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PLOBS ist auf der Höhe der Zeit


Stadtteil: Reinickendorf
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt-Reinickendorf
Datum: 28. November 2006

PLOBS - das ist die respektlose Abkürzung der Paul-Löbe-Oberschule, deren Backsteinbau an der Aroser Allee weithin sichtbar ist. Und es ist die Abkürzung für die Schülerfirmen, die mutig der Wirtschaft Paroli bieten mit folgenden Unternehmen: Cafeteria, Deko & Design, Foto Factory, Paper & Co, Möbel & Design, Pauls Skikeller, Schilder & Design, Textilwerkstatt. Vielleicht ist, wenn Sie dies lesen, schon wieder eine neue Schülerfirma entstanden, schauen Sie doch einfach mal auf die Homepage der umtriebigen Plobs-Schüler. Klar, dass die Schüler beim Projekt der Berliner Zeitung "Jugend und Schule" ausgeschwärmt sind und in Zeitungsartikeln berichten über ihre Besuche auf dem Flughafen, im Abgeordnetenhaus, auf der Grünen Woche und beim Recyclinghof.

Die Mark-Twain-Grundschule erklärt ihren Schülern auf der Website als Heimatkunde-Unterricht unser heutiges Flanierziel so: "Reinickendorf wurde erstmalig am 6.5.1345 erwähnt. Es war ein Bauerndorf und bestand aus dreizehn kleinen Höfen. Der Vorsteher des Ortes wurde damals Dorfschulze genannt, heute würden wir ihn Bürgermeister nennen. Der Dorfschulze war auch Besitzer des Dorfkrugs, der heute Dorfgaststätte heißen würde. Der Krug brachte gute Einnahmen, da er sich an der Heerstraße nach Mecklenburg befand. Die meisten Äcker der Reinickendorfer Bauern hatten einen schlechten Boden, denn sie waren sandig. Ansonsten gab es viel Sumpf: die Peckwisch zwischen Roedernallee und Nordbahn, westlich vom Schäfersee waren Wiesen. Den alten Ortskern finden wir heute in der Straße Alt-Reinickendorf ganz in der Nähe vom Paracelsusbad. Erst als in Berlin kein Platz für weitere Industrieansiedlungen mehr war, begann Reinickendorf zu wachsen."

Der ursprüngliche Ort Reinickendorf bestand aus dem Dorf, einem Viehhof und einer Schäferei (daher der "Schäfersee" an der Reinickendorfer Straße) und gehörte seit jeher mit kurzer Unterbrechung der Gemeinde Berlin. Ab 1775 siedelte sich Industrie hier an: eine Papiermühle, eine Getreidemühle, eine Steinpappenfabrik. Steinpappe ist "eine Masse aus aufgeweichtem und zerkleinertem Papier, angemacht mit Leimwasser und versetzt mit Thon und Kreide (auch Leinöl), dient zu Reliefornamenten. Steinpappe, welche eine Unzerstörbarkeit, gleich einem Steine besitzt", wurde industriell als feuerfestes Baumaterial verwendet, z.B. ab dem 19. Jahrhundert als Dachdeckmaterial (Dachpappe, Steinpappdächer), man nahm es aber auch für die Herstellung von Puppenköpfen.

Eine mittelalterliche Feldsteinkirche steht auf dem in seiner äußeren Struktur erhaltenen Reinickendorfer Dorfanger. Der Kirchturm, der in der Dunkelheit so schön angestrahlt ist, wurde erst im 18. Jahrhundert angebaut. Auch das Rathaus von 1885 ist erhalten geblieben, es steht direkt gegenüber der Kirche. Einzelne Häuser von Kossäten (die eine Bauernkate mit wenig Land besaßen) und Büdnern (die nur eine "Bude", aber kein Land hatten) stehen noch an der Dorfaue.

Als der Friedhof auf dem Dorfanger zu klein wurde, hat man ihn zur Brusebergstraße verlegt. Dort ist ein Grabdenkmal aufgestellt, das Reinhold Begas im Auftrag des Eisenbahnkönigs Bethel Henry Strousberg für dessen früh gestorbenen Sohn entworfen hat. Strousberg ging pleite, bevor die Bronzeplastik gegossen werden konnte. Begas zeigte sie dann auf der Weltausstellung 1900 in Paris, anschließend kaufte sie die Stadt Berlin und stellte sie hier unter eine von Richard Ermisch errichtete Pfeilerhalle aus roten Klinkern.

Am Ende Straße Alt-Reinickendorf haben wir ein Lokal entdeckt in einem frei vor der Blockrandbebauung stehenden alten Büdnerhaus, es lädt uns zum abschließenden Flaniermahl ein. Wir werden ungewöhnlich aufmerksam und freundlich begrüßt und verabschiedet, so als seien hier immer noch dörfliche Sitten üblich.

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> Die Fotos wurden überwiegend im Februar 2012 aktualisiert
> mehr über den Eisenbahnkönig Strousberg: Strousberg, Eisenbahnkönig
> mehr über Reinhold Begas: Begas, Reinhold
> mehr über Richard Ermisch: Ermisch, Richard

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> Nachtrag: Schon am Dorfanger wird man auf die südlich des Dorfes liegende "Weiße Stadt" hingewiesen, die inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Einen Spaziergang zu dieser Reformsiedlung der 1920er Jahre finden Sie hier:
Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft


Wir kommen aus Dalldorf