kissen im offenen Fenster gelehnt die Mitmenschen zu beobachten, kam wohl erst später auf.

Lenné hatte bereits für Hardenberg zwischen Gutshaus und Havel einen "Pleasureground" angelegt, weniger einen Vergnügungspark - wie man geneigt sein könnte, es wörtlich zu übersetzen - als ein optisches Vergnügen an der Landschaft. Prinz Carl beauftragte ihn, das Gut in einen Park umzugestalten. Vom Mitteltor aus konnte man jetzt mit der Kutsche auf dem Parkumfahrungsweg zu den wichtigsten Parkattraktionen fahren, zu denen im Lauf der Zeit Casino, Rotunde, Klosterhof, Gärtnerhaus, Maschinenhaus, Jägertor hinzukamen. Hinter dem Pleasureground entstand der Bergpark "Die Carpathen", eine Andeutung von alpenländischer Natur mit Schluchten und Berghängen.

Die Glienicker Brücke von Berlin nach Potsdam in der heutigen Form als Stahlträgerkonstruktion stammt von 1907. Den Vorgängerbau hatte Schinkel 1834 in Backstein errichtet, dafür waren rund 300 verschiedenen Ziegelformen notwendig. Die erste Brücke war eine Holzbrücke, die später zur Klappbrücke umgebaut worden war. Nur zeitweise befahrbar wie eine Klappbrücke war der Übergang zwischen der Stadt und dem DDR-Umland auch bis zur Wende. Die Brücke wurde nur für alliierte Fahrzeuge der Militärmissionen und für ganz wenige, aber dafür weltweit beachtete Agentenaustauschaktionen geöffnet. Von Potsdamer Seite bezeichnete eine Beschriftung sie zynisch als "Brücke der Einheit". Die Trennlinie auf der Hälfte der Brücke ist nicht mehr sichtbar, sie wurde durch eine neue Asphaltschicht ersetzt.

Auf der Potsdamer Seite der Brücke stehen Kolonnaden im Stil Gontards als Chiffren dafür, dass der Besucher sich jetzt der Hauptstadt nähert. Die Kolonnaden verweisen als Säulengänge auf die Umrandung antiker Versammlungsplätze genauso wie auf das hochherrschaftliche Promenieren an Ladenzeilen entlang. Nördlich der Brücke auf der Potsdamer Uferseite steht die Sacrower Heilandskirche, vom Schinkel-Schüler Ludwig Persius entworfen. Von weitem könnte man meinen, sie liege wie ein Schiff im Wasser. Südlich der Brücke sind das Babelsberger Schloss und das Dampfkraftwerk von Persius zu sehen, zu denen mich heute der zweite Teil dieses Spaziergangs geführt hat (siehe Bericht "Gute Taten im Türkischen Waisenhaus").


Gute Taten im Türkischen Waisenhaus
Merkwürdige Grenzverläufe