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In Friedrichshain wurde nicht nur gebraut



Stadtbezirk: Friedrichshain
Bereich: Petersberger Platz, Landsberger Allee, Volkspark Friedrichshain
Stadtplanaufruf: Berlin, Petersberger Platz
Datum: 5. Mai 2008

"In Friedrichshain wurde nicht nur gebraut, sondern auch gesoffen", heißt es in einem Bericht über eine Ausstellung 1999 im Heimatmuseum Friedrichshain. Im Bezirk gab es 3 große Brauereien, eine davon auf der Friedrichshöhe gegenüber dem Volkspark Friedrichshain. Der Münchener Georg Patzenhofer braute hier seit 1855 dunkles Bier nach fränkischem Vorbild, das bald der Berliner Weiße den Rang ablief. Eine weitere Brauerei hatte sich auf Malzbier spezialisiert, und schließlich gab es ein Böhmisches Brauhaus.

Die Gewerkschaften riefen 1894 im Ringen um den arbeitsfreien 1.Mai zum Bierboykott auf, weil Großbrauereien ihre Böttcher ausgesperrt hatten. Der Boykott ließ sich aber nicht lange durchsetzen, schließlich gehörte das Biertrinken zur Alltagskultur, bereits seit dem Mittelalter war Bier eine Art bürgerliche Nahrung. Gastwirtschaften waren bei den beengten Berliner Wohnverhältnissen ein "erweitertes Wohnzimmer", Versammlungen, politische Veranstaltungen und Volksfeste fanden in Wirtshaussälen oder Biergärten statt.

Wir waren am Montag Abend eigentlich nach Hellersdorf unterwegs, bekamen aber die letzten Auswirkungen des BVG-Streiks zu spüren, die U-Bahnen fuhren nur in großen Abständen. So stiegen wir am Frankfurter Tor aus der Hönower U-Bahn aus und lenkten unsere Schritte Richtung Volkspark Friedrichshain, vorbei am Petersberger Platz mit der Pfingstkirche, einem neugotischen Bau, der in die Häuserfront eingefügt ist.

Die Straße "An der Brauerei" leitete uns zum Gebäude der ehemaligen "Actienbrauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe vorm. Patzenhofer", und damit waren wir mitten in der Brauerei-Geschichte des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Auf dem Grundstück Landsberger Allee Ecke Richard-Sorge-Straße stehen die Reste der ab 1877 errichteten Brauerei mit Malztrockenhaus (Darre), Mälzerei, Lagerkellern, Sudhaus und Biergarten. Der Eckbau ist ein klassizistischer Bau mit Terracottaschmuck, ein Verwaltungsgebäude (Comptoirhaus), das gleichzeitig als Wohnhaus diente.

1920 fusionierte die Patzenhofer-Brauerei mit Schultheiss zu einer der bedeutendsten Brauereien Europas. Die Anlagen waren bis 1990 in Betrieb, dann wurden sie zum Teil abgerissen und gesprengt. Das Eckhaus und die halbblinde Fassade des Sud- und Lagerhauses stehen noch auf der Friedrichshöhe und werden hoffentlich denkmalgeschützt überdauern, bis vielleicht irgendwann eine sinnvolle Nutzung realisiert werden kann. Von den geplanten "Schultheiss-Passagen" ist jedenfalls nebenan erst ein Kino verwirklicht, auf die ebenfalls geplante Ansiedlung von Lidl ("Faltschachteln des Billigkonsums") könnte man aus Sicht der Stadtbildpflege gern verzichten, und weitere Aktivitäten ruhen zur Zeit.

Mit dieser Entdeckung ist unser heutiger Rundgang aber noch nicht abgeschlossen. Den Volkspark Friedrichshain durchqueren wir bis zum Märchenbrunnen, dessen Skulpturen auf Märchen der Gebrüder Grimm verweisen. Der 1913 fertiggestellte und um 1960 nach Kriegsbeschädigungen vereinfacht wieder aufgebaute Brunnen ist gerade erst nach Vandalismusschäden im letzten Jahr wieder hergestellt worden, und schon sind neue Beschädigungen sichtbar. Mit Zäunen wird man das nicht verhindern können, ein neues Bewusstsein, ein neuer Gemeinsinn ist hier gefordert.

Mit diesen Gedanken schließen wir in einem Lokal an der Käthe-Niederkircher-Straße unseren Spaziergang ab.


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