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Mit dem Boot zum Einkaufen fahren




Stadtbezirk: Tempelhof
Bereich: Hafen Tempelhof
Stadtplanaufruf: Berlin, Friedrich-Karl-Straße
Datum: 14. September 2009

Alte Bilder zeigen, wie früher Schiffe vom Ufer aus durch Kanäle und schmale Wasserläufe gezogen (getreidelt) wurden, mit Muskelkraft, mit Pferden oder mit Maschinen. Auch am Teltowkanal wurden Lastkähne mit Treidellokomotiven vom Ufer aus durch den Kanal manövriert. Der 37 km lange Teltowkanal wurde um 1900 als Verbindung der Dahme mit der Havel gebaut. Anfangs- und Endpunkt sind die Glienicker Lake bei Potsdam und die Dahme bei Grünau. Am Kilometer 23 - von Potsdam aus gezählt - wurde für den Güterumschlag im Süden Berlins der Hafen Tempelhof angelegt. Es gab eine "Leinpfadbrücke", über die die Treidellokomotive fuhr. Der Treidelpfad hatte mehrere Namen, eben Leinpfad und im sächsischen Bomätscherpfad, abgeleitet von dem tschechischen oder böhmischen oder sorbischen Wort für helfen (pomhac, pomáhat).

Das Lagerhaus Tempelhof erhielt eine ausgeklügelte Logistik für den Getreidespeicher. Mit einem Becherwerk, also einem Förderband mit Behältern, hob man das Getreide aus dem Schiffsbauch bis zum vierten Geschoss des Lagerhauses. Von dort aus fiel es automatisch auf eine Waage im dritten Stockwerk. Danach durchlief es im zweiten Geschoss eine Reinigungsanlage. Schließlich kam es durch schräge Fallrohre in den Keller. Nachdem das Getreide so einmal von oben bis unten das Haus durchlaufen hatte, wurde es mit Becherwerken erneut bis ins Dachgeschoss gebracht. Dort kam das Korn durch Trichter auf Bandförderanlagen, die es zur endgültigen Lagerstätte transportierten.

Eigentümer des Teltowkanals und des Hafens war die reiche Gemeinde Teltow, die dem Ruf Berlins zur Großgemeinde 1920 widerstanden hatte. So teilten sich dann nach der Wende unerwartet drei Brandenburger Landkreise die Verantwortung für den Hafen und seine Nachnutzung (Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming, Potsdam-Mittelmark). Im April 2009 wurde das von einem Investor gebaute Handels- und Dienstleistungszentrum eingeweiht.

"Berlins einziges Einkaufszentrum, in das man auch mit dem Schiff kommen kann": Dieser Spruch wirkt im Herbst 2009 etwas sehr vollmundig, denn die Hafenseite des Einkaufzentrums ist unbelebt und schläfrig. Unter den markanten Kränen, die auf Gleisen entlang fahren könnten, wenn sie noch in Betrieb wären, sind Andeutungen einer gastronomischen Nutzung der Wasserseite zu erkennen. Viele Schiffe ankern hier nicht, aber Bagger stehen zwischen Sandbergen und lagernden Baustoffen. Shopping spielt sich auf der Straßenseite ab, von dort wird das alte Lagergebäude von einem modernen Einkaufscenter umklammert. Ob das Lagergebäude im Innern mit in das Center einbezogen wurde, können wir nicht sehen.

Wenn man auf den Tempelhofer Hafen schaut, sind zwei markante Gebäude immer im Blick: Die 1916 errichtete Fabrik für Fernmeldeanlagen der Lorenz AG und das Ullsteinhaus mit seinem weithin sichtbaren Turm, 1925 von Eugen Schmohl erbaut. Er entwarf mit dem Borsig-Turm Berlins erstes Hochhaus. Unseren Rundgang um das Ullstein-Haus habe ich bereits 2005 beschrieben --> (1)

Am Landwehrkanal ankert der erste Berliner Wasser-Wohntraum: Von der Terrasse eines schwimmenden Hauses kann man dort direkt ins Wasser springen. 105 Quadratmeter Wohnfläche, veränderbar im Lego-Prinzip, außen aluminiumbeschichtet, mit Fußbodenheizung, Kaufpreis 400.000 Euro. Die Eigenheimbesitzer können sich theoretisch überall niederlassen, wo es ihnen gefällt, wenn das dem Wasserschifffahrtsamt, dem Grünflächenamt, der Bezirksverwaltung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auch gefällt. Kommt diese Wohnform an, dann wird vielleicht auch einmal im Hafen Tempelhof ein Wohntraum anlegen.

Nach einem kleinen Bogen über durch das Gebiet auf der anderen Seite des Tempelhofer Damms kehren wir in Alt-Tempelhof bei einem echten Italiener ein und werden hier gut bedient.
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Hier ist der Besuch im Ullstein-Haus:
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