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Christlicher Garten (geplant)


Stadtbezirk: Marzahn
Bereich: Gärten der Welt
Stadtplanaufruf: Berlin, Eisenacher Straße (Marzahn)
Datum: 19. September 2011

Unser heutiger Besuch in den Gärten der Welt in Marzahn gilt dem Christlichen Garten, der im Frühjahr eröffnet wurde, als bereits folgende Gärten Gartenkunst aus aller Welt zeigten: Chinesischer, Japanischer, Balinesischer, Koreanischer, Orientalischer und Italienischer Garten.

Begeistert berichtet der Park auf seiner Homepage von der großen Resonanz, die der Christliche Garten bei den Besuchern gefunden hat. Die großzügige Anlage entführt den Besucher in ein Kloster. Inmitten der Wandelgänge liegt der Kreuzgang in einem begehbaren Park. Man kann das Kreuz erwandern, Bänke laden dazu ein, die sakrale Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Obwohl man einen Kreuzgang mit Wandelgängen hätte baulich nachempfinden können, hat man sich entschlossen, eine künstlerische Überhöhung zu schaffen, die aber mit dem Baustoff Backstein einen deutlichen Bezug zu historischen Anlagen herstellt und ihnen vom Raumempfinden her entspricht. Buchstabenwände mit Bibelzitaten sind aus einem Metall gegossen, das bestimmungsgemäß rosten soll und damit die Jahrhunderte umfassende Geschichte christlicher Bauwerke als ständigen Prozess darstellt, an dem der Besucher teilhaben kann.

So hätte es sein können, doch - leider - das habe ich alles erfunden, die Realität sieht bitter anders aus. Auf der Hauptseite der Park-Homepage (Stand 19.9.2011) steht nur lapidar: "In Planung: Christlicher Garten". Auf dem Plan des Parks gibt es wenigstens schon den "Christlichen Garten (im Bau)". Hallo - der Garten ist seit April 2011 geöffnet, aufwachen! Aber vielleicht zeigt das Parkmanagement den neuen Garten gar nicht so gern vor, bleibt er doch erschreckend hinter den bisher geschaffenen Gärten zurück.

Großzügige Anlagen, in denen man sich ergehen kann, die atmosphärisch ihr Thema an den Besucher heranbringen, ihn einladen, darin spazieren zu gehen - für den Christlichen Garten trifft das nicht zu. Auf engem Raum eingequetscht zwischen hohen Büschen, bietet er tunnelartige Buchstabenwände und -decken aus goldfarbenem Metall, die Böden sind granitgrau. Kein Raumempfinden wie in einem Wandelgang mit Gewölben, viel zu eng für Mönche in ihrem Zwiegespräch mit Gott. Von Material und Farbe her keine Beziehung zu Klosterbauten. Was haben goldfarbene Schriften und Granitböden für eine Beziehung zu Kreuzgängen? Das Kreuz inmitten der Anlage kann man nicht richtig sehen und schon gar nicht erwandern, der Innenraum darf nicht betreten werden. Das ist praktisch für das Parkmanagement - man spart sich Personal, das beispielsweise beim Orientalischen Garten eingesetzt wird, um Besucher von Eingriffen in diesen eindrucksvollen Ort abzuhalten. Mehrfach gehen wir durch die Buchstabentunnel, versuchen die christlichen Zitate zu lesen, stehen vor der Absperrung des Innenraums, um einen Blick auf das Kreuz zu bekommen und auf die Pflanzen, die es verdecken.

Dass dieser Garten auch sprachlich außerhalb der übrigen Parkanlage steht, ist nur konsequent, wenn auch befremdlich. Anstatt „Kloster“, "Kreuz" oder "Kreuzgang" im Namen aufzunehmen, wurde die christliche Religion zur Benennung herangezogen. Ein Bezug, den man beim Orientalischen Garten ausdrücklich abgelehnt hat, der auch "Islamischer Garten" hätte heißen können. Schade, dass der Kreuzgang-Garten so wenig Positives vom Klosterleben berichten kann und dass auch noch der christliche Glauben als eng, unnahbar und geschichtslos assoziiert wird. Aber es gibt ja noch andere Gärten, die Heiterkeit, Großzügigkeit, Naturverbundenheit ausstrahlen, und so machen wir uns auf den Weg, das eben gesehene zu verwinden, indem wir es überwinden.

Wenn man im Italienischen Garten aufblickt, zeigen sich am Horizont einzelne Hochhäuser - man ist in Marzahn. An anderer Stelle im Park blickt man auf den "himmelnahen Balanceakt" von Hubertus von der Goltz. In meinem Marzahn-Bericht (--> 1) steht näheres dazu.

Der Chinesische Garten interessiert mich heute besonders, weil ich nach zwei Chinareisen einen kleinen Eindruck des Landes gewonnen habe und auf den Wiedererkennungseffekt gespannt bin. Von der Natur seltsam bearbeitete Steine, die aus China hierher gebracht wurden, erinnern daran, dass außergewöhnliche Steinformationen wie beispielsweise in den Gelben Bergen bei Huangshan für die Chinesen ein Heiligtum sind. Ähnliche Steingebilde wie hier im Park finden sich im Yu-Garten in Shanghai. Muster im Pflaster aus verschiedenfarbigen Kieseln und Steinen unterschiedlicher Größe haben entsprechende Vorbilder in chinesischen Tempeln. Pagoden sind nicht nur ästhetische Gebilde wie hier im Park, sondern sakrale Orte (beispielsweise am Longhua-Tempel in Shanghai).

Im Labyrinth merkt man, ob man wirklich einen so guten Orientierungssinn hat, wie man glaubt. Man sollte den Plan am Eingang wenigstens fotografieren, um mit Hilfe des Kameradisplays im Notfall den Ausgang wieder zu finden. Der Ausgang aus dem Park selbst ist natürlich ausgeschildert, diesen Wegweisern folgen wir und lassen die heutigen Merkwürdigkeiten hinter uns.

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(1) Unser Spaziergang in Marzahn: Neue Urbanität am Plattenbau
Alle Besuche in den Gärten der Welt finden Sie hier: Gärten der Welt (Marzahn)


Neue Urbanität am Plattenbau
Haltestelle an der Preußischen Ostbahn