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Die erste preußische Chaussee


Stadtteil: Zehlendorf
Bereich: Zehlendorf-Mitte
Stadtplanaufruf: Berlin, Teltower Damm
Datum: 16. Oktober 2007

Eine Straße "Alt Zehlendorf" sucht man vergebens, auch wenn das Dorf Cedelendorp bereits 1262 dem Kloster Lehnin gehörte. Es gab hier kein Gutshaus, aber seit kurz vor 1800 die erste preußische Chaussee zwischen Berlin und Potsdam. Zehlendorf lag auf halbem Weg zwischen Berlin und Potsdam, hier gab es schon frühzeitig eine Poststation mit "Ausspannung", in der die Pferde gewechselt werden konnten. Vielleicht ist das repräsentative Postamt am Ende der Martin-Buber-Straße ein Nachfolger der alten Poststation.

Die erste preußische Chaussee (1) wurde ab 1788 als Verbindung zwischen den beiden Residenzstädten Berlin und Potsdam gebaut. Es war eine "Steinbahn" mit einem Fundament aus Steinen und einer Oberfläche aus Kies und Schottern. Bevor man mit dem Bau begann, schickte man einen Spion auf dienstliche Erkundungsreise. Zwischen Prag, Wien, Konstanz, Straßburg, Hannover und Magdeburg studierte er den Chausseebau, dann konnte es losgehen. Die Baukommission wurde von Carl Gotthard Langhaus geleitet, dem Erbauer des Brandenburger Tores. In mehreren Etappen entstand die Chaussee zunächst auf vorhandenen Trassen, der erste Abschnitt führte vom Potsdamer Platz nach Schöneberg. Der letzte Abschnitt in Zehlendorf war der schwierigste, weil die Trasse künstlich geschaffen werden musste. Jetzt konnte König Friedrich Wilhelm II. sein Potsdamer Marmorpalais über "seine" Chaussee erreichen.

Potsdamer Straße, Anhaltiner Straße und Teltower Damm bilden auf der Landkarte die Form einer Linse nach. In diesem Bereich sind wir heute Abend unterwegs. Die Anhaltiner Straße verläuft nicht nur direkt oberhalb der Bahnstrecke, sie verweist auch mit ihrem Namen auf ein Ziel der am Potsdamer Bahnhof in Berlin beginnenden Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn.

Am Bahnhof Zehlendorf biegt sich der Teltower Damm links unter der S-Bahn hindurch. Vor lauter Geschäftigkeit übersieht man fast die Idylle mit dem alten Büdnerhaus (Kleinbauernhaus), das in der Ecke gegenüber dem Gartenlokal am Übergang zur Martin Buber-Straße steht. Ansonsten ist vom alten Dorf nicht mehr viel erhalten, da durch die Verkehrsanbindung von Chaussee und Bahn schon frühzeitig Wohngebiete angelegt wurden. Am Teltower Damm stehen einige prächtige Mietshäuser, im übrigen Gebiet unserer "Linse" sind es überwiegend Villen und die schmucklosen Bauten von Rathaus, Finanzamt und Bürogebäuden.

Wir kommen zur Düppelstraße, die an ein dänisches Dorf erinnert, das 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg von der preußischen Armee gestürmt wurde (vom Kampf um die Düppeler Schanzen hat mancher vielleicht im Geschichtsunterricht gehört). Und gelangen zum Paul Mebes-Park (2), der den Reformarchitekten ehrt, der in Berlin eine Reihe von Siedlungsprojekten errichtet hat (Mebes & Emmerich: z.B. "Flußpferdhof"-Siedlung, Kleinhäuser der Siedlung Jungfernheide, Friedrich-Ebert-Siedlung am Volkspark Rehberge, Gartenstadt Zehlendorf Berlepschstraße, in der Einfamilienhaus-Zeilen nach der Sonne ausgerichtet wurden).

Kennt jemand noch das Lokal "Ujak Tom" ? Der Name ist die serbische Übersetzung von "Onkel Tom" und verwies damit auf die am Lokal von der Potsdamer Chaussee abgehende Querstraße. Heute kocht hier ein Grieche und bedient die hungrigen Flaneure.

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(1) Mehr über die erste preußische Chaussee: Chaussee, preußische
(2) Mehr über Mebes: Mebes, Paul


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Dorf mit Schmiede und Windmühle
Zum Schloss