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Auf Treppen flanieren - Scalalogie


Gehen, laufen, rennen, flanieren - wenn man sich 'vorwärts' bewegt, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Aber wie ist es, wenn man 'aufwärts' geht, über eine Treppe nach oben kommt? Mit der Treppenforschung (Scalalogie) haben sich unabhängig voneinander zwei ältere Fachleute beschäftigt, die sich sehr ähnlich sind, offensichtlich ohne voneinander Notiz zu nehmen (vermutlich: nehmen zu wollen). Jeder der beiden ist Vorsitzender eines eigenen Vereins, in dessen Namen der Begriff "Scalalogie" vorkommt, beide sind im Rentenalter, erforschen Treppen mit Leidenschaft und schreiben Bücher darüber. Wolfgang Diehl, der Jüngeren der beiden, ist Inhaber eines Treppenbaubetriebes. die Zahl seiner Publikationen hält sich mit vier in einem überschaubaren Rahmen. Prof. Dr.-Ing. Friedrich Mielke gilt als Erfinder der Treppenfoschung, er arbeitet von zu Hause aus und gibt gerade das 19.Buch ("Wilde Steige") heraus. Ironie des Schicksals: Prof. Mielke kann die Treppe zu seinem Arbeitszimmer nur noch per Treppenlift überwinden, im Krieg hat er ein Bein verloren, hat aber lange dem Rollstuhl getrotzt. Mielke war Hochschullehrer in Berlin und Denkmalschützer in Potsdam.

Die Potsdamer Fachhochschule soll seine umfangreiche Bibliothek zur Scalalogie erben. Andererseits will er der Stadt Potsdam ein Denkmal zur deutschen Einheit schenken, das - wen wundert's - die Form einer Treppe haben soll. Ist man - ob Ossi oder Wessi - auf dieser Wendeltreppe bis oben gestiegen, trifft man auf den Bundesadler, der über der Treppe thront, danach geht es nicht mehr weiter (ein Symbol?). Mielkes Entwurf muss unverändert verwirklicht werden, Änderungen sind "nur mit Genehmigung von Prof. Dr. Ing. Mielke" zulässig, erklärt Prof. Dr. Ing. Mielke wörtlich.

Die Bibliothek will man in Potsdam gern haben, zu dem Denkmal äußert man sich vorsichtig distanziert. Mielke will damit an die Glienicker Brücke. Eine Abgeordnete aus dem Potsdamer Kulturausschuss gibt zu bedenken, ob das Denkmal wirklich sieben Meter hoch sei müsse und fragt sich, wo man in Potsdam einen passenden Standort finden könne. Bürgermeister Jakobs wiederum meint, das Werk solle "der Nachwelt erhalten bleiben", es sei "für Potsdam ein großer Gewinn", "vorübergehend" könne man es auf dem Bassinplatz aufstellen.

Das geplante Berliner Einheitsdenkmal für den Schlossplatz stellt das Thema in einen vielschichtigen historischen Kontext, ist aber ebenfalls nicht unumstritten. Der Sockel des zerstörten Kaiser-Wilhelm-Denkmals soll eine bewegliche, 50 Meter lange Schale aus Glas und Metall tragen. Bewegen sich Besucher auf dieser Schale, so gibt sie wie eine Wippe leicht nach, ein Symbol dafür, "wie Menschen in Bewegung die Welt verändern können" (Sascha Waltz).

Einige Berliner Treppen, die uns bei den Spaziergängen begegnet sind, finden Sie in der Bildergalerie. Treppen als Metaphern gibt es öfter, beispielsweise die "Himmelsleiter". Aber manchmal geht es oben am Ende der Treppe nicht weiter. Kurt Tucholsky hat kurz vor seinem Tod (Selbstmord?) eine Treppe aus drei Begriffen skizziert, die seine Aussichtslosigkeit zeigt: aus 'Sprechen' wird 'Schreiben', auf der nächsten Stufe kann er aber nur noch 'Schweigen' - für immer.

Und es gibt den Treppenwitz, ursprünglich ist das nach Diderot der geistreiche Gedanke, der jemandem erst beim Hinausgehen auf der Treppe einfällt, wenn es zu spät ist, damit zu glänzen. Heute ist 'Treppenwitz' mehr der schlechte Scherz, den die Geschichte uns spielt. Dagegen sind gute Witze, die sich um eine Treppe ranken, Mangelware.

6. Februar 2012
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mehr zur Scalalogie und über Treppen: Ein unten gelegenes mit einem oberen verbinden


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Ein spiritueller Flaneur