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Flussgötter auf den Kolonnaden


Stadtteil: Mitte
Bereich: Friedrichstadt
Stadtplanaufruf: Berlin, Mohrenstraße
Datum: 13.September 2015
Bericht Nr.: 522b

Als Berlin eine Festung war, umfloss ein Festungsgraben die sternförmig um die Residenzstadt angeordneten Mauern und Bastionen. Der südwestlich um Cölln herum angelegte Wasserarm floss bald nicht mehr, er wurde zum "stinkerigen Graben". Außerdem behinderte die Festung den Zugang zur Stadt, deshalb legte man Brücken an, die als Kolonnaden ausgestaltet wurden. Die Mohrenbrücke baute Carl Gotthard Langhans 1787 zu einer Brückenhalle um, mit Kolonnaden, die die Sicht zum Graben verbauten und sich stattdessen mit Ladengeschäften zur Straße hin öffneten. Der Graben ist längst zugeschüttet, aber die Kolonnaden flankieren noch immer am ursprünglichen Ort die Straße. Sie wurden rückwärtig mit Häusern ergänzt, eines dieser Häuser ist der Prausenhof, in dem heute das Justizministerium sitzt.

Die Königskolonnaden, die am Alexanderplatz auf der Königsbrücke über dem Festungsgraben standen, sind in den Kleistpark abgewandert. Von den Spittelkolonnaden an der Gertrauden-Bastion steht jetzt ein Rest an der Leipziger Straße. An der Glienicker Brücke empfangen auf Potsdamer Seite Kolonnaden den Besucher der Hauptstadt und stimmen ihn auf seine Bauten ein.

Die Mohrenkolonnaden bestehen aus Doppelsäulen, auf denen Rundbögen ruhen. Schwungvoll schließen sie an den Enden mit einem Viertelkreis ab. Das Wasser als Thema des Festungsgrabens taucht in allen Figuren oben über den Giebeln wieder auf. Die (damals) vier Erdteile werden durch Flussgötter verkörpert, bärtige liegende Gestalten, aus deren Attributen man ablesen kann, wohin sie gehören. Nur die weibliche Donau als Verkörperung Europas fällt aus diesem Ordnungsprinzip heraus. Der Nil mit einer Sphinx steht für Afrika, der Ganges mit einem krokodilähnlichen Wesen für Asien, und für Amerika liegt der Rio-de-la-Plata-Flussgott auf dem Dach.

Über der Mitte der Bauten gießen weibliche Wesen Wasser aus Karaffen. Es sind Havel und Nuthe auf der einen Seite und Spree und Oder auf der anderen. Warum mag wohl die unbedeutende Nuthe wichtiger gewesen sein als die Spree? Johann Gottfried Schadow war noch sehr jung, als er den Auftrag nach dem Tod seines Lehrmeisters weiter führte, deshalb spricht man heute vorsichtig davon, die Skulpturen seien "aus der Werkstatt von Schadow". Die Dreiecksgiebel wurden von einem anderen Künstler gestaltet. Hier wird Merkur, der Gott des Handels einmal mit dem Wassergott Neptun dargestellt und einmal mit Pluto, der für Reichtum steht.

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DENKMALTAG
Am Denkmaltag 2015 habe ich drei ganz unterschiedliche Ziele besucht. Die beiden anderen sind
> die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Mariendorf und
> der Schiffbauerdamm.
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Der volle Ernst
Brandenburger Tor fährt durch die Nacht