Bezirke
  Stadtplan     Personen     Themen     Aktuell     Forum  
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Lichtenberg
Marzahn-Hellersdorf
Mitte
Neukölln
Pankow
Reinickendorf
Spandau
Steglitz-Zehlendorf
Tempelhof-Schöneberg
Treptow-Köpenick
Allgemein:
Startseite
Ich bin NEU hier
Hinweise
Kontakt
Impressum
Links
SUCHEN
Sitemap

Abendstimmung am Britzer Zweigkanal


Stadtteil: Treptow-Köpenick
Stadtplanaufruf: Berlin, Baumschulenstraße
Datum: 24. April 2006

Wir wollen uns den S-Bahnhof Baumschulenweg ansehen, bevor die Bahn ihn beim Ausbau der Trasse zum neuen Flughafen Schönefeld abreißt und unter Verwendung einiger alter Elemente etwas zur Straße versetzt völlig neu aufbaut (1). Die Jugendstilfassade des Bahnhofs soll erhalten bleiben, der bisher schon ungenutzte Bahnsteig der Fernbahn wird nicht wieder entstehen. Hier bündeln sich 5 S-Bahn-Linien, genau so viele wie am Ostbahnhof oder Alexanderplatz. Richtung Süden geht es bis nach "KW" (Königs-Wusterhausen) oder eben nach Schönefeld.

Der Name "Baumschulenweg" verweist auf die Späth'schen Baumschulen, die 1863 hier angesiedelt wurden, nahe dem Gut Mariental, an das ein Straßenname noch heute erinnert. 1890 wurde an der Bahn nach Görlitz eine Haltestelle errichtet, aus der später der Bahnhof Baumschulenweg wurde.

Die Umgebung des Bahnhofs bietet uns einige architektonische Überraschungen: Im Block Behringstr./Marientaler Str./Kiefholzstr./Baumschulenweg finden wir restaurierte Häuserzeilen, die die Handschrift mehrerer Architekten zeigen und in ihren Schmuckelementen zum Teil an Holländische Häuser, zum Teil an Burgen erinnern. Viel ist mit Backstein experimentiert worden. Die Berliner Baugenossenschaft als Terraingesellschaft hat hier Reihenhäuser für "Minderbemittelte" gebaut. Einer der Architekten war Gabriel Wohlgemuth, der Vorsitzende der Baugenossenschaft. In der Behringstraße entstand ebenfalls kurz vor 1900 ein Mietshauskomplex von einem Architekten für unterschiedliche Bauherren.

Gegenüber an der Ecke der Köpenicker Landstraße, die den Nordsüdverkehr zum Stadtzentrum Ost, nach Adlershof und Schönefeld bewältigen muss, findet sich ein weiteres architektonisches Meisterwerk, das 1929 von Rudolf Henning geschaffene Ensemble mit abgerundeter Ecke an der Baumschulenstraße. Henning gehörte mit Bruno Taut, Walter Gropius, Max Pechstein, Emil Nolde, Lyonel Feininger u.a. zum "Arbeitsrat für Kunst", der in der jungen Weimarer Republik Architektur und Kunst verbinden und der breiten Bevölkerung nahe bringen wollte. Das Gebäude umschließt den Block vollständig, der Innenhof ist hermetisch abgeschottet. Trotzdem konnte ich einen Pizzabäcker an der Ecke Neue Krugallee dazu bewegen, mir das Tor zum Hof aufzuschließen. Das gab mir die Möglichkeit, die Ruhe in diesem außen verkehrsumtobten Kleinod zu genießen.

Parallel zur Baumschulenstraße verläuft der Britzer Zweigkanal (heute Verbindungskanal), der nördlich der Köpenicker Landstr. in die Spree mündet. Wir haben die Abendstimmung unter den filigranen Strommasten auf uns wirken lassen, bevor wir die Gastronomie in Kreuzberg studierten, weil uns die Pizzeria mit 50% Ermäßigung in der Seitenstraße des Baumschulenstr. gar zu abgestanden roch.

----------------------------------------------------------
(1) Nach dem Umbau haben wir Baumschulenweg noch einmal besucht: Ein Weg wird zur Straße

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Ein marginaler Stadtteil
Fanny Zobel und der Club Q3A