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Solange es den Flughafen Tempelhof noch gibt



Stadtbezirk: Tempelhof
Bereich: Flughafen Tempelhof
Stadtplanaufruf: Berlin, Columbiadamm
Datum: 13. Februar 2007

Unsere Flanierziele "... solange es das noch gibt ..." mehren sich. Heute sind wir am Tempelhofer Flughafen unterwegs, der wohl nicht mehr lange Flughafen sein wird (aber das ist eine andere Geschichte). Und da vor unseren Augen der Potsdamer Platz neu erstanden ist, der Lehrter Bahnhof sich in den Hauptbahnhof verwandelt hat, Bauten verschwinden und andere entstehen wollen wir auch hier ansehen und dokumentieren, was bald Geschichte sein wird.

Als Flughafen einer Weltstadt geht das nicht mehr durch, was wir hier vorfinden: 56 Sitzplätze für wartende Fluggästen in der Halle, ein (ein !) Gepäckband und so ziemlich Funkstille an den wenigen Abfertigungsschaltern, das ist das Bild am Montagabend. Kaum zu glauben, dass die Bahn (als hätte sie nicht genügend Probleme auf den Schienen zu meistern) den Flugbetrieb hier übernehmen will, wenn eine Promiklinik in die Gebäude einzieht. "Tempelhof bleibt Verkehrsflughafen" steht auf einem Flugblatt des Volksbegehrens Tempelhof, mit dem um Unterstützerunterschriften geworben wird. Na ja.

Trotzdem endet jetzt wohl bald die Flughafengeschichte des ältesten Verkehrsflughafens Deutschlands. THF oder EDDI, wie die internationalen Codes für Tempelhof heißen, war 1923 auf einem preußischen Exerzierplatz errichtet worden, dem Tempelhofer Feld (der Tempelhofer Damm hieß damals "Paradestraße"). Nachdem die Preußen hier jedes Jahr ihre Soldaten aufmarschieren ließen, um ihre militärische Stärke zu demonstrieren, entdeckten die Berliner den Platz als Ausflugsziel und kamen mit Kind und Kegel zum Drachensteigen und für Flugschauen hierher, auch der Zeppelin flog 1909 über das Tempelhofer Feld. (Noch heute sind die private "Zeppelin University" und ein "Institut für Luftschwimmkunst" im Flughafengebäude vertreten).

Im Erstjahr des Flughafens wurden bei 100 Starts 150 Personen befördert, 1967 waren es dann 3,5 Mio Passagiere, zuletzt vor dem Umzug nach Tegel fast 6 Mio. Das heute bestehende Flughafengebäude wurde zur Nazizeit geplant, dem Zeitgeist entsprechend war es auf das 30-fache des damaligen Bedarfs ausgelegt. Riesige Tribünen über den Dächern sollten die Zuschauer von Flugschauen aufnehmen. Die halbkreisförmig angelegten Gebäudeteile umschließen einen Teil des Rollfeldes. Die gesamte Gebäude-Frontlänge beträgt mehr als 1,2 km. Der Flughafenkomplex ist mit 284.000 qm Geschossfläche das zweitgrößte Bauwerk der Welt (nach dem Pentagon in Washington). Der Bau verfügt über einen unterirdischen Gleisanschluss und spektakuläre Keller-"Unterwelten".

Der Bau blieb bis zum Kriegende unvollendet, 1942 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Nach dem Krieg wurde der Flughafen durch die "Rosinenbomber" weltberühmt, die die Versorgung Berlins während der Blockade durch eine Luftbrücke sicherstellten. ("Rosinenbomber": Ein amerikanischer Pilot erfand das Abwerfen von Süßigkeiten während des Anfluges auf Tempelhof mit Fallschirmen aus Taschentüchern aus den Cockpit-Fenstern). Während der Teilung Deutschlands durften nur zivile Fluggesellschaften aus den Staaten der drei westlichen Siegermächte den Flughafen durch die alliierten Luftkorridore ansteuern (BEA, Air France und PanAm).

Einen Hangar kann man heutzutage als passende "Location" für Veranstaltungen mieten. Billy Wilders Kalte-Kriegs-Posse "Eins, zwei, drei" wurde auf dem Flughafen gedreht, ebenso "In weiter Ferne, so nah" von Wim Wenders. In den Kellern befanden oder befinden sich Filmarchive, Luftschutzbunker, eine US-Kommandozentrale, ein Kraftwerk.

In Flughafennähe ein geeignetes Restaurant für den abschließenden Flanier-Imbiss zu finden, erwies sich als schwierig. So wechselten wir in den angrenzenden Stadtbezirk Kreuzberg, wo die Bergmannstraße die richtige Auswahl an Lokalen bot. Auf dem Weg dorthin fand ich an einer Friedhofsmauer - kaum zu glauben - ein rotes Herz mit dem Text "Gamze, ich liebe Dich", welche Nostalgie angesichts der vielen Graffiti-Krekelkrakel im Stadtbild.





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Der schwarze Stier aus der Unterwelt
Alt Marienfelde