Bezirke
  ALLE ZIELE     Personen     Themen     Aktuell     Forum  
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Lichtenberg
Marzahn-Hellersdorf
Mitte
Neukölln
Pankow
Reinickendorf
Spandau
Steglitz-Zehlendorf
Tempelhof-Schöneberg
Treptow-Köpenick
Allgemein:
Startseite
Ich bin NEU hier
Hinweise
Kontakt
Impressum
Links
SUCHEN
Sitemap

Der Schatz in den Schätzelbergen


Stadtteil: Tempelhof
Bereich: Teltowkanal
Stadtplanaufruf: Berlin, Volkmarstraße
Datum: 22. Mai 2017
Bericht Nr: 588

Die Gründung Tempelhofs geht auf die "Templer" zurück, Kreuzritter, das das Heilige Land mit dem Schwert von den "Ungläubigen" befreien sollten. Ihre militärische Mission ist letztlich gescheitert, ihre wirtschaftliche Macht war sagenhaft - im wahren Wortsinne. Sie hatten ein total modern anmutendes Bankensystem aufgebaut für die Teilnehmer der Kreuzzüge. Bargeldlos konnten die Kreuzritter reisen und mithilfe schriftlicher Zahlungsanweisungen Geld am Ziel abheben, das sie vorher bei einer europäischen Niederlassung der Templer ("Komturei") eingezahlt hatten. Durch diese Bankgeschäfte, durch Schenkungen und eigenes Wirtschaften sind die Templer reich geworden. Kaum war ihr letzter Großmeister auf päpstlichen Druck als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da bildeten sich schon Sagen, wo denn Goldstücke, Pfandbriefe und all das übrige Vermögen - der ganze Schatz - geblieben sei.

Von den Tempelhofer Schätzelbergen vermutet ein Romanschreiber, dass sich deren Name vielleicht von "Schatz" ableitet, hier könnte der Templer-Schatz vergraben sein. Schließlich hieß die Schätzelbergstraße bis 1935 Komturstraße, und das sei doch ein gezielter Hinweis auf die Tempelritter. Aber wir beschäftigen uns bei unserem Spaziergang nicht mit der Schatzsuche, sondern durchmessen das Industrieviertel südlich des Teltowkanals bis zu den Friedhöfen an der Gottlieb-Dunkel-Straße.

Neuer St.Michael-Friedhof und Parkfriedhof
Eine Grabstein-Inschrift:

____Der Kampf ist aus | Die Leiden sind vorüber
____In Gottes Haus | Ist mir die Ruhe lieber

Auf dem Neuen St.Michael-Friedhof an der Gottlieb-Dunkel-Straße fallen in einer Gräberreihe ungewöhnlich gestaltete Gedenksteine auf. In die Grabsteine sind Medaillons mit Fotos der Verstorbenen eingefügt. Auf den Berliner Friedhöfen ist das nicht üblich, mit Ausnahme des orthodoxen russischen Friedhofs in Tegel. Dort sind Bilder und Gravuren bis zu Lebensgröße zu sehen und Beigaben wie aufgeschlagene Bücher aus Marmor oder Stein.

Eine ganz eigene Begräbniskultur haben auch die Sinti und Roma, deren Gräber uns auf dem Michael-Friedhof begegnet sind. Unabhängig vom religiösen Bekenntnis – Katholiken oder Protestanten - sollen die Verstorbenen keinen Kontakt zur Erde haben. Deshalb müssten eigentlich Gruften gebaut werden, doch das ist meist zu aufwendig, wenn die Friedhofssatzung das überhaupt zulässt. Für einfache Bestattungen ohne Gruft reicht es, wenn der Sarg auf einer Kiesschicht ruht. Auf dem Friedhof in Bonn-Beuel ist eine ganze Reihe von "Erinnerungstempeln" (Gruften, Mausoleen) entstanden, in denen Oberhäupter reicher Familien-Clans bestattet sind. Auf den meisten Grabanlagen sind die Portraits dieser "Könige" sogar mit stilisierten Kronen verziert.

Auf dem Michael-Friedhof wurde 2001 Otto Rosenberg bestattet, der langjährige Vorsitzende des Berliner Landesverbandes deutscher Sinti und Roma. Als Sinti wurde er im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 interniert, als die Nazis die Reichshauptstadt "zigeunerfrei" machten. Wie Hunderte anderer Sinti und Roma wurde er im "Zigeunerlager" in Baracken auf einem ehemaligen Rieselfeld nördlich des Friedhofs Marzahn zusammengepfercht. Trotz der Verfolgungen überlebte er vier Konzentrations- und Arbeitslager, kehrte nach Berlin zurück und gründete hier eine Familie, zu der auch die Sängerin Marianne Rosenberg - seine Tochter - gehört.

Auf dem Parkfriedhof an der Schätzelbergstraße werden schon seit 20 Jahren keine Bestattungen mehr vorgenommen. Er soll als Grünfläche erhalten bleiben, zumindest während der nächsten 10 Jahre, bis die Liegezeit abläuft. Zu den wenigen noch erhaltenen Gräbern gehören der Beerdigungsplatz eines Tempelhofer Bürgermeisters und mehrere Kriegsgräber. Mehrere Kolumbarien sind hier aufgestellt, Mauern mit Urnen.

Tierfriedhof
Nebenan auf der Fläche der ehemaligen Friedhofsgärtnerei hat sich ein Tierfriedhof etabliert. Seitdem der Lankwitzer Tierschutzverein mit seinem Friedhof nach Falkenberg weggezogen ist, wurde für viele Tierliebhaber der Weg zu weit, deshalb lohnte sich ein weiterer innerstädtischer Friedhof. Bereits in den 1920er Jahren gab es in der Region 3 Tierfriedhöfe in Wedding, Stolzenhagen und Stahnsdorf. Heute sind es in ganz Deutschland rund 100 Friedhöfe und 18 Krematorien für Heimtiere.


mit KLICK vergrößern

Elektropolis in Tempelhof
Bei der Entwicklung Berlins zur Industriestadt war nach 1900 die Elektroindustrie ein wesentlicher Motor. Weltkonzerne wie AEG und Siemens sind hier entstanden und haben Berlin zur "Elektropolis" gemacht, die Stadt wurde zum "Laboratorium des Fortschritts“. In dem heute von uns besuchten Industriegebiet liegen drei denkmalgeschützte Gebäude nahe beieinander, die von Unternehmen der Nachrichtentechnik erbaut wurden.

Telegraphenwerk
Schon vom Tempelhofer Hafen aus sieht man den Baublock des Telegraphenwerks C. Lorenz. Vom Grundriss her wie eine Schlossanlage mit Seitenflügeln konzipiert, wird auf historisierende Ornamente und Verzierungen verzichtet, die Fassaden sind durch Pfeiler gegliedert. Die Fabrik enthielt eine Be- und Entlüftungsanlage, getrennte Nutz- und Trinkwasserversorgung und ein Transportsystem. Die Räume waren entsprechend dem Betriebsablauf organisiert. Dem Materiallager im Keller und der Stanzerei im Erdgeschoss folgten Fertigungs- und Montageabteilungen in den oberen Etagen. Das Fertiglager befand sich im Dachgeschoss.


mit KLICK vergrößern

Telegraphenzeugamt
An der Schätzelbergstraße errichtete ebenfalls in den 1910er Jahren das Telegraphenzeugamt Werkstätten, Lager und Verwaltungsgebäude, vom Stil her angelehnt an klassizistische Bauten. Zeugamt? "Dummes Zeug", "unnützes Zeug", "wertloses Zeug", heute hat der Begriff einen abwertenden Beiklang. Früher wurde er gegenständlich für Material, Stoffe, Dinge, Sachen verwendet, beispielsweise in Zeugamt, Zeughaus, Zeugmacher. Das Telegraphenzeugamt war eine Abteilung der Oberpostdirektion, die Geräte, Werkzeuge und Material für den Telegraphen- und Fernsprechbau und die Rohrpost beschaffte, verwaltete und verteilte.

Elektro-Thermit
An der Colditzstraße baute "Elektro-Thermit" in den 1920er Jahren ein Verwaltungsgebäude und während des Zweiten Weltkriegs einen 100 Meter langen Fabrikbau mit einer "Kanalhalle" am Teltowkanal. Das Unternehmen begann mit dem Thermit-Produktionsverfahren, das 1894 entwickelt worden war und bis heute im Gleisbau verwendet wird, um Schienenenden miteinander zu verschweißen.


mit KLICK vergrößern

Später kaufte Elektro-Thermit den Telefonbauer Hagenuk, der auch Radios, Lautsprecher, Funkgeräte, Sprechanlagen und Marinetechnik herstellte. Für die Produktion von Hagenuk wurde die Kanalhalle gebaut. In Pommern unterhielt die Hagenuk eine Tochtergesellschaft, die als Rüstungsbetrieb Handgranaten und Brandbomben produzierte.

Philipps Apparatebau

Die Deutsche Philipps gab in Tempelhof nur ein Nachkriegs-Gastspiel, nach der Wende war es damit vorbei. Andere Industriebetriebe hatten nicht nur ihre Zentralen aus West-Berlin abgezogen, sondern auch ihrer Produktion. Das unsichere West-Berlin mit den Ost-West-Spannungen und den langen Wegen in die Bundesrepublik war für die Betriebe kein vorteilhafter Standort. Im Gegensatz dazu baute Philipps 1955 eine neue Apparatefabrik an der Ullsteinstraße, um Autoradios, Plattenspieler, Tonbandgeräte und Ventilatoren herzustellen.

Die Philipps-Fabrikbauten wurden in einer speziellen Beton-Schalenbauweise errichtet. Auch der Großen Windkanal im Aerodynamischen Park Adlershof ist in dieser Bauweise entstanden. Die Fabrik wurde zwischendurch noch erweitert, erst nach der Wende hat man sie stillgelegt. Die Hauptverwaltung der 1926 in Berlin gegründeten Deutsche Philipps war bereits 1945 nach Hamburg umgezogen.


Am Tempelhofer Hafen müsste doch ein Lokal für unser Flaniermahl zu finden sein. Bei der Pizzeria oberhalb des Hafens am Tempelhofer Damm liefen die Ameisen fröhlich durch alle Ritzen der Tische. Hier flohen wir, ehe eine Ameisenstraße über unseren Teller verlief. Der dann am T-Damm gefundene Grieche konnte uns auch nicht begeistern, wer zählt schon gern die Autos, die am Tisch vorbeifahren.

--------------------------------------------------------------
... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
--------------------------------------------------------------

--------------------------------------------------------------
... und hier sind weitere Bilder ...
--------------------------------------------------------------

--------------------------------------------------------------
Unsere Route:
--------------------------------------------------------------

zum Vergrößern ANKLICKEN



Drei Eiszeiten - eine Stadt
Die Müllkippe lebt