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Wasserstadt mit beschränkter Haftung


Stadtteil: Spandau
Bereich: Wasserstadt Haselhorst
Stadtplanaufruf: Berlin, Pohleseestr.
Datum: 5. Juli 2004

Die Wasserstadt Spandau hat uns nach Haselhorst gelockt. Auf dem Stadtplan sahen wir im Quartier Haveleck ein Netz von Anliegerstraßen um die Grundstücke herum. Wir konnten ja nicht ahnen, dass hier nur wenige Musterhäuser stehen, um die herum sich Unkrautfelder ausbreiten, in denen nicht einmal Hasen jagen. Aus einem Zeitungsbericht vom 8.7.2003: "Wir haben ein Reihenendhaus gekauft. Jetzt fehlt nur der Rest der Reihe. Britta und Detlev Marschke stehen vor ihrem Eigentum und blicken nach links. Rund 100 Meter weiter, oder vier imaginäre Häuser entfernt, steht das nächste Reihenhaus - außer der Reihe."

Die Havelpromenade ist ein Treppengebilde, das ins Nichts nach oben führt. Nicht wie versprochen: "Rund um Bootshafen und Liegeplätze wird es am Ufer lebhaft zugehen: Cafés, Restaurants und Geschäfte machen die Promenade zum zentralen Treffpunkt für Spaziergänger, Radfahrer, Wasserwanderer und Angler". So soll(te) es einmal werden. "Die Wasserstadt Spandau zählt zu den attraktivsten Wohngebieten Berlins am Wasser. Weitläufige Uferpromenaden eröffnen einzigartige Aussichten auf die Havellandschaft und den Spandauer See. Bootsanleger, Badestellen und Marinas laden zu reizvollen Freizeitvergnügen ein."

Kritischer ist diese Stimme aus dem Internet: "Dort, nördlich der Spandauer Zitadelle, erstreckt sich in landschaftlich sehr reizvoller Lage zu beiden Seiten der Havel, rund um die Insel Eiswerder, das 206 Hektar große Gebiet der Wasserstadt Oberhavel, in dessen neun Quartieren bis zum Jahre 2010 einmal 34.000 Einwohner in 12.700 Wohnungen leben sollen - sofern die Sparzwänge es erlauben. Die geplanten 22.000 Arbeitsplätze scheinen eher unrealistisch zu sein". Das bezieht sich auf die Gründungsversprechen vom Sommer 1992: "Durch den Senat von Berlin wurde der städtebauliche Entwicklungsbereich 'Wasserstadt Berlin Oberhavel' festgelegt. Auf rund 206 ha Industrie- und Brachfläche soll innerhalb von 10 bis 15 Jahren östlich und westlich der Havel eine neue Stadt für etwa 34.000 Einwohner mit bis zu 22.000 neuen Arbeitsplätzen entstehen."

Und was ist (war) noch geplant ? "Floating Home - Wohnen auf dem Wasser: Zwei Standorte wurden für die Errichtung von schwimmenden Häusern ausgewählt. An der Südküste der Insel Eiswerder können in landschaftlich reizvoller Umgebung mit Blick auf Zitadelle und Altstadt Spandau ca. 8 bis 12 Einheiten angelegt werden."

Soweit die Entwürfe. Und so sieht es heute aus: Über den Spandauer See führen 2 neu angelegte Brücken, die die östliche "Havelpromenade" (die mit der berühmten Treppe und den Unkrautfeldern) mit der westlichen "Havelspitze" verbinden, einem von der Bankgesellschaft verwirklichten Bauprojekt, von dessen Balkons die Mieter bzw. Eigentümer auf den ereignislosen Spandauer See blicken oder sich am Abend die Hundebesitzer beim Gassigehen treffen. Die Pro Seniore Residenz Wasserstadt hat einen Block belegt, andere Wohnungen sind vermietet oder verkauft, einige stehen leer. Ein Gewerbekomplex, der von einer Seite wie ein altes Pumpwerk aussieht, blickt auf der anderen Seite mit verschwommenen Fenstern auf das nicht vorhandene urbane Leben.

Die Wasserwege hier verbinden die Mitte Berlins mit dem nördlichen Umland. Folgt man dem Hohenzollernkanal entlang dem Saatwinkler Damm nach Südosten, so kommt man nur Museumsinsel, zum Dom, zur Berliner Innenstadt vom Wasser aus. In nördlicher Richtung führt der Hohenzollernkanal durch den Spandauer See und den Tegeler See Richtung Ostsee. Wir folgen dem Kanal zur Rohrbruchwiese (eine Erklärung für diesen Namen habe ich bisher nicht finden können) und durch die Kleingartenkolonien zurück zur Havelpromenade.

Da es hier noch keines der versprochenen Restaurants gibt, fahren wir nach Charlottenburg zurück zum Griechen am Amtsgerichtsplatz - eine besondere Stimmung nach der gestern gewonnenen Europameisterschaft von Lissabon können wir aber nicht feststellen.

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Ergänzung im Januar 2012:
Die Pfeiler auf der Spandauer-See-Brücke und die Pfeiler im Museum of Modern Art, Wakayama (Japan) sind im Design verblüffend ähnlich. Kishō Kurokawa, der Architekt des Museums, datiert seinen Entwurf auf 1990-1994, die Spandauer Brücke wurde ungefähr zur gleichen Zeit verwirklicht (1990-1999). Ob es sich um eine zufällige Übereinstimmung im Design oder eine Beeinflussung, gar ein Plagiat (von welcher Seite auch immer) handelt, war nicht zu ermitteln.


Malerische Auseinandersetzung mit Fresken