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Stadtteil: Pankow
Bereich: Prenzlauer Berg
Stadtplanaufruf: Berlin, Senefelderplatz
Datum: 20. März 2006

"Ach lieber Vater Hinkeldey,
mach' uns für die Pinkelei
doch bitte einen Winkel frei."

Der damaligen Berliner Polizeipräsidenten von Hinkeldey wurde um 1850 von den Berlinern mit diesem Spottvers bedacht, weil er im Gegensatz zu anderen Großstädten die Einrichtung öffentlicher Bedürfnisanstalten nicht für nötig hielt und dann später mit dem Druckereibesitzer Ernst Litfaß vereinbarte, dass in 30 von 180 seiner Anschlagsäulen Pissoirs eingebaut werden sollten. Allerdings kam es nie zur Einrichtung der Litfaß-Pissoirs - Hohn und Spott der Presse und die Proteste der Nachbarschaft waren zu groß. Doch 1863 wurden dann die ersten richtigen Pissoirs wurden in Berlin aufgestellt. Eines davon steht heute noch am Senefelderplatz in Berlin.

Der Senefelderplatz ist heute eigentlich kein Platz mehr, sondern eine vergrößerte Verkehrsinsel, um die der Verkehr von Schönhauser Allee und Kollwitzstraße tobt. Und Alois Senefelder - bzw. sein Denkmal - ist noch im Winterschlaf, eingehüllt in einen pyramidenartigen Überzug. Er war ein fauler, schriftstellender Jurastudent, der für die Vervielfältigung seiner Stücke mal kurz den Steindruck (Lithografie) erfand. Senefelder taufte seine Erfindung "Chemische Druckerey". Der Grundgedanke ist einfach und revolutionär zugleich: Weil sich Wasser und Fett abstoßen, präparierte er eine völlig plane Steinplatte, so dass er die gewünschten Schriftzüge und Bildmotive seitenverkehrt mit fetthaltiger Kreide oder Tusche direkt auf den Stein auftragen und anschließend mit Wasser befeuchten und fetthaltige Farbe aufbringen konnte. Die Farbe blieb natürlich nicht auf der nassen Oberfläche des Steins haften, wohl aber im Bereich der fetthaltigen Striche seiner Zeichnung.

Wir stehen hier am Fuß des Prenzlauer Berges. Auf der Schönhauser Allee gegenüber liegt der "Pfefferberg", die von dem bayrischen (!) Braumeister Joseph Pfeffer gegründete Brauerei, die sich durch weitläufige Gewölbe und Kelleranlagen auszeichnete, deren Gewölbehöhe für Berlin einmalig ist. Auf der anderen Seite des Senefelder Platzes an der Saarbrücker Straße lag die Königstadt Brauerei. Auch hier sind unterirdische Bauwerke ein Zeugnis der Industriekultur, die zuweilen in Führungen begangen werden können. Eine Genossenschaft von kleinen Unternehmen hat das Ensemble so stilgerecht saniert, dass man an der Saarbrücker Straße überrascht den stilvoll angestrahlten Bau wie eine Fata Morgana hinter den Vorderhäusern auftauchen sieht. Wenn die Bebauung einen Blick in die Ferne freigibt, kommt der Fernsehturm ins Bild.

Und dann wird als nächster Höhepunkt nebenan in der Saarbrücker Straße die Backfabrik sichtbar. Hier hatte um 1900 Aschinger sein Hauptquartier, mit Erbsensuppe und Schrippen einer der ersten Fastfood-Lieferanten Berlins, der nicht nur seine eigenen Läden, sondern auch die Eckkneipen belieferte. Ab 1947 wurde die "Ostschrippe" hier hergestellt, die VEB Bako stellte riesige Backmaschinen auf und backte Schrippen über Schrippen. Nach der Wende versuchte sich der glücklose Horst Schießer hier (derselbe, der die gewerkschaftseigene Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat" für eine Mark kaufen wollte) und er scheiterte auch hier. Heute geben Dienstleistungsunternehmen den Ton an, ein Möbelladen hat mehrere Flächen belegt, und das ganze strahlt Kraft und Zuversicht aus.

Ganz benommen von diesen hier nicht erwarteten Highlights beobachten wir auf unserem weiteren Rundgang im südlichen Prenzlauer Berg-Quartier Filmaufnahmen, das Licht wird von einem Kranaufbau aus an die Hauswand geworfen.

In der Kollwitzstraße, wo wir den Rundgang beenden wollen, sind die Lokale rappelvoll. Im "Gugelhof" (Sie erinnern sich an den Besuch des amerikanischen Präsidenten: "Hi, I'm Bill", soll er beim Hereinkommen zum Zapfer hinter der Theke gesagt haben) wartet man an der Theke, bis ein Platz frei wird. Wir essen statt dessen ganz nett bei einem Italiener etwas weiter nördlich, der noch freie Tische hat.

16.7.2009, NACHTRAG: Im Sommer ist das Senefelder-Denkmal sichtbar. Der Erfinder sitzt mit einer Druckplatte auf dem Podest. Am Sockel schreibt eine Putte in Spiegelschrift (wie bei der Lithografie) seinen Namen, eine andere liest das geschriebene in einem Handspiegel.





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